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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Der Mythos von der perfekten Geliebten

Mythos oder Wirklichkeit - gibt es eine perfekte Geliebte?
Eine gute Geliebte ist jemand, an den du dich erinnerst, und die in dir den Wunsch weckt, die Begegnung zu wiederholen.

(Sergio Fosela, Autor)

„Gut im Bett zu sein“ ist sicher nicht das Lebensziel der meisten Frauen – und auch nicht das Ziel der Männer. Ja, wenn wir es genau nehmen, bedeutet der Satz gar nichts. Frau und Mann suchen vieles im Partner – Sicherheit, Vertrauen, Verständnis und auch Lust. Und wenn wir ganz ehrlich sind, dann wissen wir überhaupt nicht genau, was die orgiastischen Beben in uns auslöst. Doch andere scheinen zu wissen, warum sie das Ziel verfolgen, eine möglichst perfekte Geliebte zu sein.

Wer will eine "perfekte Geliebte sein?

„Perfekte Geliebte“ sind zumeist Frauen, die nicht nur besonders viele Männer beglückt haben, denn nur Erfahrung sorgt dafür, die Lust „in den Griff“ zu bekommen. Denn dabei gilt es vor allem, Reiz und Reaktion in Einklang zu bringen und Kenntnisse über die anatomischen Feinheiten zu sammeln. Ob „perfekt“ oder nur „erfahren“ – nach einigen Begegnungen verfügt jede Frau über ein gewisses Repertoire, das sie auf der Bühne der sexuellen Lust einsetzen kann.

Techniken und Virtuosität

Allein über Techniken zu verfügen bedeutet jedoch nicht viel. Von einem Musiker wird nicht nur die Beherrschung des Instruments, sondern ein beseeltes Spiel erwartet. Und erst die Kombination von Techniken und persönlichem Enthusiasmus macht aus der Spielerin eine Virtuosin.

Die meisten Menschen – Frauen wie Männer – sind zunächst weder erfahren noch virtuos. Wer weniger als ein halbes Dutzend Freunde hatte, oder wer stets Menschen mit eher überschaubaren Bedürfnissen getroffen hat, weiß nicht viel von dem, was zwischen Liebenden möglich ist. Viele wollen es auch gar nicht wissen, sondern glauben, alles würde sich schon irgendwie fügen.

Männer wollen eigentlich nur Lust - und dies ohne Mühe

Manchmal denken Frauen, Männer seien von Pornografie getrieben und wollten das nachvollziehen, was ihnen dort entgegenlacht. Doch eines der offenen Geheimnisse besteht darin, dass sie dazu nicht einmal in der Lage sind. Zutreffend ist hingegen, dass sie von aufregendem, erfüllten Sex träumen. Meist handelt es sich um eine Mischung aus Romantik, Frivolität, intensiven Hautkontakten, sinnlichen Küssen, Oralverkehr und erschöpfenden Ejakulationen.

Diese Sichtweise deutet darauf hin, was wirklich gefragt ist. Anders als von den Damen, die man gemeinhin als „Escorts“ bezeichnet, erwartet der „ganz gewöhnliche Mann“ von seiner Freundin keine gespielte Perfektion, sondern vor allem natürliche Begeisterung. Kleidung, Verhalten und Ausstrahlung zeigen ihm, ob er eine Person trifft, die „sexpositiv“ ist. Ihre Bewegungen und Berührungen sowie ihr Duft und der Klang ihrer Sprache begeistern den Mann. In der täglichen Liebespraxis reichen diese Voraussetzungen durchaus, um Männer zu erregen.

Für den perfekten Liebesakt gibt es keine Partitur

Selbstverständlich haben die Frauen, die von Männern als „wundervolle Geliebte“ empfunden werden, alle ein Arsenal an Techniken, die sie besonders gut beherrschen. Aber Techniken versagen, wenn sie mechanisch angewendet werden. Die Wahrheit ist: Der wundervolle, erschöpfende „Liebesakt“ steht nicht auf der Partitur, sondern muss improvisiert werden. Eine Expertin verriet uns dazu einen einfachen Grundsatz:

Es geht nicht darum, Freude zu empfangen oder Freude zu bereiten, sondern darum, aus beiden Teilen ein harmonisches Duett zu formen, um den Partner ebenso zu befriedigen wie uns selbst.

Natürlicher Enthusiasmus ist gefragt

Bedeutet dies nun, dass lustvoll liebende Frauen gar keine besonderen Fähigkeiten benötigen, um ihr Lover zu begeistern? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Männer träumen gerne davon, der Faszination einer Frau zu erliegen, bevor sich die Schlafzimmertür öffnet. Doch erst bei den darauffolgenden Berührungen entscheidet sich, ob die Geliebte enthusiastische Gefühle in ihm wachruft. Besonders an den Berührungen der Lippen, der Zunge, der Hände und der Brüste erkennt der Mann, ob die Geliebte sich zurückhält oder ihm die sinnlichen Genüsse bietet, die er sich erträumt.

Es wird eine Weile dauern, bis sich beide aufeinander eingespielt haben, denn das Ziel – das sollten wir nie vergessen - ist es, einander die größtmögliche Lust zu verschaffen. Und für viele Frauen ergibt sich dann die Frage, wie sie ihren Liebhaber zu einem „perfekten Geliebten“ machen können.

Hinweis: Wir haben in diesem Artikel Gedanken aufgegriffen, die aus den "sozialen Netzwerken" stammen. Dabei geht es oft um Attraktivität und Begierden und kaum darum, ob das Verhalten erstrebenswert ist oder nicht. Diese Welt ist dem Autor im Grunde völlig fremd, aber sie existiert nun einmal. Eure Meinung ist gefragt

Die Verführung – Manipulation oder lustvolles Spiel?

verführung

Einstmals hieß die Verführung „Verführungskunst“ oder schlicht „Liebeskunst“. Sie wurde von den Minnesängern betrieben, die keinesfalls nur schmachtende, sanfte Verehrer waren. Im Gegenteil: Sie wussten genau, was die Stunde geschlagen hatte, wenn die Dame ihres Herzens den Vogelkäfig hinaushing: Dann war die „Luft rein“, und dem „Vögelen“ stand nichts mehr im Wege.

Wo immer man über die sexuelle „Verführung“ spricht, wird einerseits die erotische Fantasie und andererseits die geistige Empörung angeregt. Der Grund ist einfach: Wer verführt, versucht eine andere Person zu sexuellen Handlungen zu bewegen, indem er den Menschen dort ankratzt, wo er glaubt, am stärksten zu sein: in seinem freien Willen. Wer verführt, manipuliert also. Im Deutschen ist das Wort „Manipulation“ aber negativ belegt. In den Köpfen vieler Menschen ist daher „Verführung“ etwas Verwerfliches.

Nicht zu manipulieren ist unmöglich

Wissenschaftlich gesehen ist diese Haltung unsinnig. Es ist uns Menschen unmöglich, einander nicht zu manipulieren. Wir manipulieren schon durch unsere Anwesenheit, wie der berühmte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick nachdrücklich bewiesen hat. Das heißt: Alles, was wir tun oder nicht tun, ist ein Akt der Manipulation unserer Umgebung. Es ist also nicht die Manipulation, das heißt der Eingriff in das Schicksal selber, der zu beschreiben wäre, sondern nur die Art, in der manipuliert wird.

Wo von Verführungen die Rede ist, wird zumeist vorschnell auf den Unterschied zwischen Männern und Frauen hingewiesen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war in Wissenschaftskreisen die Meinung verbreitet, dass die durchschnittlichen Bürgermädchen, die stets als Referenz angeführt wurden, gar kein Interesse an Verführungen haben könnten, das sie nicht über eigene sexuelle Wünsche verfügten. Demzufolge verführten eben nur „leichtfertige“ Frauen wie Mätressen und Huren einerseits und hinterhältige Männer andererseits. Selbst moderne Lexika formulieren noch so „Verführung (ist) das gewaltlose Überwinden von Widerstand gegen angestrebte sexuelle Handlungen durch Geschenke, Komplimente oder andere positive Reize. (Meyers)

Die Tricks der Männer bei der Verführung

Zu dieser eher traditionellen Methode kommen in der heutigen Zeit bei der Verführung durch Männer noch rhetorische Tricks, die innerhalb einer vorgetäuschten „offenen“ Kommunikation in eine Strategie eingebunden werden. Diese Verfahren werden in zahllosen Büchern und Schriften beschrieben. Sie im Internet zu suchen, ist leicht möglich, aber etwas über ihre Inhalte zu erfahren, ist schwer: Normalerweise wird versucht, den etwas angejahrten und schäbigen Kern der Methoden mit dem Hauch des geheimnisvollen so zu umhüllen, dass man erst das Buch kaufen muss, um zum wahren Verführer zu werden. Der Schriftsteller Dr. Christian Ankowitsch bezeichnet sie als „Kamikaze-Ratgeber“ und schreibt: „Ihre Empfehlungen bringen uns in Situationen, die uns garantiert überfordern“. Natürlich sehen dies die Autoren dieser Bücher ganz anders, insbesondere wenn das Verfahren „NLP“ angewendet wird, das ja gerade die übliche Überforderung beseitigen soll. Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass all diese „Pick-up-Verfahren“ (Abschlepptricks) mit „Augen zu und durch“ gespielt werden müssen. Die sei hier mal für Männer erklärt: Das Programm endet nicht, wenn man die Frau einmal eingelullt hat sowie zur Bar hinaus und in die Wohnung hineingebracht hat: Sie muss sich dort auch noch rückhaltlos in halbtrunkenem Zustand als leichtgängiges Sexobjekt eignen - und man muss sie anschließend auch wieder loswerden. Wer dabei Emotionen zieht, sollte besser gar nicht erst mit dem Pick-up anfangen.

Frauen verführen im ersten Schritt

Das Thema „wie Frauen verführen“ ist beinahe noch heikler. Wie schon erwähnt, wurden Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts keine eigenständigen sexuellen Wünsche zugesprochen. Sie wären den damals herrschenden Verhältnissen im Bürgertum auch höchst abträglich gewesen: Frauen wurden „unter die Haube gebracht“ und hatten sich gefälligst dem Mann hinzugeben, an den die Mitgift gezahlt wurde: dem Ehemann. Auf welche Art dieser „seine“ Frau dann sexuell bediente, war der bürgerlichen Welt völlig gleichgültig, solange dabei Kinder gezeugt wurden. Allerdings wollten bereits damals einige Ärzte wissen, dass die Verführung durchaus auch „vom Weibe“ ausgehen könne, und als Belege nannte man damals die besondere Art, sich Männern zu präsentieren, allgemein als „Liebreiz“ oder „Anmut“ bezeichnet.

Es muss ein Schock für alle gewesen sein, als zum Ende des 20. Jahrhunderts bewiesen werden konnte, dass der erste Schritt der Verführung so gut wie immer von Frauen ausgeht: Sie senden nämlich die ersten Signale im Flirt, und sie tun es nicht immer und überall bewusst. Forschungen dieser Art werden bis heute besonders von Feministinnen bezweifelt, weil durch diese Erkenntnisse angeblich die Verantwortung für Verführungen auf Frauen verlagert wird.

Mutter Natur hat den Wunsch nach Verführung im Programm

Will man die Diskussion versachlichen, dann muss man auf die biologischen und kulturellen Gegebenheiten zurückgreifen: Keine Frau und kein Mann würde Geschlechtsverkehr haben, wenn Mutter Natur nicht dieses wunderbare System von drogenähnlicher Vernebelung des Gehirns, starker Durchblutung der Geschlechtsteile und einer orgiastischen Belohnung am Ende erfunden hätte. Das wird aber überhaupt nur angestoßen, wenn eine Verführung vorausgeht. Kein Mann sagt einer Frau an der Bar: „Komm, du bist nett, lass uns mal miteinander ins Bett gehen und gucken, was dabei passiert“. Da muss die Frau schon ihre Augen, ihren Mund und gegebenenfalls noch mehr einsetzen, um diesen Effekt zu erreichen. Auf der anderen Seite wird vom Mann erwartet, dass er auf diese Signale anspricht. Tut er es nicht, wird sogar die flirtende Frau sauer.

Schaut man einmal nach, was Frauen wirklich stört, so ist dies die „permanente und ungefragte Anmache“. Sendet sie hingegen Signale in die Richtung eines Mannes, so erwartet sie auch, dass dieser reagiert.

Was sich am besten als Grundhaltung bewährt? Ach, das ist so alt wie die Welt: Am Einfachste ist es, die Liebe als ein Spiel zu beginnen, und innerhalb dieses Spiels zu entscheiden, welchen Weg man geht, um zu seinen persönlichen Freuden zu kommen. Das gilt nun allerdings für Frauen wie für Männer.

Bilder: Bild oben © 2009 by neoGaboX
Bild Mitte: © 2009 by Inge Clayton, Britische Malerin
Zitat aus: "Dr. Akowitschs Kleiner Seelenklempner".