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Die bebilderte Massenliteratur für den lüsternen Gentleman

Eine bescheidene Warnung an empfindsame Leser(innen), insbesondere zum dritten Teil.

Diese kleine Artikelserie behandelt ein Thema, das vielen Menschen befremdlich erscheint. Ersten betrifft er einen Umstand, den man in der guten Gesellschaft geflissentlich ignoriert, nämlich die Züchtigung. Und zweitens geht es hier unter anderem um ein Thema, das gemeinhin hin als „schmutzig“ angesehen wird.. Zum Dritten sind die vermeintlichen Opfer der Schläge in den Fällen, die hier geschildert werden, oftmals junge Frauen, die sich in Zwickmühlen befinden. Aufgrund dieser Brisanz sollten den Artikel nur Menschen lesen, die entsprechend geläutert sind. Wir haben die hässlichsten und erniedrigsten Szenen bildlich und textlich weggelassen.
Im Vereinigten Königreich: Strafe nach oder statt einer Züchtigung

England, die alten Männer und die jungen Frauen

Bekannt ist vor allem, dass etwa ab den 1970er Jahren in England immer mehr Magazine aufkamen, in denen bebilderte Geschichten von jungen Frauen erzählt wurden, die in der Schule oder als Bedienstete wegen eines Vergehens gezüchtigt wurden. Die Titel der Magazine waren so eindeutig, dass es gar keinen Zweifel gab, was drinnen zu sehen und zu lesen war: Ältere Männer, die meist wenig attraktiv waren, züchtigten junge Frauen in einem spärlich bekleideten Zustand, oft sogar völlig nackt.

Dies verwundert zunächst. War der englische „Gentleman“ nicht dafür bekannt, dass er sich in den Flagellationsbordellend es 19, Jahrhunderts das Gesäß blutig schlagen ließ? Und hätte man nicht erwartet, dass es später vor allem darum ging, solche Schilderungen in Wort und Bild in Magazinen nachzulesen?

In Schweden gab es 1968 noch typisches F/F-Spanking
Ja - es gab sie, diese Magazine, zum Beispiel P.D. World, Mistress und Vixen. Doch ihre Anzahl und Verbreitung konnte nicht mithalten mit all den anderen, wie „Justice“, Phoenix“, „Janus“, „Roue“ „Blushes“ oder „Kane“ , um nur einige britische Magazine zu nennen. Je länger sie herauskamen, umso plastischer und farbiger wurden die Schilderungen. Man nennt diese Magazine auch M/F-Spanklng Magazine - der Mann züchtigt, die Frau wird gezüchtigt. Lediglich aus den nordischen Ländern kamen noch F/F-Magazine ähnlicher Art.

Das goldene Zeitalter des "schmutzigen" Spanking-Magazine

In der Frühzeit war JANUS noch nicht "typisch"
Das Glanzstück dieser Epoche war das Magazin Janus - man gab sich ausgesprochen viel Mühe und engagierte Schriftsteller, die sich eine frivole Geschichte nach der anderen aus dem Finger sogen. Das Einkommen war nicht schlecht - nach der Schilderung eines bekannten Autors konnte man in den 1970ern ungefähr 25 GBP pro tausend Wörter bekommen. Das war damals nicht übel für einen Schriftsteller, der Trivialliteratur produzierte. (Ein männlicher Industriearbeiter bekam damals etwa 50 GBP pro Woche). Zudem konnte man den gleichen Artikel mehrfach verkaufen, wenn man ihn ein bisschen umschrieb. Das ergab also ein relativ fürstliches Einkommen für die immer wieder ähnlichen, pornografischen Inhalte, deren Thematik völlig einseitig war. Historisch fällt auch viel Licht auf die Frauen, die sich damals als „Modelle“ zur Verfügung stellten. Wenn eine Industriearbeiterin nur etwa 27 GBP pro Woche erhielt, war die Versuchung groß, für derartige Magazine zu posieren, denn es wurde nur Nacktheit verlangt - „echt“ geschlagen wurde damals noch nicht. Es heißt, dass eine junge Frau für das nackte Posieren damals bestenfalls fünf bis zehn Pfund verdienen konnte - dies entsprach auf der anderen Seite aber bereits 20 bis 40 Prozent des Wochenlohns im „regulären“ Beruf. (1)

Wie die "alten weißen Männer" die jungen Damen sehen wollten

Später setzt man auf Demut
Die Blütezeit der Magazine, die vor allem im Vereinigten Königreich verbreitet wurden, ist leicht einzukreisen: Sie liegt zwischen 1970 und etwa 1989. Nicht nur die Texte, auch die Fotos, die in den „besseren“ Veröffentlichungen zum Einsatz kamen, trugen zur Verbreitung bei. Aber bei Weitem nicht alle genügten künstlerischen Ansprüchen. Die meisten zeigten in erster Linie das schamvolle Entkleiden.

In den ersten Jahren war man ständig auf der Hut vor der Zensur, und somit ist leicht erklärlich, warum man zur Selbstzensur griff. Zwar zeigte man ausführliche Entkleidungsszenen und am Ende deutlich hervorgehobene, nackte Gesäße, doch achtete man darauf, dass möglichst keine Schamhaare gezeigt wurden und keinerlei „Markierungen“ auf den Gesäßen sichtbar wurden. Da die Zensur empfindlich auf das Fixieren der Hände reagierte, wurde die dazugehörige Haltung nur angedeutet. Auf diese Weise schafften es die Herausgeber tatsächlich, der Zensur weitgehend aus dem Weg zu gehen.

Lest den vierten teil jetzt: Die Zukunft der sinnlichen Schläge.

(1) Quelle der Einkommen

Bilder: "Perückenstellung" - anyonym, UK, F/F-SW Anonymer Fotograf, vermutlich schwedischen Ursprungs, Cover von JANUS (frühe Ausgabe) Archiv JANUS, 1973, Bild "Demütige Frau" angeblich Titelbild aus "Whispers (ab 1970).