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  Eigenwerbung

Gesichtsmasken und erotische Filme

Sexy auch mit Maske?
Manche Beschauer pornografischer Filme denken an die Darsteller(innen), andere nicht. Wie in manchen anderen Produktionen auch, kommen sich die Personen im Film physisch nahe – aber eben nicht so nahe wie in der Pornografie.

Ob Küssen, Kosen und Ineinanderstecken noch denkbar ist? Und wenn nicht, müssen die Darsteller(innen) Masken tragen? Machen manche Masken vielleicht sogar sexy? Oder geht die Mimik verloren, die zumindest in sinnlich-erotischen Filmen eine große Rolle spielt? Müssen sich die Schauspieler(innen) überhaupt nahekommen? Geht nicht auch manches „auf die Entfernung“? Und wie nahe ist „nahe“, ob mit oder ohne Maske?

Ich hörte, ein großes Problem sei das Lüften, gerade, wenn man im Winter drehe – Darstellerinnen in Dessous, drei Grad Außentemperatur? Innerlich würden die Ausführenden ja kaum noch heiß, also müsste die Zentralheizung kräftig aufgedreht werden.
So hat eben jeder seine Probleme. Wie gut, dass Schriftsteller ihren Figuren noch so nahe kommen dürfen, wie sie wollen.

Geilheit, Sexunlust und Pornografie

Dysfunktion aufgrund von Pornografie?
Es gibt ein neues Wort, das seit langer Zeit die Runde macht. Es heißt PIED uns bedeutet „Durch Pornografie verursachte erektile Dysfunktion“.

Das Thema wird vor allem von jenen Kreisen befeuert, die Pornografie ohnehin für Teufelswerk halten, aber es wird durchaus auch ernsthaft behandelt. Erstaunlicherweise stehen dabei ausschließlich Männer im Fokus. Das mag sicherlich daran liegen, dass Männer mehr Pornografie konsumieren als Frauen. Aber es liegt eben auch daran, dass „erektile Dysfunktion“ sehr gelehrt klingt. Würden wir einfach sagen: „Hey, durch den Konsum von Pornografie haben Menschen weniger Lust auf echten Sex“, dann wäre die Sache viel schneller geklärt.

Pornografie kann die Lust schnell aufheizen

Pornografie - geschriebene, aber vor allem gefilmte - kann die Lust wesentlich schneller anheizen als die Realität es vermag. Und sicherlich erfüllt Pornografie auch die sinnlichen Bedürfnisse jener, die keine Chance haben, ihre sexuellen Wünsche in der Realität erfüllt zu bekommen. Absolut klar, dass die Pornografie „ein völlig falsches Bild“ in den Köpfen erzeugt. Denn niemand will dort die Art von Sex sehen, die in „innigen, erfüllten Beziehungen“ üblich ist. Doch wen wundert das eigentlich?

Nur - ist Sex überhaupt das, was eine Beziehung erfüllt? Und ist es völlig abwegig, die Befriedigung, die durch penetrativen Sex nicht erreicht werden kann, auf andere Art zu suchen?

Ist "gewöhnlicher" Sex wirklich so erfüllend?

Es heißt immer wieder, ein Mann würde penetrativen vaginalen Sex mit einer Frau als Erfüllung der Liebe empfinden. Doch stimmt das wirklich? Hat die körperliche Lust überhaupt etwas mit der Liebe zu tun? Ist Oralverkehr – rein vom Lustgewinn her gesehen nicht wesentlich erfüllender?

An dieser Stelle wird es Zeit, Frauen zu erwähnen. Auch wenn Frauen normalerweise weniger Pornografie sehen oder lesen, so hilft sie ihnen doch, sich Fantasien zu erfüllen. Denn neben der Schwelgerei in heftigen romantischen Abenteuern ist es insbesondere der passive Oralverkehr, der ihre Fantasie beflügelt. Dicht gefolgt von all dem, was Frauen so gut wie niemals aussprechen – und dazu gehört auch die Lust an Spielen mit der Unterwerfung.

Frauen und Lüste

Wie kann ein schwitzender Mann, der auf der Frau die gängigen Übungen absolviert, die Lüste erfüllen, von denen Frauen heimlich träumen? Kann er sie überhaupt wirklich zu erfüllenden Orgasmen bringen? Die meisten Frauen schweigend dazu, und dennoch wissen wir aus vielen Schilderungen: Eher nein. Es mag Orgasmen geben, die allein auf penetrativen Sex zurückzuführen sind – aber es gibt wesentlich mehr Orgasmen, die als Folge klitoraler Stimulation erlebt werden.

Sexualität ist ein Urinstinkt. Sie bringt das Animalische in uns zurück, das wir so gerne verleugnen. Und da wir Menschen über ein abstraktes Vorstellungsvermögen verfügen, können wir uns Szenen vorstellen, die im „wirklichen“ Leben nicht vorkommen. Das ist sozusagen die „innere Pornografie“. Sie kann – wie die reale Pornografie – darin bestehen, dass wir sexuell von Szenen erregt werden, die zugleich faszinierend und befremdend sind, aber nicht der Realität entsprechen.

Die meisten Menschen sind sich darüber klar, dass alle die schwülstigen Liebesromane, die grausamen Kriminal- und Horrorfilme und die heftigsten Pornos „Märchen für Erwachsene“ sind.

Lustvolle Märchen für Erwachsene

Gerade bei pornografischen Filmen (und viel weniger bei Schriften) wird behauptet, dass es einen feuchten Dschungel gäbe, der mit allerlei Befremden durchsetzt sei. Das ist richtig, denn wir befinden uns im Reich der wildesten Fantasien. Im Grunde werden alle Themen bedient, auch solche, die Einige von uns überfordern, manche erregen, andere aber wieder durchaus kalt lassen. Ich vergleiche das immer mit den Kriminalfilmen: Manche Zuschauer lieben die betont brutalen Szenen, andere halten sich die Hand vor die Augen, wenn sie auf dem Bildschirm erscheinen.

Die Unlust im Wandel der Zeiten

Sexunlust - bei Männern aufgrund der unvollständigen Versteifung des Penis als „erektile Dysfunktion“ bezeichnet, ist ein Phänomen, das in aller Munde ist. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass sich viele Männer sich über die Unlust oder Verweigerung ihrer Ehefrauen beklagten. Lange Zeit galt es als „stille Übereinkunft“ unter Männern, dass Ehefrauen wenig Lust zum Beischlaf hätten und dass es auch kein wirkliches Vergnügen sei, sie zu beschlafen.

Und heute? Theoretisch kann sich jede und jeder „gönnen“, was Lust bereitet – allein, zu zweit oder in Gruppen. Und nun könnten wir uns doch einmal fragen, warum es ausgerechnet an der Pornografie liegen soll, dass Frauen und Männer ihre Lüste „neu sortieren“. Könnte es nicht auch daran liegen, dass wir andere Wahnvorstellung davon haben, was Lust für uns bedeutet?

Oh, das Thema ist damit nicht erschöpft, auf keinen Fall. Aber bevor wir von „durch Pornografie verursachte erektile Dysfunktion“ reden, sollten wir über Lust und Unlust nachdenken.

Siehe auch: Beitrag in "Medium"
Wissenschaftlich, ausführlich, auf Männer bezogen

Ich schäme mich, Pornografie anzusehen

Pornografie oder Lust pur?
Pornografie ansehen – und andere Dinge, für die ich mich schäme - eine interessante, ehrliche Offenbarung. Leider nicht von MIR, sondern von der libanesischen Autorin Jessica Semaan. Zusammen mit der Fotografin Jane Hu hat sie ihre Scham bildhaft und in kurzen Texten ausgedrückt.

Drei Kernsätze aus dem Bereich: „Ich schäme mich, Pornografie anzusehen“:

1. Keine andere Frau sieht Pornografie an.
2. Pornografie ist Männersache.
3. Ich bin böse, weil ich sexuelle Fantasien habe, die nicht den heterosexuellen Vorstellungen entsprechen.

Wer auf die Seite geht, wird dort nichts Pornografisches entdecken. Das ist gut so, denn es geht um falsche Scham und ihre Überwindung.

Sehenswert ist auch die Webseite der Fotografin.

Nachtrag (Januar 2021). Wir planen eine kleine Artikelserie darüber, wie, warum und mit welchem Verlangen Frauen Pornografie sehen. Helft uns bitte dabei, zutreffende Antworten zu finden.

Schnellkontakt :

Pornografie und Misogynie

Sehen ...
Für die einen ist klar, dass Pornografie des Teufels ist, für die anderen ist sie ein zwar nicht sonderlich erhebender, aber immerhin lustvoller Zeitvertreib. Der „Knackpunkt“, an dem sich die Geister scheiden, liegt in einem Detail: Führt die überwiegend für Männer gestaltete Pornografie zur Frauenverachtung oder hat sie keinen Einfluss auf die tatsächlichen Ansichten, die Männer über Frauen haben?

Realitäten und Fiktionen

Wir wissen längst, dass Erwachsene zwischen Realität und Fiktion unterscheiden können – Tausende von Kriminal- und Liebeskitschromanen haben unsere Gehirne gestreift, ohne Spuren zu hinterlassen. Wobei die Reaktionen sehr unterschiedlich sind: Der eine stöhnt „das ist doch alles an den Haaren herbeigezogen“, der andere sagt: „ach, das sind eben eben Märchen für Erwachsene.“

Und die Pornografie? Sie durchstreift unsere Gehirne in ähnlicher Weise, bevor ein Teil ihrer Strömungen vermittels gewisser Botenstoffe in die Genitalien eindringt – und übrig bleibt … nichts.

Die moralische Panik, die über die Pornografie verbreitet wird, ist wesentlich von der Meinung geprägt: „Weil ich mich ekele, wenn ich diese Szene sehe, darf sie auch sonst niemand sehen.“ Wobei in Pornos deutlich weniger geschundene, gedemütigte und schwer verletzte Körper gezeigt werden als in Kriminalfilmen.

Kürzlich wurden einige hartgesottene Porno-Konsumenten (ja, sie waren Männer) gefragt, wie sie zur Gleichberechtigung der Frauen stehen – in durchaus unterschiedlichen Bereichen. Dabei stellte sich heraus, dass sie keinesfalls frauen- oder emanzipationsfeindlich sind – und diese Umfrage betätigte eine andere, noch neutralere Forschung, die an „gewöhnlichen“ Pornokonsumenten und Nicht-Konsumenten durchgeführt wurde.

Die Welt der Fantasien

Gewiss kann Pornografie einen negativen Effekt auf junge Menschen haben – doch die gleichen jungen Menschen haben einst auch Hexen, Teufel und böse Stiefmütter mit Mordgedanken ertragen müssen. Und sie dürfen weiterhin im Abendprogramm die mal sinnlich, mal abstoßend drapierten Überreste menschlicher Körper sehen.

Aus dieser Sicht ist es völlig sinnlos, Pornografie generell zu verdammen. Und mittlerweile gibt es einige Frauen, die produzieren oder hinter den Kameras stehen. Dabei handelt es sich oft um Frauen, die genau wissen, was die Lüste ihrer biologisch männlichen, biologisch weiblichen und andersgeschlechtlichen Menschen anspricht.

Wesentlich interessanter als jede visuelle Darstellung wären erotische Romane, die detailliert schildern könnten, was die Menschen wirklich fühlen, wenn sie aufeinander zu- und ineinander aufgehen. Davon gibt es noch viel zu wenige. Wenn ihr schon die Misogynie bekämpfen wollt – warum dann nicht mit dem sinnlichen Verlangen, das von Frauen ausgeht?

Wie du keine Pornografie schreiben kannst

Während der literarische Roman das Leben seiner Charaktere transparent zu machen versucht, lebt die Pornografie von einer Aneinanderreihung fleischlicher Szenen.

Was im pornografischen Roman beschrieben wird, existiert an keinem Ort dieser Welt und zu keiner Zeit – es ist sozusagen eine sexuelle Utopie. Vermutlich denken die Autorinnen und Autoren, dass ihre Leser(innen) davon um so geiler werden, je mehr die Realität ausgeschlossen wird.

Die erotische oder auch sexuelle Realität lebt hingehen vom Übergang einer nicht-sexuellen Situation in eine unvorhersehbare, heftige sexuelle Erfahrung. Sie überrascht deine Figur in jeder Hinsicht und bringt ihr bisheriges Gefühls- oder Gedankengebäude ins Wanken.

Wenn jemand in der Realität „so etwas“ passiert, wird er sich oft zunächst fragen: „War das wirklich ICH, der sich da so schamlos hingegeben hat?

So sollte es auch im Roman sein: Nach dem Ereignis, das „alles verändert hat“, kann deine Figur auf die Suche auch einer neuen sexuellen Identität gehen – durch Nachdenken, aber auch durch Versuch und Irrtum. Am Ende wird sie Klarheit über ihre Lüste, Bedürfnisse und Begierden gefunden haben. Die damit verbundenen Erlebnisse rechtfertigen auch, hautnah und damit sehr intim an deine Figur heranzugehen.

Auf diese Weise schreibst du dann eben – keine Pornografie.