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Das perfekte Paar? Ach so ...

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn Paartherapeuten glauben, Beziehungsexperten zu sein. Wer das auch glauben möchte, dem gebe ich zu bedenken, dass Paartherapeuten relativ wenige Paare zu Gesicht bekommen, und dass sie sich dennoch anmaßen, über alle Paare urteilen zu können.

Selbst wenn dann plausibel klingt, was sie über eine „perfekte Partnerschaft“ sagen, stelle ich immer wieder fest: Das sind allgemeine Beobachtungen, die Tante Käthe auch schon im Munde führte, zum Beispiel;

Wir brauchen eine hinreichende Übereinstimmung, aber auch eine hinreichende Unterschiedlichkeit.

Dann nennt der Therapeut noch ein paar Zahlen, und schon sind wir – so schlau wie vorher.

Die BUNTE fragte einen Paartherapeuten danach, „welcher Partner wirklich zu (jemandem) passt.“

Natürlich wusste der Paartherapeut auch noch einige Antworten, die deutlich differenzierter ausfielen, aber die meisten Aussagen bleiben dann doch im Ansatz stecken: Das Paar braucht ein Wir-Gefühl? Na klar, sonst ist es kein Paar. Dafür braucht man Zeit? Oh, sicher, aber gerade diese Zeit stellt sich erst ein, wenn „wir“ schon ein Paar sind.

Und dann noch die Frage,wie „wir unsere Beziehung definieren?“ Bei solchen Fragen steigen selbst gestandene Ehepaare aus, weil der Jargon eben typisch für die Psycho-Branche ist.

Könnte es vielleicht sein, dass sie die Frage „Passt der Partner wirklich?“ gar nicht beantworten lässt? Ich selbst neige zu dieser Behauptung.

Und Paartherapeuten, die sich so weit zum Fenster hinauslehnen, es „wirklich“ zu wissen, sollten mal versuchen, den Beweis für ihre Behauptungen anzutreten, wenn sich ein Paar kennenlernt – und nicht, wenn beide auf der Couch sitzen.

Gelesen in: DIE BUNTE. Leider wirst du den Artikel nicht lesen können, weil auch die BUNTE dazu übergegangen ist, Informationen von allgemeinem Interesse nur noch Abonnenten zugänglich zu machen.

Nur 80 Prozent verlieben – und dann?

In der Zeitschrift EMOTION, so wird mir gerade berichtet, würde demnächst die Psychotherapeutin Alexandra Widmer über das Verlieben schreiben. Und der einzige Kernsatz, den man in die Welt hinausgepustet (1) hat, lautet:

Lieber 80 Prozent verliebt sein und mal schauen, wie es bei den nächsten Dates so läuft.
Nun frage ich mich, wie das gehen soll. Also, ich geh heute zum Date, bin 80 Prozent verliebt (schon eine „Verliebtometer-App auf deinem Handy?) und gehe nächste Woche zum nächsten Date, um zu gucken, ob der neue Typ mich nun zu 85 Prozent mauschig macht oder nur zu 69 Prozent? Und muss ich da jedes Mal hinterher zur Magnetresonanztomografie oder reicht ein Dopamin-Bluttest?

Ach so, ja … also die Frau Widmer meint wohl, „das Verliebtsein auf den zweiten Blick" wäre besser als auf den ersten Blick … und das heißt, ich soll den Typen lieber noch mal treffen, damit der Tank dann auf 100 Prozent aufgefüllt wird – oder der Liebestreibstoff schon aufgebraucht ist.

Wobei mir immer noch nicht klar ist, wie das so laufen kann. Ich meine, Verliebtheit in Prozent zu messen. Vielleicht erfahre ich das ja noch in der EMOTION – am Kiosk.

(1) Zu lesen in mehreren Artikeln des RND.

Liebestätigkeiten

Lebe ich in einer anderen Welt? Schreibt Frau Internetbewohnerin jetzt in Blogs oder auf sozialen Medien, wem sie gestern einen gepustet hat?

Oh, mir schwant Böses, seit ich heute den „Tagesanzeiger“ las. Jedenfalls erfuhr ich dort (Zitat):

Anders als noch vor ein paar Jahrzehnten, als man (beziehungsweise vor allem Frau) seine Liebestätigkeiten möglichst im Geheimen auslebte, um keinen schädlichen Ruf abzubekommen, kehren wir uns heute ganz freiwillig nach außen.
Ob ich das glauben soll? Ich ziehe mal vor, es nicht zu glauben. Und mal ganz nebenbei .. in dem Artikel geht es darum, sich einzumischen, auch in der Liebe. Oder vielleicht doch nicht einzumischen?

Also ich stelle mir mal vor, wie ich wohl reagieren würde, wenn meine Kollegin mich fragen würde: „Du, ich hab ihm gestern einen gepustet und dann alles aufgenommen ... hältst du das für richtig?

Besser, mich fragt niemand. Sonst bekomme ich noch einen "schädlichen Ruf" ab.

Zitat: Schweizer Tagesanzeiger vom 7. September 2019

HIV und Apps – Journalisten-Unfug um der Sensation willen

Apps zu Aids? Presse-Bullshit
Was haben Apps mit Aids zu tun? Die Presseleute wissen genau, was sie tun müssen: Eltern aufheizen, damit sie sorgenvoll auf ihre Kids gucken. Denn es liest sich sensationell, vor der Ausbreitung von Tripper, Syphilis und ganz aktuell auch HIV durch "Dating-Apps" zu warnen.

Das kriegen die Kids nämlich alles, denn „Dating-Apps befördern HIV-Epidemie unter Jugendlichen.“ Also gleich eine ganze Epidemie?

Der Weg führt stets über die britische Boulevardpresse

Die verwirrenden Informationen gehen immer gleiche Wege: Da wird irgendetwas veröffentlicht, oft sogar etwas Wertvolles- und dann landet es zunächst bei der britischen Presse, die sich als Megafon für jeden Schund eignet. Wenn die Originale lupenrein sauber sein sollten, wird schnell noch einer der Autoren/Autorinnen befragt, ob sie nicht ein bisschen mehr sagen könnten, und falls die Lippen nicht dicht bleiben, kommen dann Vermutungen dazu. Und am Ende landet es auf den Schreibtischen deutscher Online-Redakteure, wo dann die Überschriften solange angespitzt werden, bis sie mit dem Inhalt kaum noch übereinstimmen.

Mitmenschen, heute ist Welt AIDS Tag. Und der wird nicht zelebriert, damit sich ein paar Pressefritzen den schnellen Lorbeer einer Sensation ausruhen können.

Nein, im Westen ist im Moment keine neue Epidemie zu befürchten. Und ebenfalls nein, es gibt keinen beweis für die Zusammenhänge zwischen Apps und HIV.

Und überhaupt: Sexuell übertragbare Krankheiten werden nicht von Apps übertragen, sondern fast ausschließlich von Männern, die keine Kondome verwenden.

Weitere Informationen (mit darin enthaltenen Links zu den Originalinformationen):

Liebe Pur
Und ... natürlich ... in der Liebeszeitung - wo sonst?

Gegrinst: So etwas sagt man doch nicht … f***

Die Sprachregelungen der bürgerlichen Presse sind zumeist konservativ. Anglizismen wie „Sex haben“ werden dem F***-Wort vorgezogen, obgleich in der Praxis kaum jemand sagt: „Er hatte Sex mit ihr“. Dieses Banaldeutsch der "sozialen Korrektheit" drückt ohnehin nicht aus, was man wirklich dabei tut. Auch das altbackene „miteinander schlafen“ ist derartig käsig und blutleer, dass es kaum jemand benutzt. Also was macht man, wenn „BANG“ übersetzt werden muss? Klarer Fall: Ein „Bang“ ist ein „Bums!“ oder ein „Knall“. "Bumsen" wäre also die richtige Wortwahl, aber das ist ethisch nicht korrekt. „Longmans Lexikon für zeitgenössisches Englisch“, sagt klar, dass „to bang someone“ ein Tabuwort ist, doch wie übersetzt man ein Tabuwort in ein Edelwort? Ähnliche Probleme hatten je schon die Übersetzer von Henry Miller.

Der Standard.at (per RSS)(1):

Vorabinformation per RSS ...


Seit einigen Tagen hat auf Facebook eine App namens "Bang with friends" (zu Deutsch: "Ficken mit Freunden") an Aufmerksamkeit gewonnen.


Der Standard.at (Jetzt online)(2):

Seit einigen Tagen hat auf Facebook eine App namens "Bang with friends" an Aufmerksamkeit gewonnen.

Offenbar hat man auf den Fauxpas der deutschen BILD Zeitung verzichten wollen, die „bumsen“ mit „miteinander schlafen“ umschrieb. (O-Ton BILD)(3):

Mit der neuen App „Bang with Friends“ („Schlafe mit Freunden“) sollen sich im sozialen Netzwerk Freunde finden, die miteinander Sex wollen.

Doch es entspricht natürlich nicht dem Stil vom Standard, auf „Ficken“ auszuweichen – und deshalb wurde die Übersetzung Minuten später kurzerhand weggelassen.

Noch eine Stilblüte aus dem gleichen Artikel des Standard (2) gefällig?

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De App zeigt allerdings beim Start nur Freunde des anderen Geschlechts an. Oben kann das Geschlecht jederzeit gewechselt werden.


Ach, nur oben? Wie langweilig – viel interessanter wäre doch, das Geschlecht unten zu wechseln, oder etwa nicht? Eine Menge Leute träumen jedenfalls davon … während andere sagen würden: „Daran darf man nicht einmal denken“.

Quellen:
(1) Der Standard (Österreich RSS-Version)
(2) Der Standard (Österreich) Online-Version.
(3) BILD-Zeitung (Deutschland)
(4) Liebeszeitung.
Weitere Quelle: LONGMANS Dictionary of Contemporary English.