Skip to content
  Werbung

Keine Rolle ist auch keine Lösung

Natürlichkeit in der Werbung - 1960er Jahre
Seit ich mich mit der Beziehungssuche beschäftige, höre ich immer wieder das gleiche Mantra:

Sei authentisch!


Na schön, da wirft man also dem Menschen ein paar Brocken hin, so, als wären sie Säue oder Eber. Manche machen dann Geschäfte damit, wie man sich „authentisch hinbiegt“ - andere verstreuen ihre angelesene Weisheit als Redakteure von Psycho- und Frauenzeitschriften.

Gefordert wird dabei das fast Unmögliche (Wikipedia) :

Eine als authentisch bezeichnete Person wirkt besonders „echt“, strahlt aus, dass sie zu sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen steht und im Einklang mit sich selbst handelt. Sie vermittelt ein Bild von sich, das beim Betrachter als ehrlich, stimmig, urwüchsig, unverbogen, ungekünstelt wahrgenommen wird.


Ein Blick zurück - Frauen sind natürlich, Männer zuverlässig

Bei Frauen wurde aus diesem umfangreichen Kriterienkatalog meist das Wort „natürlich“ extrahiert: Die natürliche, weil ungekünstelte Frau war lange Zeit der Favorit der Männer. Sicher sollte sie hin und wieder auch noch geistreich sein, aber „lieb und nett“ reichten den meisten Männern auch. „Natürlich“ stand allerdings nur auf Rang neun, was darauf hindeutet, dass andere Eigenschaften im Vordergrund standen.

Männer sollten - nach Ansicht der Frauen - einem ganz anderen „authentischen“ Bild entsprechen: Frauen suchten „zuverlässige“ Männer, die auch klug sein sollten und noch ein paar weiter, eher zweitrangige Eigenschaften haben sollten. Die „Zuverlässigkeit“ stand dabei auf Rang vier.

Und die Anpreisungen? Ja, Frauen priesen sich unter anderen auch als „natürlich“ an (Rang sechs), und bei Männer fehlten entsprechende Attribut der „Authentizität“ fast ganz.

All dies deutet darauf hin, dass „authentisch“ zu sein damals kaum eine tragende Rolle spielte.

Sind wir heute „authentisch“?

„Authentisch zu sein“ ist eine Floskel, die auf Anforderungen beruht: Wir sollen etwas sein. Das, was wir sein sollen, sind wir aber selten, denn dann müssten wir so handeln, wie es uns unserer Gedanken, Emotionen, Bedürfnisse und Gelüste vorschreiben - und die die Überzeugungen und Werte ebenfalls.

Das Unmögliche als Maßstab?

Das heißt, wir müssten all das, was ich soeben genannt habe, ständig glaubwürdig „sein“ und zusätzlich „repräsentieren“ - und wer das glaubt, hat entweder zu viel Erfolgs- und Psychobücher gelesen oder er glaubt bis heute an den Weihnachtsmann.

Die angebliche "absolute" Ehrlichkeit und warum sie dir schadet

Nehmen wir an, du würdest deinen Lüsten authentisch folgen und dies bei einer Verabredung unzweifelhaft darlegen - ich denke nicht, dass es eine zweite Verabredung geben würde. Und ganz ehrlich und authentisch zu sagen, dass du einen Mann suchst, der dich innerhalb von drei Monaten heiratet, mag zwar deinen Überzeugungen entsprechen, dürfte aber ebenfalls nicht zu einer weiteren Begegnung führen.

Bullshit über "authentische" Menschen

Überhaupt - Begegnungen. Ich las irgendwo, dass „authentische Menschen“ sich nicht von äußeren Einflüssen leiten lassen, sondern nur von ihrem „Selbst“. Wieder mal psychologischer Bullshit. Wenn du einen Partner oder eine Partnerin suchst, lässt du dich entweder auch von ihm/ihr beeinflussen, oder du kannst gleich eine Escort-Frau oder einen Escort-Mann bestellen.

Warum keine Rolle auf keinen Fall eine Lösung ist

Jeder Mensch, der ein bisschen Kommunikationstheorie gelernt hat, wird euch bestätigen: Keine Rolle spielen ist das Spiel damit, keine Rolle zu spielen. Es ist aber nicht authentisch. Und wenn es denn schon ein Spiel ist, keine Rollel zu spielen - warum dann nicht gleich die Rolle spielen, die dir liegt?

Womit wir beim Knackpunkt wären. Wer nämlich Teile seines „inneren Selbst“ an die Öffentlichkeit bringen will (und ohne das geht es in vielen Lebensbereiche nicht) muss dies vorsichtig und wohlüberlegt tun. Und weil das so ist, spielst du am besten die Rolle, in der du dich wohlfühlst und dich selbst als hinreichend ehrlich siehst.

Sich selbst erkennen UND dennoch Rollen spielen

Eine Anmerkung zum Schluss: Es ist nicht falsch, sich selbst zu kennen. Das hilft uns immer dann, wenn jemand versucht, unsere Bodenhaftung aufzuheben. Aber es ist unsinnig, keine Rolle spielen zu wollen.

Historische Daten nach "Nur ernstgemeinte Zuschriften erbeten", Düsseldorf 1982

Schlampe: Die meistgehasste Rolle - warum eigentlich?

Flirt mit Damen Anno 1904
Die meistgehasste Rolle ist die der Schlampe. Aber „Schlampe“ nennen einen immer die anderen, die eigentlich gar nicht wissen, was man tut und wie man es empfindet.

Geht die „Schlampe“ als Rolle überhaupt? Und was beinhaltet sie? Wir sind der Frage nachgegangen.

Das Rollenbild der Schlampe - wessen Rollenbild, bitte schön?

Ich habe gelesen, „Schlampe“ sei Teil eines Rollenbildes, das „ besonders unter männlichen Jugendlichen vertreten ist.“ Nähern wir uns der „Schlampe“ von hier, dann sehen wir eine junge Frau, die nach Meinung der jungen Männer „williger“ ist als der Durchschnitt. Doch die Abwertung bekommt die Schlampe nicht von den Männern, sondern von den Frauen.

Reden wir mal Tacheles: Wieso beurteilt „man“ (oder „frau“) eigentlich eine Frau danach, wie oft und mit wem sie vögelt, und welche Methoden sie dabei anwendet? Zeugt das nicht von "Bildungsferne" oder einfach "Blödheit"?

Es ist nicht, was du tust - es ist die Lust, mit der du es machst

Und weil wir gerade bei Tacheles sind, hier ein Zitat, das den Kern trifft: :

... der Unterschied zwischen feministischem und patriarchalem Sex liegt nicht in den Dingen, die ich konkret mache. Es geht viel mehr darum, warum ich sie mache, ob ich Lust dabei verspüre oder ob ich sie mache, weil ich glaube, dass sie von mir verlangt werden.

Der Unterschied ist mancher Frau und manchem Mann unklar: Tut sie das, was sie da praktiziert, aus Neigung, Ansporn, Neugierde und Geilheit, oder tut sie es, weil sie sich davon Vorteile verspricht?

Mit "Schlampe" werden die Falschen abgewertet
Bestimmt nicht selbstlos - konkurrieren um jeden Preis

Jemanden, der sich sexuell ausschließlich nach den Wünschen des Partners richtet, würde man kaum als „Schlampe“ diffamieren - es gibt andere Bezeichnungen dafür, und „Goldgräberin“ ist die harmloseste.

Nun spricht nichts dagegen, jemandem dann und wann einen Wunsch zu erfüllen, der nicht „ganz auf dessen Linie“ liegt - und manches Mal führte eine Herausforderung schon zu einem neuen Lustgewinn.

Ich zitiere nochmals, um zu zeigen, was die nackte Wahrheit ist:

All der Sex im Internet, in den sozialen Medien, die feministischen Pornos ... die Bücher – sie suggerieren, dass wir längst an einem Punkt wären, an dem endlich auch die weibliche Lust im Fokus steht. Das tut sie. Aber genau dadurch ist sie mehr Anfeindungen und Bewertungen ausgesetzt als jemals zuvor.
Die neue Freiheit schafft Unruhe

Als die Rolle der Frau noch für alle klar definiert war, also vor etwas 150 Jahren, waren sich nahezu alle Männer darüber klar, dass Frauen keine eigenen sexuellen Lüste kannten. Inklusive der damaligen Forscher, wie ich hinzufügen möchte, damit keine Missverständnisse entstehen. Die Männer waren also einhellig der Meinung, dass es gelte, Frauen sexuell zu „erwecken“. Was dann geschah, galt, wenn er in der Ehe vollzogen wurde, als „eheliche Pflicht“. Niemand fragte, niemand klagte, niemand hörte die Verzweiflung.

Lob der Schlampe? Ja doch!

Können wir da nicht wirklich froh sein, dass sich all dies geändert hat?

Müssen wir Frauen diffamieren, die ihre Sexualität und ihre Vorlieben deutlich zeigen?

Nein - das müssen wir nicht und das dürfen wir nicht. Und nein, sie sind so lange keine Schlampen, wie „Schlampe“ ein Schimpfwort ist.

Schlampen und Schlampenrollen

Mag sein, dass die Schlampe als Rolle gilt - wie die Prinzessin, das Mauerblümchen oder die Übermutter. Doch machen wir uns nichts vor - die Zeit der einseitigen, „realen“ Rollen ist auch vorbei. Heute ist die reale Rolle flexibel - und im reinen Spiel mit der Rolle darf jeder und jeder darüber hinausgehen.

Beide Zitate: "Der Freitag"
Beide Bilder stammen aus Publikationen um 1904 herum.

Die Rolle: Frau - feminin - Mann - maskulin?

Frau und Mann im extremen Klischee
Wir sind, was wir sind? Ach nee, wirklich? Haben wir vom ersten Tag unseres Lebens „Geschlechterrolle“ gelebt? Na klar, wie haben irgendwann mal heimlich oder ganz offen festgestellt, dass wir „unten herum“ ziemlich anders aussehen als das „andere“ Geschlecht. Aber das ist keine Rolle.

„Die Geschlechterrolle“ finden wir - auf Biegen oder Brechen - immer im Angesicht der anderen. Die meisten Frauen wollen mit „anderen Frauen mithalten“ - und damit ist nicht die Karriere gemeint - und zugleich Männer gefallen. Die Männer glauben, mit anderen Männern mithilfe ihrer „Männlichkeit“ konkurrieren zu müssen - und das wirkt auch auf viel Frauen. Und dazu kommen der Gruppendruck, die Weiblichkeit oder Männlichkeit auch unter Beweis zu stellen.

Der ganze normale Alltag - ohne Gendertheorie

Wir haben also „Geschlechterrolle“ an der Universität es Lebens studiert, mal mit unserem Willen und mal dagegen. Und um es gleich zu sagen: Hier ist nicht von der Gendertheorie die Rede, sondern von ganz normalen Leuten unter ganz normalen Bedingungen, die du heute am Arbeitsplatz oder in der U-Bahn treffen kannst.

Wie eine Frau aussehen?
Manche Menschen fallend dabei aus der Rolle, mal so, dass es auffällt, und mal nicht. Softies (männlich) und Tomboys (weiblich) gelten unter sogenannten „Heterosexuellen“ schon als fragwürdig, obgleich sie nur wenige Eigenschaften des jeweils „anderen“ Geschlechts repräsentieren. Frauen haben einen Vorteil: Sie können männliches Rollenverhalten erlernen, ohne dafür beargwöhnt oder gar verachten zu werden - im Gegenteil - sie werden bewundert. Männer sollten es bessre nicht wagen, wenn sie nicht beschimpft, beleidigt oder erniedrigt werden wollen. Nein, die Rede ist nicht von Sissys, sondern einfach von Männern, die nicht ins Rollenklischee „männlich“ passen.

Die Show, das eigene Geschlecht zu vertuschen

Es gab Zeiten, in denen sich Frauen Latzhosen anzogen und ihre BHs, Strümpfe und High Heels wegwarfen, sich die Haare radikal kurz schneiden ließen und schnodderig zu reden anfingen. Und Männer (immer noch keine Sissys) kleideten sich weicher und farbiger, trugen lange Haare und Zöpfe und begannen, sich die Augenbrauen stutzen zu lassen und - tatsächlich - den Intimbereich zu rasieren. Das alles ist aber noch kein „verändertes Rollenverhalten“.

Der echte Rollenwechsel - meist wollen ihn die Männer

Dazu gehört mehr. Wenn Frauen und Männer völlig aus der Rolle fallen wollen. Dann nehmen sie bewusst die Rolle des anderen Geschlechts an - mitsamt all den Klischees, den sonst merkt man (oder frau) es ja nicht. Ja, da kommen die Sissys ins Spiel, die Transvestiten, die gewollte Feminisierung, der Rock, die Strapse ... am Ende spielen manche Männer die Rolle der Frau so perfekt, dass man sie für die „schöneren Frauen“ hält.


Verwirrung und Eindeutigkeit

Klischees nützen auch nichts
Ihr seht - Geschlechterrollen verwirren, wenn sie zu extrem sind, aber eben auch, wenn sie zu sehr gängigen Klischees entsprechen.

Wenn „der Macker die Tussi anmacht“ oder der Gentleman mit der Lady flirtet, wenn der Muskelmann auf die brustvergrößerte Retortenschönheit trifft, dann haben wir es in Wahrheit jeweils mit Rollenklischees zu tun.


Wenn du einem Klischee begegnest

Beim sogenannten „Dating“ hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt, dass er einem Klischee gegenübersaß - jemand, der in diesem Moment eine bestimmte maskuline oder feminine Rolle spielte, die ihm (oder ihr) auf keinen Fall „auf den Leib geschrieben“ war. Spielen beide solche Rollen, wird die Verabredung oft zur Groteske.

Welche Rolle passt zu dir?

Niemand sagt, du sollst deine Geschlechterrolle als Frau/Mann aufgeben. Aber du sollest wissen, welche Teile deiner Rolle zu dir passen und welche nicht. Die meisten deiner Anteile sind weder männlich noch weiblich, sondern menschlich. Wenn du eine Frau bist, hast du möglicherweise starke weibliche Anteile, aber auch einige, die als „männlich“ gelten. Bist du ein Mann, dann überwiegen möglicherweise deine männlichen Anteile und deine weiblichen Anteile liegen im Hintergrund auf der Lauer. Das alles ist völlig normal. Aber die Rolle, die du daraus entwickelst, sollte vor allem deine Persönlichkeit zeigen - dann ist viel
für dich und andere gewonnen.

Aus der Rolle fallen

Aus welcher Rolle fällt sie gerade?
Inspiriert zu unsrem März-Thema „Aus der Rolle fallen“ hat mich ein Beitrag auf Quora, der sich damit befasst, ob wir „unmoralisch“ sein und „unmoralisch“ denken dürfen. Dabei kam mir in den Sinn, dass alle, die brav in ihren Rollen verbleiben und niemals vom erlernten Rollenspiel abweichen, sich möglicherweise gar nicht vorstellen können, dass jemand „aus der Rolle fällt“.

Erotische Rollen weichen auf - Frauen werden zu aktiven Spielerinnen

Erotisch aus der Rolle zu fallen heißt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Das ist heute leichter als früher: „Damals“ (namentlich im 19. Jahrhundert) waren die Männer dafür zuständig, dass Frauen „erweckt“ wurden. Das heißt, alles, was eine Frau jemals von der Lust erfuhr, lernte sie von ihrem ersten und (oftmals) einzigen Mann. Sie dufte auf keinen Fall „aus der Rolle fallen“, also werde eigene Lüste entwickeln noch eigene Vorstellungen von „schönem Sex“ haben. Völlig unmöglich war es, eigene Lustwünsche zu äußern, weil der Ehemann daran feststellen konnte, dass sie schon vor der Ehe oder während der Ehe „andere“ Kontakte hatte. Das galt als absolut skandalös.

Heute sprechen Paare entweder über ihre besonderen Lüste, oder sie gewähren sie ungefragt. Es sind auch nicht mehr die Männer, die nach dem „Besonderen“ fragen - mehr und mehr stellen auch die Frauen jene Frage, die oft Verblüffung auslöst: „Kannst du dir auch noch anderen Sex vorstellen als den, den wir immer miteinander haben?“

Wer als Mann diese Frage gestellt bekommt, weiß, dass er sie bald beantworten sollte - kaum eine Frau, die über „mehr Lüste“ nachdenkt, gibt sich mit ausweichenden Antworten zufrieden.

Rollenspiel, Rollenwechsel, Rollenkonformität?

Es ist normalerweise bequemer, sich immer brav, immer rollenkonform und weitgehend unauffällig zu verhalten. Aber es ist eben auch ziemlich langweilig. Und weil es so ist, brechen viele Frauen und Männer dann und wann aus den Rollen aus, die von ihnen erwartet werden.

Ich hoffe, wir bekommen genügend Beiträge zum Thema. Die Redaktion ist noch keinesfalls „völlig vor der Rolle“, sondern wird das tun, was sie immer tut: abwägen und Themen versachlichen.

Warum wünschen wir uns „erotische Szenarien“?

Wenn die Rolle der Geliebten gespieltt wird ...
Seit Langem ist bekannt, dass immer mehr Männer, aber auch Paare, Frauen und Gruppen sich an erotischen Szenarien erfreuen. Ein Teil davon sind Rollenspiele der besonderen Art, also beispielsweise solche, in denen es um „Disziplin“ oder „Gehorsam“ geht.

Warum sind erotische Rollenspiele so beliebt?

werbung
Vor allem, weil du weitgehend risikolos Praktiken erproben kannst, die dir im „wirklichen Leben“ außerordentlich peinlich wären. Aber „in der Rolle“ kannst du wagen, alles zu tun, denn du kommst am Ende wieder in das Leben zurück, aus dem du im Spiel geflohen bist. Du kannst entweder deine „Seele baumeln lassen“ und deine sinnlichen Erfahrungen erweitern. Oder du kannst ausprobieren, wie weit du gehen kannst, wenn niemand außer deinem „Rollenspielgefährten“ weiß, wann du nach mehr gierst, vor Lust oder Schmerz schreist oder dich entspannt in Tränen auflöst.

Normalerweise ist alles viel lustvoller, wenn du so etwas mit einem Partner probierst, den du auch im Alltag schätzt, und der über all das, was aus dir herausquillt, Stillschweigen bewahrt.

Warum du vieles nur „professionell“ bekommen kannst

Allerdings - und da liegt der kleine Haken - werden solche Szenarien auch von Dienstleistern und Dienstleisterinnen angeboten. Das liegt im Wesentlichen daran, dass nur wenige Menschen das schauspielerische Talent mit dem Wunsch vereinen, mit einem anderen Menschen körperlich oder psychisch intim zu werden. Denn „intim“ ist die Sache allemal, auch wenn eigentlich keine „Intimitäten“ (sexuelle Handlungen) im herkömmlichen Sinn angeboten werden.

Romantische Verführungen - nur noch gegen Bezahlung?
Das gilt im Übrigen auch für durchaus traditionelle Rollenspiele, wie „der Besuch einer Freundin, die bis zum morgen bleibt“, oder dem Erlebnis, mit einer Frau sexuell zu verkehren, die sich „wie eine echte Freundin“ verhält (GFE). Auch die Behauptung, dass ein älterer Herrn zu seiner jugendlichen Freundin, eine „echte Liebesbeziehung“ unterhält, wird auf den zweiten Blick dadurch getrübt, dass zu diesem Spiel regelmäßige Zahlungen an die jüngere Frau gehören. „Sugar Babys“ sind deshalb auch nichts anderes als Rollenspielerinnen, die für Geld auf der „Bühne“ eines Mannes auftreten. Frauen mittleren Alters wünschen sich oft „erotische Verführungen“, die mit Romantik gespickt sind - sie kommen heute praktisch nur noch als Rollenspiele vor.

Rollenspiele auf Gegenseitigkeit

Wenn beide Partner in einer „ganz gewöhnlichen“ Beziehung experimentierfreudig und schauspielerisch begabt sind, können sie durchaus wechselnde Rollen annehmen. Es ist wahrscheinlich so, dass dir manche Rollen besser gefallen werden als andere. Aber so viel kann ich dir sagen: Der „Appetit“ kommt beim „Essen“. Beim Schauspielern überwindest du Ängste und kannst tief in deine geheimen Wünsche abtauchen - und das alles ohne Risiko.

Einmal ein ganz anderer Mensch sein

Kommen wir noch einmal zur Frage, warum Rollenspiele so beliebt sind: Die meisten Menschen haben erotische Träume und Sehnsüchte, die sie nicht an die Öffentlichkeit bringen wollen. Im Rollenspiel allerdings kannst du abtauchen in eine Person, die tief in dir wohnt, aber niemals an die Öffentlichkeit kommen soll.

Nach einer halben Stunde, einer Stunde oder einem noch längeren Zeitraum bist du wieder dort zurück, woher du gekommen bist. kannst wieder die Person sein, die du vorher warst und wieder so mit deinem Partner leben als sei nichts vorgefallen.

Bild oben und unten: historisch, vermutlich Anfang 20. Jahrhundert.