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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Die Partnersuche läuft jetzt ... ja, wie denn bitte?

Über den Sinn von Artikel über die Partnersuche kann man streiten - über diesen kaum. Er erschien bei Heise und betrachtet die Dating-Apps, die in den letzten Monaten oftmals verflucht wurden.

Doch die Alternativen belieben nebulös: Eine alternative Partnervermittlung in New York City? Und noch eine Lebensberaterin und Heiratsvermittlerin aus den USA, mit ebenfalls nur dürftig belegten Fakten?

Wäre da nicht die vollmundige Überschrift, hätte ich den Artikel gar nicht gelesen: Vergesst Tinder: Die Partnersuche im Netz läuft jetzt anders.

Ja, anders - da sollte mal jemand was finden, was da „anders laufen“ könnte, denn viele haben die Nase voll von den Tinderellas.

Nur - zwei Namen hinzuwerfen, die wenig Popularität genießen und zwei Konzepte, die eher nebulös geschildert werden - das ist eben nicht die Zukunft.

Schwarzseher und das baldige Ende vom Dating

Glaskugel-Wahrheiten über die Folgen der Pandemie
In einem meiner vorausgegangenen Artikel habe ich geschrieben, dass Dating in den USA eine ganz andere Bedeutung hatte als in Europa. Schon vor einigen Jahren änderte sich allerdings auch in den USA die Grundsituation: Dating folgte nicht mehr den üblichen Schemata.

Das Schema der Liebe – in den USA und bei uns

Ich las gerade, wie tief dieses Schema in die Psyche der US-Amerikaner eingeprägt ist, selbst wenn die Praxis etwas „modernisiert“ dargestellt wird. Ich zitiere dazu einen Beitrag aus „Medium“:

Seit Jahrzehnten hat sich am Drehbuch nicht viel geändert:

Du begegnest einem (einer) Fremden unter bestimmten Umständen - je ungewöhnlicher, desto besser. (Du) gehst eine Reihe von immer intimeren werdenden Verabredungen ein, bis einer von euch den anderen anschließend in „seine Wohnung“ einlädt. Dann sitzt ihr auf dem Sofa und wartet darauf, ob es funkt. Dann küsst du sie oder ihn und arbeitest dich weiter vor, bis du beim „richtigen“ Geschlechtsverkehr ankommst.

Der Ernst der Deutschen und seine Vor- und Nachteile

Nun wird auch euch das Schema nicht völlig fremd sein, aber dennoch können wir in Europa nicht behaupten, wir würden identisch handeln. Besonders die mittlere Generation sieht die Partnersuche als etwas enorm Wichtiges an, das nicht nach dem Schema Zufall-Küssen-Sex ablaufen sollte. Wahrscheinlich nehmen es manche von uns zu ernst. Dann besteht die Gefahr, dass die Begegnungen vor purer Ernsthaftigkeit zu blutleeren Bewerbungsgesprächen verkommen.

Gibt es „Folgen der Pandemie“ für die Beziehungssuche?

Die Frage, die sich US-Amerikaner wie Deutsche stellen, ist heute eher: Wie wird die Pandemie die Partnersuche beeinflussen?

Manche malen die Szenerie Schwarz-in-Schwarz: Verabredungen einzugehen und dann zu sehen, wie die Sache für beide ausgeht, sei „vorbei“. Der Grund: Es sei zu teuer und zeitaufwendig. Wir wissen, dass für die ernsthafte Partnersuche durchaus Verabredungen mit mehreren Personen erforderlich sind. Bei sorgfältiger Vorauswahl und einer großen Bandbreite können solche Verabredungen möglicherweise auf drei bis fünf mit unterschiedlichen reduziert werden – ansonsten sind mehr Treffen nötig. Und um mal Tacheles zu reden: Wer diese Zeit als „verloren“ ansieht, muss schon reichlich verblendet sein. Denn Verabredungen, um feste Beziehungen einzugehen, sind Elemente der Orientierung oder Re-Orientierung. Und die ist wirklich nötig, bevor man eine Beziehung eingeht.

Die Deutschen und das „nachhaltige Kennenlernen“

In Deutschland gibt es ähnliche konservative Behauptungen wie in den USA, die unter dem Stichwort „nachhaltiges Kennenlernen“ zusammengefasst werden können. Allerdings stehen sie unter dem Verdacht, tendenziös zu sein. Die Online-Partnervermittlungen stimmen in den Chor aus kommerziellen Gründen ein, die Psychologen, um sie im Gespräch zu halten, und die Moralisten aus Wunschdenken.

Auch die Prognose, dass die Pandemie alle Möglichkeiten der Begegnungen hinweggefegt hat, beispielsweise durch die Schließung von Bars. „Die Welt nach der Pandemie wird nicht wiederzuerkennen sein“ wird von den Schwarzsehern behauptet. Ich beobachte eher das Gegenteil. Gründer stehen in den Startlöchern, um neue Orte der Begegnungen zu errichten, und die Inhaber vorhandener Örtlichkeiten haben die Pandemie genutzt, um ihre Plätze zu renovieren.

Niemand hat Fakten – jeder hat Sprüche

Tatsächlich beruhen alle Ansichten darüber, dass sich „alles ändern wird“ auf Blicke in die Glaskugeln. Niemand hat Fakten – alle reden wirr durcheinander, um die eigene Meinung günstig zu platzieren. Das ist nicht besonders aufrichtig – aber es ist mittlerweile zu einer hässlichen Gewohnheit geworden.

Bild: Historische Illustration, anonym, vermutlich Frankreich

Geschwätziges über Dates – aus den USA

Dating-Consultants sind nicht etwa „so was von gestern“, wie man annehmen könnte, sondern sie fühlen sich völlig uptodate. Zumal, wenn man plant, von jedem Klienten „ab“ 1.750 US-Dollar pro Monat zu kassieren.

Doch was derzeit die Runde macht ist nicht ihr Geschäftserfolg –der sei ihr gegönnt, wenn sie 2020 ihr Geschäft eröffnet. Die hohen Kosten werden, wie ich glaube, kaum die Armen treffen.

Drei einfache Regeln für ein Date?

Nein, sie hat eine neue Philosophie aufgestellt, die nach dem Motto „Make it Simple“ antritt: Nur drei Regeln hält sie für essenziell:

Das erste Date ist sozusagen ein „Probedate“. Deswegen sollte nicht länger als 30 Minuten dauern und ein Kaffeehaus- oder Bistro-Date sein: Kaffe oder Saft – und nicht länger als 30 Minuten. Für Europäer: Diese Regel ist neun – normalerweise lädt der Mann in den USA zum Dinner-Date ein.

Der zweite Rat ist, auf keinen Fall Sex beim zweiten Date zu haben (also eigentlich beim ersten „richtigen“ Date. Das hält die Dame für so wichtig, dass sie warnt: „Wenn Sie dieser Regel verletzen, wird es schlimm ausgehen – es ist zu viel und zu früh. Sie wissen noch zu wenig über die Person.“ Das ist nichts anderes als das, was die erzkonservativen Benimmbuch-Schreiberinnen den USA auch wissen wollen.

Den dritten Rat kennen wir ebenso: Google die Daten deines Dates. Wer selten auf sozialen Netzwerken unterwegs ist, ist klar im Vorteil: Von ihm gibt es wenig Daten. Da muss Madame oder Monsieur schon selber herausfinden, wen der andere ist. Ich bin nicht im Prinzip dagegen, Namen zu Googlen, aber die Aussagefähigkeit kann alles hergeben: von fast gar nichts bis alles – Falschbeurteilungen von Nerds durchaus inbegriffen.

Vorentscheidung in 30 Minuten?

De grüßte Schwierigkeit scheint mir im 30-Minuten-Date zu liegen. Und das wiederum beruht darauf, dass ein Erstgespräch über das „Zusammenfinden“ zwar Ähnlichkeit mit einem Bewerbungsgespräch hat, es aber dennoch nicht das Gleiche ist. Weder die nötigen direkten Informationen noch die Entwicklung minimaler Emotionen kann innerhalb von 30 Minuten überprüft werden – zumal, weil „Dater“ ja keine Frageprofis sind. Wenn ein erste Date nur 30 Minuten dauert, dann ist es so gut wie schief gegangen. Alle Dates, bei denen seitens der Damen wenigsten ein rudimentäres Interesse bestand, dauert länger als 30 Minuten.

Keine Regel ist die beste Regel

Ich sag es noch mal deutlich: Die einzige Regel für Dates (egal, wann, wo und über welches Medium) ist die, dass es keine Regeln gibt. Jeder entscheidet spontan, was er wann und wie möchte und ob der andere dazu bereit ist. Klar gibt es Sicherheitsregeln und Reißleinen – aber die gelten nicht nur für Dates. Und die Liebe? Sie entwickelt sich völlig unabhängig von jedem Regelwerk dieser Erde.

Grundinformationen: B-Insider.de Auch in Englisch über den angegebenen Link.