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Welchen Kick gibt dir dein Schamgefühl?

Manchmal reicht es, Strapse zu tragen, um sich zu schämen
Wenn ich die Sache mal ganz einfach sehe: Es ist der Kick, Lust daran zu empfinden, wofür die wir uns eigentlich schämen. Ich denke, wenn du nie masturbiert hast, wirst du das nicht begeifern – aber das betrifft ja nur ein paar Prozent von euch (seid ehrlich und schämt euch nicht …).

Erinnerst du dich an Lust mit Scham?

Erinnerst du dich? Der Kick dabei war, dass du erwischt werden konntest – entweder dabei oder weil man es dir angesehen hat – im Gesicht, und manchmal auch an der Kleidung. Und du hast es trotzdem getan, weil die Gefühle so toll waren.

Wie war es, als du einem Mann zum ersten Mal erlaubt hast, an deinen Brustwarzen zu saugen? Ach, hast du noch nicht? Weil du dich, schämst oder wegen was anderem?

Ich habe gehört, dass die Lust daran, auf den Po geschlagen zu werden, vor allem daher kommt, weil wir uns schämen, „so etwas“ überhaupt auszuprobieren. Weil wir unseren „inneren Schweinehund“ besiegen müssen oder das Mäuschen, das in dein Ohr pfeift: „Eine anständige Frau gibt sich nicht für so etwas her.“

Einen Knacks im Hirn oder ein Mäuschen im Ohr?

Klar kann’s auch sein, dass wir glauben, einen Defekt im Hirn zu haben: zu viel Lust auf Lust oder so. Oder das wir uns Zuneigung kaufen, wenn wir was „Unanständiges“ mit jemandem tun.

Aber der Kick? Da reicht schon mal, einen kurzen Rock und Strapse zu tragen und auszuprobieren, ob das jemanden interessiert. Und wenn du dich dabei schämst? Dann versuch mal, das Gefühl zu genießen, statt davor wegzulaufen.

Schämst du dich?

Sinnliches aus anderer Perspektive
Schämst du dich? Wahrst du kleine, schmutzige Geheimnisse?

Wenn du jetzt spontan „nein“ sagst, langweilst du mich. Oder du lügst mich an, was ich wesentlich interessanter finde. Dann frage ich mich nämlich, warum du mich anlügst.

Du bist damit nicht allein. Manche Liebende (jawohl, Liebende) schämen sich so für das, was sie wirklich wollen, dass sie vorgeben, es nicht zu wollen.

Lieber Sex geben als auf besondere Lüste einzugehen?

Ich nehme an, du hast es schon erlebt – oder du hast es mit jemandem erlebt. Kein Mann, der dir die Füße von den Zehen bis zur Ferse abküssen möchte, würde dir dies gestehen. Aber er würde trotzdem mit dir schlafen, weil du das für natürlicher hältst und du sowieso der Meinung bist, dass Männer „immer nur das“ wollen.

Ich hörte von einem Fall, in dem ein Mann regelmäßig beim Sex durch die scharfen Fingernägel verletzen ließ, dies seine Freundin tief in seine Haut einkrallte. Er hielt das für ihre Leidenschaft, aber er stand nicht auf den Schmerz. Sagen tat er’s aber auch nicht.

Die Scham, etwas zu tun - oder es zu unterbinden

Du schämst dich also vielleicht, etwas zu tun, aber vielleicht auch, etwas zu unterbinden, was ein anderer an dir tut.

Oh, es ist schwierig, nicht wahr?

Wie auch DU mit Fantasien umgehen kannst -auch mit denen der anderen

Seht mal, solange wir alle (na ja, bis auf ungefähr 10 - 20 Prozent von euch) heftige erotische Fantasien haben, müssen wir diese wohl für „menschlich“ halten, selbst dann, wenn wir sie nicht für „natürlich“ halten. Ja, wir müssen sie auch an uns akzeptieren, selbst dann, wenn wir mit ihnen hadern.

Also ist es ziemlich gewöhnlich, eine „ungeordnete“ sexuelle Fantasie zu haben. Wenn da draußen keine moralisierenden Idioten wären, die mit dem Finger auf jene zeigen, die zugeben, Fantasien zu haben – dann wäre das Leben für alle wesentlich erträglicher. Dabei ist es keinesfalls so, dass die Moralwächter keine erotischen Fantasien haben. Aber sie glauben, diese in sich selbst abtöten zu können, indem sie andere brandmarken.

Du musst nicht alles akzeptieren - aber du solltest andere respektieren

Niemand muss etwas „Sinnliches“ an einem anderen vollziehen, weil dieser es verlangt. Ja, ich gehe soweit, zu sagen: Niemand muss sich mit sexuellen Themen beschäftigen, die ihn stören . Aber es sollte DIR – ja DIR möglich sein, der Lust der anderen den Respekt zu erweisen, den du – beispielsweise - auch seiner Profession erweist. Und das Zaubermittel, um nahezu alle sexuellen Wünsche zu betrachte, liegt darin, stets in humorvoller Distanz zu bleiben. Und dabei doch zu wissen, wann es uns selbst berührt.

Noch einmal zurück zu einem Psychotherapeuten, der sich mit sexuellen Abweichungen beschäftigt. Er veröffentlichte folgendes Bonmot (1):

Ein verängstigter neuer Patient sagte mir einmal: „Ich wette, wenn ich Ihnen meine wahre Geschichte erzähle, wird sie die merkwürdigste sein, die sie jemals in diesem Raum gehört haben.“

Ich antwortete: „Hören Sie mal, es wird nicht einmal die eigenartigste Geschichte sein, die ich seit dem Mittagessen gehört habe.“

Sicher, das ist ein Bonmot. Aber es beinhaltet die Frage: „Wovor schämen wir uns eigentlich?“ Davor, nicht zu sein wie der Reinste der Reinen?

Jeder, der die Zahlen kennt, weiß: Die hübschen „Perversionen“, die mindestens 50 Prozent der Menschen in ihrer Fantasie teilen, können nicht restlos „abartig“ sein. Und selbst die Fantasien, die von nur einem Drittel genannt werden, begreffen noch eine sehr große Anzahl von Menschen.

Kennt ihr sie? Die Liebeszeitung kennt die Statistiken dazu. Und ja, es gibt einen Rest von etwa drei bis 20 Prozent der Träume, die ihr mit fast niemandem teilen könnt. Wenn ihr mögt, könnt ihr euch dafür schämen – aber es bringt euch keinen Cent mehr ein und keine Minute mehr an ruhigem Schlaf. (2)

(1) Zitat vom Psychotherapeuten Martin Klein.
(2) Wir veröffentlichen die Zahlen aus dem "Bodensatz" bewusst nicht. Die meisten Gruppenerlebnisse, SM-Träume, Bi-Fantasien und vor allem jede Form von Oralerotik fallen in die Gruppen, die zwischen 25 und 75 Prozent der sexuellen Träumer teilen könnten.

Scham –wie sie unsere Vorfahren sahen – und wir?

Ein Versuch, Scham und Erotik zu kombinieren - ca. 1930
Ich wünsche mir oftmals, dass wir uns weder dessen schämen würden, was wir getan haben noch dessen, was wir aus Scham nicht getan haben.

Und ich sage: Schamlose Übergriffe bleiben schamlos, gleich, ob es sich um sexuelle Übergriffe oder Übergriffe auf die Persönlichkeit handelt. Doch sonst? Müssen wir uns schämen? Ist es klug, sich für andere zu schämen, die wir nicht einmal kennen? Sollten wir uns dafür schämen, beispielsweise mit 27 noch Jungfrau zu sein oder dafür, mit 27 bereits 40 Sexpartner gehabt zu haben? (Rechnet nach, es ist nur ein einziger Partner pro Quartal, also was soll’s?)

Nachdem ich dies zu bedenken gegeben habe, gehe ich zurück in die Zeit: Da war der Herr Walther von der Vogelweide, seines Zeichens Troubadour (aka Minnesänger). Der Liebling konservativer Deutschlehrer galt als Hüter der Moral und sogar der „Hohe Minne“:

Scham ist eine nützliche Tugend,
Sie ziert das Alter und die Jugend,
die Scham ist der Ehre Zucht,
die Scham ist der Keuschheit Frucht,
die Scham ist der Zucht die Rute,
Die Scham ist der Tugend Hüter.

Wir erkennen: Scham wird als Tugend angesehen, als eine Art Gradlinigkeit, die zumindest dem „Edlen“ zu Ehren gereicht. Der Bauernstand jener Zeit hatte sicher andere Probleme, als sich mit der Tugendhaftigkeit auseinanderzusetzen.

Echte und falsche Scham nebst Schande

Schon in der ältesten Literatur wird darauf hingewiesen, dass „Scham“ nicht gleich „Schande“ ist, aber dennoch ähnlich verwendet wird. Insofern wird bald zwischen „echter“ und „falscher“ Scham unterschieden. Arm zu sein ist beispielsweise keine Schande, man muss sich der Armut nicht schämen. Die Literatur kennt zudem das „Erbleichen“ vor Scham wie auch das „Erröten“, jedoch überwiegt das Zweite. Man kann vielleicht sagen: Man erbleicht vor Scham, wenn man sich dessen bewusst ist, eine gravierende Fehlhandlung begangen zu haben. Man errötet, wenn man glaubt, dass es keine Fehlhandlung war, vom anderen (oder den anderen) aber so gesehen wird.

Scham für den Bildungsbürger um 1890

Nach den Erkenntnissen des bürgerlichen Bildungsstandards war die Schamhaftigkeit:

… dasjenige Unlustgefühl, welches durch das Bewußtsein, eine wirklich oder doch vermeintlich (falsche S.) unanständige Äußerung in Worten, Gebärden oder Handlungen begangen zu haben, hervorgerufen wird.

Doch was wissen wir wirklich über die Scham?

Von 1958 bis 1975 wusste keiner der „Gelehrten“ so recht etwas mit dem Wort „schämen“ (oder „Scham“) anzufangen, wenn ich meinem Psychologie-Lexikon von damals Glauben schenke. Auch das neu bearbeitete Soziologie-Lexikon aus jener Zeit kennt den Begriff nicht.

Die Übergriffe der Psychologie auf alle menschlichen Regungen

Seit die Psychologie in neuer Zeit auf alle Lebensbereich übergegriffen hat und sie uns alle in den Würgegriff ihrer Definitionen hat, ist „Scham“ zu einem festen Bestandteil von Behauptungen und Mutmaßungen über Ursache und Wirkung geworden. Auch ausführliche Abhandlungen können aber nicht klären, wie die genauen Prozesse ablaufen, die uns „beschämen“.

Wir erkennen aber, dass es offenbar drei unterschiedliche Arten gibt, damit umzugehen: Schamhaftigkeit, Schamlosigkeit und Schamverdrängung. Mit den Soziologen sind sich die Psychologen ferner einig, dass es sich beim „Schämen“ um den Ausdruck eines Konflikts zwischen Individuum und Gesellschaft handelt. Die Meinungen hingegen, wie Scham zu bewerten ist, sind höchst unterschiedlich.

Schamgefühle - richtig oder falsch?

Grundsätzlich gibt es in Volk und Wissenschaft zwei widersprüchliche Grundsätze: Die einen meinen, Scham sei so etwas wie der „Kitt des sozialen Lebens“ oder jedenfalls deren „Schnellkleber“ für kleine Verfehlungen. Insgesamt bewerten sie die Schamgefühle also positiv.

Die anderen glauben, dass Schamgefühle uns daran hindern, unser Leben zu genießen. Die Kettenreaktion Scham – Schande – Fremdverachtung - Selbstverachtung gilt für sie als der Gipfel des Menschenhasses.

Schandpfahl - Zurschaustellung am Schandpfahl
Die neuen Pranger für Frauen und Männer

Tatsache ist, dass wir in der modernen Gesellschaftsordnung neue Pranger kennen: öffentliches Mobbing, schlampenverdacht gegen Frauen oder öffentliche Vorführungen von Puffgängern. Man kann sagen, der mittelalterliche Pranger habe sich vom öffentlichen Bespucken zum medialen Vernichten von Existenzen gewandelt. Manche Feministinnen (und leider auch einige Regierungen) glauben gar, es sei ganz legal, Männer anzuschwärzen oder abzuurteilen, die zu Huren (Escorts, Prostituierte) gehen. Das alles geschieht unter dem Deckmantel der „Gerechtigkeit.“ In Wahrheit ist dies so gerecht, wie Menschen im Mittelalter an den Schandpfahl zu stellen.

Vorschlag zur Güte

Und weil das so ist: Schämt euch nicht eurer Gedanken und nicht eurer Fantasien. Beschämt andere nicht, weil sie Gedanken und Fantasien haben, die in euren Ohren ein „Igitt“ hervorrufen. Schämt euch lieber, weil ihr jemanden gemobbt, diffamiert oder entwürdigt habt.

Bilder: Oben - Nach einem Erotik-Fotoband aus den 1930er Jahren. Das Bild wurde technisch geglättet und nachkoloriert.
Unten: Pranger auf dem Hof eines Schlosses. Text Meyers Lexikon: Retrobibiothek. Text Vogelweide: Übersetzung ins Hochdeutsche vom Autor.

Schäm dich ...

Die Kontroverse: ist es wirklich gut, sich zu schämen?
Ich setze mir ein moralisches Ziel und erreich es nicht. Wenn ich es nicht erreiche, schäme ich mich. Ergibt das einen Sinn? Musste ich mir so hohe moralische Ziele setzen?

Meine Umgebung fordert von mir ein moralisches Ziel ein, das nicht zugleich auch mein Ziel ist. Erreiche ich es nicht oder strebe ich es gar nicht erst an, fordert die Umgebung mich dennoch auf, mich zu schämen. Es ist möglich, dass ich mich wirklich schäme, weil ich ein Ziel verfehlt habe, das gar nicht zu meinen Zielen gehörte, das den Menschen meiner Umgebung aber wichtig war.

Irgendwie erinnert das an Unmündigkeit. „Du solltest dich schämen, dies oder jenes gesagt oder getan zu haben …“ Gut, manches Mal war es nicht sehr hübsch, was wir gesagt oder getan haben. Jeder wird das ein Päckchen mit sich herumschleppen. Doch sollten wir uns deswegen in „Grund und Boden“ schämen? Müssen wir uns achten, um uns beschämen zu „dürfen“ und uns dafür vielleicht gar wieder verachten?

Die "Wissenschaft" redet jetzt überall mit - geklärt wird dadurch gar nichts

Die Wissenschaft (oder besser, Menschen, die sich als Wissenschaftler bezeichnen), denkt darüber mal so, mal anders. Einerseits gilt die Schadhaftigkeit als der Kitt, der unsere Tugend und Zucht garantiert, dann wieder wird das beschämen als „Strafersatz“ propagiert. Mal fürchten vor allem Frauen die Scham, als Schlampe in die Öffentlichkeit gezerrt zu werden, mal werden Männer öffentlich vorgeführt, weil sie nicht der Sittsamkeit entsprechen, die Frauen erwarten.

Kurz: Manche Kreaturen würden sich wünschen, dass mehr Frauen und Männer an öffentliche Pranger (eben auch in sozialen Netzwerken) gestellt werden. Andere wieder sagen: Hört endlich auf mit der öffentlichen Diffamierung – niemand muss sich dafür schämen, was er tut, denkt und schreibt, nur weile es manche „offizielle Moralisten“ so wollen.

Wir sind in die Tiefen der Scham abgetaucht - einen Goldschatz fanden wir nicht

Beide Parteien stehen sich oft unversöhnlich gegenüber – und die Wissenschaft gibt stets ihren Senf dazu. Wir sind in die Tiefen der Scham getaucht und sind mit allerlei Schlamm und wenigen Schätzen zurückgekehrt.

Die Kontroverse kann man so ungefähr an zwei Sätzen darstellen:

Nur wer sich sich achtet, kann sich schämen.

oder
Wer sich schämt, der zieht sich auf sich selbst zurück.


Nun, welcher Meinung seid ihr?

Wenn du vor Erotik errötest und dich schämst

Jeder, der erotische Geschichten schreibt, liest oder in Filmen ansieht, weiß, dass es einen Punkt gibt, an dem du dich schämst. Manchmal ist es der Punkt, an dem dir klar wird: ich will eigentlich nicht geil werden von „von so etwas“, aber ich werde es. Schlimmer noch (auch dafür gibt es zahllose Beispiele): „Ich schreibe etwas, lese etwas oder sehe etwas, das mich selber normalerweise nicht berührt, aber ich werde trotzdem geil.“ Die Steigerung: „Ich verabscheue normalerweise etwas, aber seit ich darüber schreibe, darüber lese oder darüber etwas ansehe, fasziniert es sich – und ich muss gestehen, dass es mich geil macht.

Diese drei Meinungen sind ehrlich – und das zeichnet sie aus. Wer sie bewertet oder gar abwertet, ist ein elender Troll.

Ein Bespiele für Selbstzweifel aus Scham

Jüngst las ich, was eine Autorin über ihre Selbstzweifel schrieb (1):

Es fällt mir schwer, über mein eigenes sexuelles Verlangen zu sprechen. Und ich wünschte, das wäre nicht der Fall. Ich habe das dran gemerkt, als ich versuchte, über eine ungewöhnliche reale Erfahrung zu schreiben. Aber nicht nur das – auch wenn ich über mein gewöhnliches Sexleben schreiben will, bekomme ich Hemmungen. Ja, sogar beim einsamen Masturbieren kann ich die Hürde nicht überwinden. Meine Gedanken werden blockiert, aber mein Körper reagiert dennoch. Merkwürdig – ich erröte schon bei der Vorstellung, offen über meine Lust zu sprechen - auch im engsten Kreis.


Manche Erotik-Autorinnen sind ganz verzweifelt darüber: Schreiben ist ihre Passion und ihre Therapie – aber wenn sich plötzlich der Vorhang senkt, weil die Worte von der Scham aufgefressen werden, dann … ja dann ist alles aus.

Wie halten Autorinnen und Autoren diesen Zwiespalt aus? Die meisten reden nicht darüber, dabei steht eines fest; eine wirklich erotische Szene muss über Augen und Hirn auch die Genitalien erreichen – jedenfalls beim Rezipienten, also der Leserin oder dem Leser.

Elisabeth Benedict prägte dazu den Satz:

Es ist wirklich! völlig in Ordnung, wenn du beim Schreiben erregt wirst.

Und sie sagt noch etwas, was wirklich wichtig ist:

Man kann sich nicht entblößen, und gleichzeitig Sicherheit verlangen. (Und am Beispiel)… was Nacktheit wirklich bedeutet, ist emotionale Entblößung. Und die ist für jeden Autor etwas anderes … (und er) … fürchtet sich am meisten vor dem Punkt, an dem die Energie am stärksten fließt.

Frau Benedict, meint, also dass in diesem Moment die Angst auftritt: „Bin ich zu weit gegangen?“, oder „Kann ich wirklich verantworten, das so zu schreiben?“ Oder, soweit es Autorinnen betrifft, könnte ich auch sagen: „Wird man mich für die Schlampe halten, wenn ich so etwas schreibe?“ Der letzte Satz wird oft von weiblichen Schreibanfängern geäußert – die größte Angst besteht stets darin, als sexuell abartig angesehen zu werden.

Ob Angst, Selbstüberwindung oder Schamgefühl: jede Autorin (und jeder Autor) kennt das Gefühl, auf dem Höhepunkt der wollüstigen Schilderung innezuhalten und sich zu fragen: „Verdammt, kann ich das wirklich veröffentlichen?

Und die Antwort? Zumeist lautet sie „Ja, du kannst.“ Denn was du dir da erdacht hast, ist bereits in Zehntausenden von gesunden Gehirnen enthalten, die längst davon träumen, dass es jemand niederschreibt.

Und wenn du erregt wirst, dich fürchtest oder schämst – dann hast du gute Chancen, dass diese sanften, wollüstigen Schauer von Annahme deiner Worte und Widerstand gegen deine Worte auch von deiner Leserin durchlebt wird.

(1) Anonymisierter Text einer angehenden Erotik-Autorin, nachverfolgungssicher umgeschrieben).
(2) Erotik Schreiben; New York 2002.