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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Ja heißt „JA“- aber was beinhaltet „Ja“?

Die Schweiz berät derzeit über eine Reform des Sexualstrafrechts. Dabei geht es um die Zustimmung oder Ablehnung von sexuellen Handlungen. Zur Debatte stehen die Veto-Lösung, also „Nein bedeutet Nein“, oder die „Zustimmungslösung“ (Nur „Ja“ heißt „Ja“).

Was akademisch und haarspalterisch klingt, hat offenbar für die Eidgenossinnen eine existenzielle Bedeutung. Allerdings schwingt dabei auch Ideologie mit. So glaubt beispielsweise eine Opferberaterin, die Veto-Lösung würde nicht ausreichen, weil das Gesetz „längst überholte und toxische Geschlechterstereotype“ zementiere (1).

Ein "Nein" ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten

Die Autorin verwendet dabei den Begriff „Passivität“ und sagt mit Recht: Passivität und Schweigen sind keine Zustimmung. Doch die Frage, die sie gar nicht erst stellt: Welche Art von Kommunikation muss ihrer Ansicht nach vorausgehen, um den Geschlechtsakt als „einvernehmlich“ zu deklarieren? Ein „Nein, ich will keinen Sex“ ist deutlich und konsequent, während ein „Ja, ich will jetzt (diese Art von) Sex mit dir“ eher ungewöhnlich klingt. Und genau solch einen Satz bringt kaum jemand über die Lippen – weder eine Frau noch ein Mann. Schließlich ist es in der heutigen Zeit nicht mehr so sicher, dass es um PiV-Sex (2) geht.

Und während ein „Nein“ wirklich „keinen Sex“ abdeckt, müsste bei der Forderung nach einem „Ja“ jede sexuelle Handlung (und Folgehandlung) abgesprochen werden.

(1) Der Artikel über die Schweizer Besonderheit erschien in der NZZ.
(2) Sex, bei dem der Penis in die Vagina eindringt.

Das Präservativ wird akzeptiert – und doch oft nicht benutzt

Kampagne "Auf gehts" in der Schweiz, Plakatwerbung
Das schweizerische Bundesamts für Gesundheit ließ kürzlich das Verhältnis der Bevölkerung zum Präservativ untersuchen. Dabei wurden 1019 Personen zwischen 16 und 60 Jahren befragt.

Das wichtigste Ergebnis (Originaltext, Quelle: BAG Schweiz )

Während insgesamt acht von zehn Befragten angeben, dass sich Sex mit Kondom für sie grundsätzlich sicherer anfühlt, sind es bei den Befragten, welche im letzten Jahr Sex mit einem nicht festen Partner oder einer nicht festen Partnerin hatten, sogar neun von zehn.

Demnach kommt das Kondom ausgezeichnet an, jedoch mit einer Einschränkung, denn 62 Prozent der Befragten gaben an, dass sie beim Geschlechtsverkehr mit Kondom weniger Lust verspürten. Dies gelte, so die Studie, vorwiegend für Männer im Alter zwischen 23 und 40 Jahren.

Was letztlich heißt: In der Theorie befürworten so gut wie alle Männer das Kondom, in der Praxis aber wollen eben doch viele den „unmittelbaren Genuss“, den nach ihrer Meinung nur der direkte Körperkontakt bietet.

Die neue Schweizer Kampagne zielt bewusst auf Jung und Alt, Hetero- und Homosexuelle und sie versucht, das Kondom schon dann in Erinnerung zu bringen, wenn der Gedanke an Sex auftritt.

Presse: Zum Beispiel in der NZZ.
News BAG (hier ist zugleich das Original-Dokument erhältlich).
Bild: aus der Kampagne. © 2019 by BAG, CH