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Warum wünschen wir uns „erotische Szenarien“?

Wenn die Rolle der Geliebten gespieltt wird ...
Seit Langem ist bekannt, dass immer mehr Männer, aber auch Paare, Frauen und Gruppen sich an erotischen Szenarien erfreuen. Ein Teil davon sind Rollenspiele der besonderen Art, also beispielsweise solche, in denen es um „Disziplin“ oder „Gehorsam“ geht.

Warum sind erotische Rollenspiele so beliebt?

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Vor allem, weil du weitgehend risikolos Praktiken erproben kannst, die dir im „wirklichen Leben“ außerordentlich peinlich wären. Aber „in der Rolle“ kannst du wagen, alles zu tun, denn du kommst am Ende wieder in das Leben zurück, aus dem du im Spiel geflohen bist. Du kannst entweder deine „Seele baumeln lassen“ und deine sinnlichen Erfahrungen erweitern. Oder du kannst ausprobieren, wie weit du gehen kannst, wenn niemand außer deinem „Rollenspielgefährten“ weiß, wann du nach mehr gierst, vor Lust oder Schmerz schreist oder dich entspannt in Tränen auflöst.

Normalerweise ist alles viel lustvoller, wenn du so etwas mit einem Partner probierst, den du auch im Alltag schätzt, und der über all das, was aus dir herausquillt, Stillschweigen bewahrt.

Warum du vieles nur „professionell“ bekommen kannst

Allerdings - und da liegt der kleine Haken - werden solche Szenarien auch von Dienstleistern und Dienstleisterinnen angeboten. Das liegt im Wesentlichen daran, dass nur wenige Menschen das schauspielerische Talent mit dem Wunsch vereinen, mit einem anderen Menschen körperlich oder psychisch intim zu werden. Denn „intim“ ist die Sache allemal, auch wenn eigentlich keine „Intimitäten“ (sexuelle Handlungen) im herkömmlichen Sinn angeboten werden.

Romantische Verführungen - nur noch gegen Bezahlung?
Das gilt im Übrigen auch für durchaus traditionelle Rollenspiele, wie „der Besuch einer Freundin, die bis zum morgen bleibt“, oder dem Erlebnis, mit einer Frau sexuell zu verkehren, die sich „wie eine echte Freundin“ verhält (GFE). Auch die Behauptung, dass ein älterer Herrn zu seiner jugendlichen Freundin, eine „echte Liebesbeziehung“ unterhält, wird auf den zweiten Blick dadurch getrübt, dass zu diesem Spiel regelmäßige Zahlungen an die jüngere Frau gehören. „Sugar Babys“ sind deshalb auch nichts anderes als Rollenspielerinnen, die für Geld auf der „Bühne“ eines Mannes auftreten. Frauen mittleren Alters wünschen sich oft „erotische Verführungen“, die mit Romantik gespickt sind - sie kommen heute praktisch nur noch als Rollenspiele vor.

Rollenspiele auf Gegenseitigkeit

Wenn beide Partner in einer „ganz gewöhnlichen“ Beziehung experimentierfreudig und schauspielerisch begabt sind, können sie durchaus wechselnde Rollen annehmen. Es ist wahrscheinlich so, dass dir manche Rollen besser gefallen werden als andere. Aber so viel kann ich dir sagen: Der „Appetit“ kommt beim „Essen“. Beim Schauspielern überwindest du Ängste und kannst tief in deine geheimen Wünsche abtauchen - und das alles ohne Risiko.

Einmal ein ganz anderer Mensch sein

Kommen wir noch einmal zur Frage, warum Rollenspiele so beliebt sind: Die meisten Menschen haben erotische Träume und Sehnsüchte, die sie nicht an die Öffentlichkeit bringen wollen. Im Rollenspiel allerdings kannst du abtauchen in eine Person, die tief in dir wohnt, aber niemals an die Öffentlichkeit kommen soll.

Nach einer halben Stunde, einer Stunde oder einem noch längeren Zeitraum bist du wieder dort zurück, woher du gekommen bist. kannst wieder die Person sein, die du vorher warst und wieder so mit deinem Partner leben als sei nichts vorgefallen.

Bild oben und unten: historisch, vermutlich Anfang 20. Jahrhundert.

Schnell, wortlos und widerstandslos – Storys über Verführungen

Langsamer, intensiver und lustvoller?
Mir fällt immer wieder auf, wie „dünn“ die Storys, Novellen und Romane werden, sobald Verführungen ins Spiel kommen. Was sich zunächst als Verführung anbahnt, wird viel zu oft zu einer schnellen, wortlosen und widerstandslosen Vögelei.

Woran könnte dies liegen? Einmal, so wird behauptet, daran, dass alle Verführungsgeschichten von Männern geschrieben werden, und Männer hätten nur ein Ziel: Möglichst schnell die Vorstufen zu überspringen und schnell zur Sache zu kommen. Wenn es so wäre, dann müssten alle Verführungen, die von Frauen verfasst werden, viel ausführlicher, sinnlicher und voller Emotionen und Widerstände sein.

Kein innerer Widerstand, keine Zweifel - sondern spannungslose Verführungen?

Der Widerstand ist sozusagen der Schlüssel zur Verführung, denn „zu verführen“ bedeutet ja, ein Bedürfnis im anderen zu wecken, was dieser im Grunde nicht zulassen will. Es wird sogar behauptet, die Verführung sei eine Form der Machtausübung. Wer sie plant, beabsichtigt, den Widerstand des Partners auf eine subtile Art zu brechen, ohne Gewalt anzuwenden.

Besonders auffällig ist der Mangel an Spannung und emotionalen Wechselbädern bei der Beschreibung von Verführungen einer Frau durch eine andere Frau. Von der Situation, aus der sie entsteht („wir waren beide nackt“, „wir schliefen beide im selben Bett“) über die einzelnen Stufen der Verführung bis zum Orgasmus – zumeist wird man den Gedanken nicht los, einen „abgeschriebenen Pornofilm“ vor sich zu haben.

Rückfall in den Schulaufsatz, wenn man (frau) sich nicht traut zu fühlen?

Nun mag man darüber streiten, ob sich nicht auch einige Männer am Genre versuchen, aber das ist eher unwahrscheinlich – Romane über Lust und Liebe wenden sich an Frauen, und die übrigen Emotionen sind auch bewusst feminin ausgearbeitet. Warum schreiben also Frauen Verführungs- und andere Sexszenen so, als würden sie einen Schulaufsatz schreiben?

Wahrscheinlich, weil sie (und wir andern auch) in diese Form zurückfallen, wenn sie etwas „von außen schildern“ wollen. Etwas, das sie weder erlebe haben noch erfühlen können. Und sie wagen nicht, dabei in ihr eigenes Hirn hineinzuhorchen, weil sich dann Dämone entwickeln könnten, die in sie ansonsten erfolgreich verdrängt haben. Sie bleiben schamvoll, weil sie ansonsten Angst vor der Schamlosigkeit hätten.

Abgedroschene Plots, vorhersehbare Ergebnisse

Und so entstehen dann dies langweiligen und abgedroschenen Plots:

- Beide sind nackt, weil sie in der Sauna waren, schwimmen gegangen sind oder gemeinsam übernachten wollen.
- Plötzlich bekommen die Heldin lustvolle Gedanken und wird „feucht“.
- Die Verführerin küsst die Heldin, die dies richtig toll findet und Minuten später spürt sie die Finger der Verführerin bereits an ihren Schamlippen.
- Nachdem die Verführte zum Orgasmus gebracht wurde, werden die Rollen getauscht.

Dies alles geschieht in einem atemberaubenden Tempo, meist ohne nennenswerte Dialoge, vor allem aber ohne jegliche innere Bewegung – wie in einem Film – eben waren sie noch hier, schon sind sie dort, flinke Finger finden feuchte Vaginen – und das war es dann.

Wenn Sie lesen oder schreiben – dann können sie uns hier vielleicht helfen. Warum werden Verführungen, insbesondere aber lesbische Verführungen, immer so öde geschildert?

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