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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das Paradoxon – Frauen ohne Selbstverantwortung?

Die US-amerikanische Gesellschaft schätzt das individuelle Glück, mehr aber noch den persönlichen Erfolg. Diesem Umstand verdankte vor allem Dale Carnegie seine Popularität, und sie wirkt bis heute nach. Gurus und Selbstdarsteller aus aller Welt, teils gar mit akademischer Ausbildung, griffen das Thema auf, und daraus entstanden zahllose Heilslehren. Diese Welle ebbte zunächst ab, kam aber mit neuen Heilslehren wieder auf, die teils auf Selbstherrlichkeit, andernteils auf angeblichen „indischen“ Lehren basierten. Erst später kam die abendländische Esoterik dazu und ebenso einige fragwürdige psychologische Richtungen.

Seit dem neuen Millennium und der Vorbereitung des Internets ist sie wieder allgegenwärtig, diesmal allerdings in kleinerem Format. „Persönliches Wachstum“ ist das Ziel, und damit lässt sich hervorragend Geld verdienen, ohne dass man dazu weltumspannende Organisationen oder indische Gurus brauchen würde.

Die Gegenbewegung: Nicht verantwortlich sein

Das Paradoxon liegt darin, dass es eine Gegenbewegung gibt, die vor allem Frauen einflüstern will, eine sehr eingeschränkte (oder vielleicht auch gar keine) Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. „Es ist nicht deine Schuld, wenn du Single bleibst“, ist das neueste Mantra, das von schreibenden Frauen in die Welt gesetzt und von willfährigen Journalistinnen verbreitet wird. Wobei klar ist: Es geht nicht um Schuld, sondern darum, das eigene Leben in den Griff zu bekommen. Kurz gesagt: Die seit einigen Jahrzehnten sichtbaren positiven Ergebnisse der Emanzipationsbewegung müssen mit einer Neuordnung der traditionellen Lebensziele erkauft werden – von jedem Einzelnen. Also auch von Frauen.

Andere müssen sich ändern - wir doch nicht?

In Teil von ihnen weigert sich, glauben weder an Selbstverantwortung noch an die Möglichkeit, sich selbst zu ändern. Nein, sie tragen nicht die Verantwortung für sich selbst, und sie denken überhaupt nicht daran, sich zu ändern. Die Verhältnisse müssten sich ändern, sagen die einen – die anderen sagen, die Männer müssten sich ändern. Solche Sprüche führen ins Nichts – auch wenn sie teilweise berechtigt sein mögen. Doch all das bringt nichts: Hier und Jetzt ist der Einzelne aufgerufen, über sich nachzudenken, was er oder sie verändern kann.

Die extreme Position

Das Extrem solcher Gedanken lesen wir bei der Texanerin Shani Silver (1) , die dies schrieb:

Die Frage für alleinstehende Frauen lautet nicht „Warum bin ich Single?“. Diese Frage zu stellen, ist aussichtslos. Es gibt für sie seit 2012 weder eine Antwort noch eine Lösung. Sie war schon immer unbeantwortbar, weil das Problem nie wir waren.

Es mag sein, dass noch andere Frauen so denken, auch außerhalb der USA. Und ihnen allen kann man nur sagen: Ihr seid die Gefangenen überkommener Denksysteme. Wer etwas verändern will, sollte bei sich selbst anfangen. Es ist nicht das Potenzial, das fehlt. Es ist die Bereitschaft, damit zu beginnen. Und wirklich – das gilt nicht ausschließlich für Frauen und es ist nicht abhängig von Heilslehren.

(1) Autorin, die überwiegend in sozialen Medien schreibt, also etwa bei Refinery29, Instagram, Facebook oder Medium. Sie schrieb jüngst ein Buch mit dem Titel " Single Revolution: Don't look for a match. Light one". Wir haben dazu noch einen weiteren Artikel in Arbeit, der über die Verhältnisse in den USA hinausgeht.

Wer ist verantwortlich für „spontanen Sex“?

Schöner Morgen nach der Liebesnacht
Wahrscheinlich hatte jeder hat schon einmal einen Menschen getroffen, der darüber berichtete, „spontanen Sex gehabt“ zu haben. Dabei gibt es zwei Varianten. Die eine steht auf der Schönseite: Sie ledig, er ledig, sie wenig Zeit, er wenig Zeit. Die Gelegenheit ist da und schon fallen beide übereinander her, bleiben bis zum nächsten Morgen und sagen einander dann: „Schön war es.“

Nichts als Freude oder Frust nach der "Nacht der Lust"?

Auf der Dunkelseite steht die Version, gebunden zu sein, dennoch plötzlich von der Lust überwältigt worden zu sein, es „eigentlich“ nicht gewollt zu haben, „im Grunde“ so etwas nie zu tun und sich am nächsten Morgen zu schämen. In der bürgerlichen Literatur auch als „der Lendemain“ bekannt, heute eher auf Deutsch der „Morgen danach“ genannt – die verkaterte Erkenntnis, den eigenen Lüsten erlegen zu sein.

Der übliche Satz im zweiten Fall klingt immer ähnlich: „Ich hätte nie gedacht, dass ich…“. Dazu muss die Person nicht verheiratet sein – es reicht völlig, wenn einer der vermeintlichen „Grundpfeiler“ ihrer Persönlichkeit in dieser Nacht zusammengebrochen ist. Die Fälle, die mir zu Ohren gebracht wurden, waren allerdings Frauen in festen Beziehungen, durchaus selbstbewusst.

Wie kommt der Spontansex zustande?

Wir wissen, dass der Körper eigene Drogen reduziert, die ganz sicher dazu führen können, den „Verstand zu verlieren“, wozu der Volksmund vielleicht sagt: „Liebe macht blind“. Aber wir wissen auch, dass die dornigen Hürden üblicherweise stehen bleiben, wenn die Person sich keine Gelegenheiten verschafft, „fremdzugehen“. Das Rechtfertigungsgetue kommt immer hinterher und drückt sich oftmals psychologisch aus: „Es war gar nicht ich, die da gehandelt hat.“ Falls du dem zustimmst: Dann war es eben dein notgeiles Alter-Ego, das es tat – und das ist auch ein Teil von dir. Du wirst es nicht los, idnem du behauptest, es sei „ganz anders als du“.

Ob dieses Verhalten wirklich nur „gebundene“ Personen trifft? Vermutlich nicht, denn das Potenzial dazu hat jeder Mensch. Wir alle sind Natur und Kultur zugleich. Auf der einen Seite sorgt die Natur für Lüsternheit und Begierde. Auf der anderen Seite hocken die „edlen Motive“ die allein gesellschaftlich anerkannt sind.

Motiv und Gelegenheit - viel mehr ist nicht nötig

Und da sehen wir ein altes Prinzip: Ist das Motiv vorhanden, ergibt sich eine Gelegenheit und eine akzeptable Person, dann ist es soweit. Dann wird geküsst, liebkost, penetriert oder was sonst erträumt wurde. Klar leisten die Botenstoffe noch einen Beitrag dazu, aber zumeist ist als Eigenanteil mindestens das Ausziehen beteiligt. Und damit der Übergang von der ehrbaren Gemahlin zur überschäumend lustvollen Geliebten. Oder ähnlich - die Lust kennt viele Ausrichtungen.

Schon im steifen Bürgertum: Vor der Ehe "fremdnaschen"

In der Literatur gibt es eine Stelle, in der die schöne junge Frau noch vor einer arrangierten Ehe gerne wissen wollte, wie man sich fühlt, wenn es ihr jemand „schön macht“. Genau genommen was es ein Bruch des bereits gegebenen Eheversprechens. Aber … genau dies empfand sie nicht so. Sie hatte ja erfahren, was sie wollte. (1)

Ist das der Unterschied? Etwas zu wollen, sich etwas zu holen, etwas mitzunehmen, was das Leben versüßt und dazu zu stehen? Es ist jedenfalls ethischer, als die Verantwortung abzuweisen, wie ich meine.

(1) "Nixchen"erschienen 1899 unter Pseudonym. Autorin war Helene von Monbart.
Bild: Buchillustration, 19. JH

Kennenlernen nach 2-G-Regeln?

Paarungen nicht ohne Impfungen - oder`?
Werden die Menschen von der Reproduktion ausgeschlossen, die sich nicht impfen lassen? Lassen unsere Regierungen jene emotional verkommen, die dem Impfstoff abhold sind?

Nein, natürlich nicht. Aber zu einer aktiven Partnersuche gehört nun einmal, mehrere Begegnungen mit unterschiedlichen Personen zu haben – und dies oft innerhalb eines relativ kurzer Zeitrahmens.

Weil das so ist und nicht so, wie es die Fraktion der „Tiefgründigkeitspropheten“ gerne behauptet, benötigt man selbst beim allerbesten Willen zwischen fünf und acht Dates, bis es „klappt“. Natürlich gibt es Menschen, die mit drei Dates auskommen – ihnen stehen aber andere gegenüber, die ein Dutzend Dates und mehr benötigen. Das liegt teilweise daran, dass „Online-Dater“ zu Beginn oft planlos vorgehen – denn auch Meisterinnen und Meister der Kunst sind nicht „vom Himmel gefallen“.

Die 2-G-Regel sollte also eine Pflicht sein für alle, die sich aufmachen, um Dates einzugehen – und zwar gleichgültig, zu welchem Zweck. Wer sich ihr widersetzt, nimmt in Kauf, anderen zu schaden – und sich selbst natürlich auch.

Und nein – „2 G“ heißt nicht, Gershwin und DuBose Heyward folgend: „Gut aussehen für Frauen, Geld haben für Männer.“ (1) Es heißt wirklich und wahrhaftig: Geimpft oder genesen sein.

Partnersuche – sogar die Suche nach Sexpartnern – ist eine Frage von Vertrauen. Und Vertrauen kann niemand erreichen, der über seinen Impf- oder Genesungsstatus flunkert.

(1) Textstelle aus "Pogy and Bess". (Summertime): Your daddy's rich and your ma is good-lookin'.
Bild: Liebesverlag-Archiv

Erfolgreiches Dating für Frauen: klein, dumm und erfolglos?

Irgendwie ist der Wurm drin in der Dating-Chose. Frauen, so lese ich, würden sich bewusst als „kleiner, dümmer und erfolgloser“ ausgeben als sie es im wirklichen Leben sind. Wäre das so, würde jedes Date von vorn herein vermasselt - und siehe, das ist eben auch oft so.

Nehmen wir mal an, ein Mann mache sich größer, klüger und erfolgreicher, als er ist. Was würdest du denken, liebe Leserin?

Nun ist natürlich die Frage, warum Frauen „auf Understatement“ machen. Und die Antwort ist, dass sie glauben, dies den Männern zu schulden. So jedenfalls argumentiert eine Autorin.

Nehmen wir doch mal diesen ganzen „Frauen-Männer-Quatsch“ heraus.

Stellen wir zudem erst einmal fest, dass es drei Wege der Selbstdarstellung nach außen gibt:

1. Natürlich und selbstbewusst sein, aber die positiven Eigenschaften in den Vordergrund stellen.
2. Sich selbst „überhöhen“ oder damit „angeben“, was man ist und was man hat. Man sagt auch: „Angeber(in).
3. Das eigene Licht unter den Scheffel stellen - emotional und gelegentlich auch körperlich - Understatement genannt.

Alle drei Methoden werden angewendet. Eine, die ich ganz bewusst nicht genannt habe, ist durchgehend die Rolle einer Person zu spielen, die man nicht ist.

Was passiert dabei?

Natürliches und selbstbewusstes Sein

Wer sich natürlich und selbstbewusst verhält, und offen auf den anderen zugeht, macht keinen Fehler. Dazu gehört aber auch, schon bald „ans Eingemachte“ zu gehen und bewusst Fragen zur Lebensführung des Gegenübers zu stellen. Der Deals dabei heißt: Offenheit gegen Offenheit.


Angeber

Wer sich überrepräsentiert, wird schnell entlarvt. Das Prinzip heißt: „Ich will mehr scheinen, als ich bin“. Schon beim ersten Date, vielleicht auch beim ersten Konzertbesuch, aber sicher beim ersten Besuch in der Wohnung des anderen. Die Frage lautet also alsbald: Wenn er/sie bei dem übertreibt, was gesagt wurde, legt der Verdacht nahe, dass noch mehr „nicht stimmt“. Dieser Zweifel ist auch Dauer nicht zu ertragen.

Understatement

„Understatement“ wird von Frauen und Männer genutzt, die „etwas sind“, aber dies nicht in den Vordergrund stellen wollen. Der Vertriebsleiter wird sagen, er sei „im Vertrieb tätig“ der IT-Unternehmer mit Spitzen-Stundensätzen: „Ach, ich habe da ein kleines IT-Unternehmen“ und die Ärztin mit eigener Praxis „ich bin im medizinischen Beruf tätig“. Der Vorteil ist: Wer nachfragt, erfährt die Wahrheit und gewinnt möglicherweise, wer nicht nachfragt, verliert in den meisten Fällen.

Warum Frauen sagen, dass Männer sie nicht ernst nehmen, auch wenn sie eine hervorragende Ausbildung haben, dann muss irgendetwas faul an der Chose sein.

Die Kommunikation und die Wahrnehmung

Ich las:

Wenn sie (Frauen) von ihrem Job erzählen, wird das heruntergespielt und niemand fragt nach. Von vielen Frauen habe ich auch gehört, dass der Mann fast die ganze Zeit redet und sie quasi gar nicht vorkommen.

Da wäre im Grunde die Frage: Wie verlief die Kommunikation? Oder: Woran lag es, dass der Mann „den Job der Frau herunterspielte“? Wie muss sich eine Frau verhalten, damit sie „unsichtbar“ wird und „quasi gar nicht vorkommt“? Oder anders: Wie kann sie dafür sorgen, wahrgenommen oder ernstgenommen zu werden? Und was ist, wenn es sich offenbar nicht lohnt, das Gespräch auf diese Weise fortzusetzen? Setzt die Frau dann Metakommunikation ein, sitzt sie erduldend auf ihrem Stuhl oder steht sie wortlos auf und geht?

In jedem Fall ist die Sache für Frauen nicht anders als für Männer. Wenn ein Mann lange redet, und die Frau Interesse heuchelt, dann redet er natürlich weiter. Wenns eine Frau glaubt, wichtig und bedeutend zu sein, und darüber ständig redet, ist dies für den Mann nicht anders. Er kann weiterhin Interesse heucheln oder „Tacheles“ reden oder Metakommunikation nutzen.

Die Verantwortung haben stets die anderen

Folgt noch etwas, was mich befremdet hat, und ich zitiere nochmals Anne-Kathrin Gerstlauer, von der auch das vorige Zitat stammt.

Je öfter ich mit meinen Freundinnen darüber gesprochen habe, desto öfter hatten wir das Gefühl: „Wenn wir ein bisschen leiser und weniger selbstbewusst wären, wäre das wahrscheinlich einfacher.“

Nein, wäre es nicht. Es wäre schwieriger, denn beim Gespräch würde entweder noch weniger herauskommen oder der Mann würde einen erbärmlichen Eindruck bekommen. Männer sind - auch wenn es oft nicht so scheint - an Personen interessiert, die wirklich etwas zu bieten haben. Und eine interessante Persönlichkeit ist immer gefragt.

Eigentlich schade, dass über dem gesamten Getue und Gerede über „das Dating“ ein Mantra hängt: DU trägst nicht die Verantwortung, wenn dir etwas schief geht - es sind immer die anderen, die es verursacht haben.

Klare Ansage von mir: Mit dieser Idee kommen wir nicht weiter - egal ob wir Männer oder Frauen sind.

Quelle: Rundschau. Leider ist ein Abo erforderlich, um den ganzen Text zu lesen.