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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Sensationslust, Fleischeslust und Frauenlust

Illusionen der Lust - schnell erzeugt?



In den letzten Wochen und Monaten haben wir es erfahren: Die Welt ist voller Frauen, die Sofortsex wollen. Merkwürdig, dass diese Botschaft so plötzlich entstand, nicht wahr? Wann immer solche Botschaften in Massen erscheinen, steht ein Motor dahinter: Lobbyisten, die gerne wollen, dass Dinge so sind, wie sie später in der Zeitung stehen. Am liebsten würden sie die Formel aufstellen "Fleischeslust ist jetzt weiblich".

Dabei spielen drei Dinge eine Rolle, um glaubwürdig zu sein:

1. Tatsächliche Änderungen im Verhalten.
2. Ein sichtbarer Kristallisationspunkt für die Änderungen.
3. Die Überzeugung, dass dies Verhalten erfolgreich ist.

Es gibt die Änderungen in der Lust auf Sex

Trifft dies in diesem Fall zu? Ja, es trifft zu – aber etwas anders, als dies in den Hirnen der PR-Manager und Redakteuren/Redakteurinnen gesagt wird.

1. Die Änderung im Verhalten der Frauen ist nicht neu. Neu ist die Publizität, die es bekommt.
2. Neugründungen von einschlägigen Sexkontakt-Unternehmen sind die Kristallisationspunkte der „neuen Frauenlust“ – welche Rolle sie tatsächlich spielen, ist aber unklar, denn weiterhin wird die „kleine Lust“ auch auf Singlebörsen bedient.
3. Ob das Verhalten der Frauen wirklich erfolgreich ist (oder erfolgreicher als zuvor) ist völlig unbewiesen. Sicher ist aber, dass sich von der Idee, „schnell zum Sex zu kommen“ vor allem viele Männer begeistern.

Übertreibungen: Schneller Sex auf der Toilette bei der Durchreise

Nehmen wir ein Beispiel (zitiert nach Nerve) (aus Maxim")

Als die 27-jährige Lisa sich mal wieder bei (wir nennen keine Namen) anmeldete, bekam sie eine Nachricht von einem Mann, der für einen Abend nach Boston kam und sie sehen wollte. Ein paar Stunden später endete die Sache mit Sex im Waschraum der Harvard-Buchhandlung. Lisa tat etwas, das immer mehr Frauen tun: Sie ging nicht auf die Dating-Seite, um den Mann ihres Lebens zu finden … sie wollte nur eines: Casual Sex …


Schummeleien werden zu PR-Wahrheiten - und sie werden weiterverbreitet

Aussagen solcher Art nutzen mittlerweile zahllose Werbepartner von Unternehmen, die ausdrücklich damit werben, Frauen für Spontansex bereitzuhalten. Unserem Schwestermagazin "Liebepur" sind die Fälle bekannt. Das vermeintliche Angebot von Spontansex ärgert selbstverständlich die Anbieter professioneller Liebesdienste, die ja tatsächlich Spontankontakte im Programm haben. Bei vielen Singlebörsen (auch solchen, die das Wort „Sex“ gar nicht verwenden) werden zudem Frauen „geboten“, die man früher als „Mätressen“ bezeichnet hätte: Dauergeliebte gegen fortlaufende Geldzahlungen.

Den einschlägigen Zeitschriften ist die Illusion wichtig, und die Botschaft heißt:

Es gibt da online etwas Tolles mit viel Sex, und auch du kannst es haben.


Verschweigen wird der Aufwand in Zeit und Geld

Nicht gesagt wird:

1. Es kostet Geld – entweder an Abonnements oder an Kontakt-Entgelten oder sogar an einem modifizierten Hurenlohn.
2. Es kostet Aufwand. Etliche E-Mail und Chats gehen dem Treffen voraus – wenn es überhaupt „richtige“ Frauen sind, mit denen man „spricht“ oder „sich schreibt. Vielfach werden Animateurinnen eingesetzt.
3. Es ist nicht ungefährlich. Ein Treffen, bei dem man sich nicht zum Sex verabredet hat, bei dem es aber dennoch Sex gibt, ist bei Weitem ungefährlicher als ein Treffen, das klar auf Sex ausgerichtet ist. (Vorausgesetzt, man verwendet Kondome). Denn wenn Sex von vornherein angesagt ist, können auch Vorbereitungen für Geldforderungen, Ausspionierungen und Erpressungen getroffen werden.

Manche Frauen gewinnen tatsächlich beim "Spontansex"

Eindeutige Gewinner bei dem Spiel mit den schnellen Dates sind fast ausschließlich Frauen, die ihre Lover handverlesen und anonym aus der Masse herauspicken können, und einige begünstigte Männer, die über die Begabung verfügen, diesen Frauen ein schönes Schauspiel und sich selbst dabei eine lustvolle Befriedigung zu verschaffen – also recht wenige.

Es ist leider so: „Schönen Sex“ bieten nur Frauen und Männer spontan, die große Erfahrung darin haben – und da sind Profis eindeutig im Vorteil. Natürlich kommt es vor, dass der Zauber spontaner Liebesnächte auch beim Casual Sex zwischen „ganz gewöhnlichen“ Partnern entsteht, die sich willkürlich zum Sex treffen. Hier trifft wieder zu, was hinter vorgehaltener Hand ständig behauptet wird: Frauen versetzen sich heute innerhalb kurzer Zeit (in einer bis zu drei Stunden) in die Illusion des Liebesrausches – das reicht, um innerhalb eines Abends sexuell aktiv zu sein. Dabei ist ein offenes Geheimnis, das sich manche Frau schon vor dem Date ein wenig „in Stimmung versetzt“, damit sie schnell und sicher bereit sind, aus der „kleinen Schweinerei“ eine große Illusion für sich zu zaubern.

Wie finde ich eigentlich „wahre Liebe“?



Die „wahre Liebe“ ist ein schillernder Begriff. Reicht es nicht, dass wir lieben und geliebt werden? Haben wir jemals von einem Menschen gehört, der auszieht, die „unwahre Liebe“ zu finden? Ist es nicht viel mehr so, dass wie alle, die wir uns nach Liebe sehen, nicht als die „wahre Liebe“ anstreben?

Zu viel Fragen auf einmal, nicht wahr? Die Liebe lockt uns an, weil wird die Lust erleben wollen, die in ihr steckt. Nein, es muss wirklich nicht gleich Sex sein, aber eben dieses unglaubliche Gefühl, wenn das Blut wie Feuer durch die Adern zischt und der Geist von rosaroten Wölkchen umhüllt wird. Mutter Natur hatte ja einmal ein sehr einfaches Rezept: Das Blut mit Hormonen überschwemmen, den Geist verwirren, das Paar im Rauschzustand kopulieren lassen und das war es dann. Gerüchteweise verlautet ja, dass dies im Verlauf abendlicher Begegnungen auch heute noch funktioniert.

Mutter Natur kennt keine „wahre Liebe“

Aber da sind noch Begriff wie „Kultur“ und ein Wort, auf das es nun sehr ankommt: „eigentlich“. Denn was Mutter Natur mit uns plant, wollen wir eigentlich nicht akzeptieren. Wir wünschen uns, dass der andere Mensch bleibt, möglichst lange, und dass er uns eben jenen seligen Zustand schenkt, den wir „wahre Liebe“ nennen. Wir wollen von ihm in Zukunft also als Person und nicht als Lustobjekt geliebt werden.

Die wahre Liebe und der wilde Sex

Leider ist das in gewisser Weise paradox: Die Liebe zur Person mit all ihren Facetten ist völlig unabhängig von der sexuellen Lust. Viele Wissenschaftler glauben sogar, dass die wahre Liebe kontraproduktiv für den Sex ist. Oder einfacher ausgedrückt: Wenn du wahre Liebe willst und findest, musst du auf häuslichen Sex nach einigen Jahren weitgehend verzichten. Umgekehrt würde dies bedeuten: Wenn dir ausschließlich erregender Sex wichtig ist, wirst du die wahre Liebe voraussichtlich niemals finden.

Bordell und Seitensprung: Folgen der wahren Liebe?

Natürlich wissen wir alle, wie Ehepartner so etwas in der Realität lösen: Bordellbesuche und Eskortdamen für Männer, Seitensprünge und Scheidungen für beide Geschlechter. Dennoch sagen uns die Psychologen immer wieder, dass man Sex durch „vertrauensvolle Gespräche“ wieder aktivieren könne. Hoffen wir mal, dass sie es wenigstens selbst ausprobiert haben, bevor sie es in die Welt hinausposaunen. In Wahrheit gibt es kein Rezept, allzeit wilden, orgiastischen Sex und ein Leben in tiefem Vertrauen zueinander dauerhaft in Einklang zu bringen.

Die wahre Liebe ist eine umfassende Liebe

Die wahre Liebe ist eine allumfassende Liebe: Sie hat etwas mit Zuversicht, Geborgenheit und Zukunftsglaube zu tun, mit geistiger Nähe und Kompromissfähigkeit, mit emotionaler Verbundenheit durch gemeinsame Erlebnisse in Freud und Leid. Natürlich hat sie auch etwas damit zu tun, den anderen gut riechen zu können und sich über ihn zu freuen, seinen Körper zu berühren und ihn intim küssen zu wollen.

Wo findet man sie nun, die „wahre Liebe“?

Wo findet man nun die „wahre Liebe“? Ich muss euch alle enttäuschen: Ihr findet sie gar nicht, sondern müsste sie nach und nach entwicklen. Nach ungefähr ex Monaten voller Lust kann man feststellen, ob man auch noch die nächsten fünf Jahre in „wahrer Liebe“ zusammen sein will, und nach fünf Jahren hat man eine Perspektive auf eine lebenslange „wahre Liebe“. Dass die „wahre Liebe“ so edel klingt, ist ein Teil, aber auch sie bedeutet, dass man auf sie hinwirkt, den Partner in sein Leben verwickelt und all die kleinen Tricks anwendet, die gerade Frauen in ihren Schubladen haben, um „ihn“ immer weiter einzuwickeln. Mit anderen Worten: Die „wahre Liebe“ ist nicht die „reine Liebe“, sondern die Liebe, in der man aufeinander zugegangen ist und sich miteinander verwickelt hat.

Fernsehkitsch ist nicht die „wahre Liebe“

Nur der Kitsch- und Schlagehimmel hängt immer voller „wahrer Liebe“, weil es offenbar so schön ist, davon zu träumen. Das Leben ist aber nicht Fernsehkitsch und Liebesschnulze, sondern eben – das Leben. In ihm müssen wir uns vor allem aneinander anpassen, was vielen Menschen heute sehr schwer fällt. Doch ohne Anpassung, verbunden mit positiver Auseinandersetzung über das gemeinsame Leben, läuft in der Ehe und in vergleichbaren Beziehungen nichts.

Das Fazit: Langsam an die Liebe herangehen

Die wahre Liebe? Ihr müsst sie suchen, festhalten und entwickeln. So viel kann ich euch verraten: Sie entsteht langsam – viel, viel langsamer als die meisten Paare glauben – und deswegen gebe ich euch einen Tipp: Wenn bei der ersten Begegnung nicht gleich die Herzen brennen oder die Schmetterlinge im Bauch herumkrabbeln, dann bedeutet das nur: Ihr seid (noch) nicht geil aufeinander. Es bedeutet keinesfalls, dass es für euch keine wahre Liebe gibt.

Bildnachweis:

bild oben: © 2006 by omiee
bild mitte: © 2009 by Flóra
bild unten © 2009 by bagaball

Liebende Frauen, Fetische und Psychologie



Noch vor hundert Jahren hätte dieser Satz unbeanstandet in jeder wissenschaftlichen Abhandlung über Sexualität stehen können: „Männer führen den Geschlechtsverkehr aus Wollust aus, Frauen erdulden ihn aus Liebe“. Auch heute noch geistert manchmal der Spruch durch die Wissenschaft, dass Frauen erst „eine tiefe Liebe und Zuneigung“ zum Mann entwickeln müssen, bevor sie den Geschlechtsverkehr mit ihm genießen können“. Daraus wird oft abgeleitet, dass Frauen unserer Tage „als Person“ Geschlechtsverkehr haben wollen, während die Männer in Frauen nur „Objekte“ für die Befriedigung ihrer Lüste sehen. Aus dieser Sicht ist Fetischismus männlich und hinterhältig: Der Mann bumst sozusagen eine Illusion, nicht eine Person.

Was hat der Geschlechtsverkehr mit Liebe zu tun?

Ist diese Sichtweise korrekt? Viele Menschen meinen, sie sie von vornherein falsch angelegt. „Als Person geliebt zu werden“ gehöre in den Bereich des engen, vertrauten, verlässlichen Zusammenlebens, während „sexuell begehrt zu werden“ eine Sache spontaner Gefühlsregungen sei. Fragt man Menschen, ob sie beim intensiven Sex an die Person gedacht haben, mit der sie zusammen sind, so wissen sie es oft gar nicht. Der Trick von Mutter Natur, jede Vernunft während eines intensiven Geschlechtsakts zuschalten, wirkt heute wie gestern. Wir sind schon sehr dreist, wenn wir behaupten, beim Sex die Person zu lieben. Wir lieben das Kopfkino, das uns durch körpereigene Drogen einen wilden erotischen Film vorspielt, in dem auch der Partner seine Rolle findet – mehr nicht.

Rückbezüglich wird möglicherweise ein Schuh draus: Weil wir unsere ekstatischen Vergnügungen eben gerade mit diesem einen Menschen genossen haben, glauben wir, ihn deswegen zu lieben. Wäre es so, dann hätte uns Mutter Natur abermals ausgetrickst.

Wenn man all dies zusammennimmt, dann wären unsere kleinen Liebesverstärker in Form von Wäsche und Materialien, Düften und Illusionen eigentlich genau das richtige, um wirklich „scharfen Sex“ zu haben. Es gibt überhaupt keinen Grund, die Persönlichkeit des anderen beim Sex zu lieben.

Auch der Mann wird zum Objekt

Sind nun Frauen für Männer nur Objekte? Ich habe Frauen über 40 gekannt, für die Männer nichts als Objekte für die Liebeslust waren, und Geschäftsfrauen um die 30, die ihre Lover in Hotelbars aufgerissen haben - wohl wissend, dass sie am nächsten Tag wieder verschwunden sein würden. Ja, und ich habe auch die bitteren Tränen der anderen gesehen, die sich weggeworfen fühlten wie ein gebrauchtes Taschentuch. Aber weder das eine noch das andere ist ein Beweis dafür, dass Frauen immer und überall als Personen geliebt werden wollen. Es ist vielmehr ein Beleg dafür, dass alles in der psychologischen Betrachtung der Sexualität auch ganz anders sein könnte, als der gegenwärtig vorgetragene Stand dieser Wissenschaft.

Bild © 2009 by stockigvixen