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 Liebeszeitung - Lüste, Liebe, Beziehungen und viel mehr.

Von Lustlosigkeit bis zur dranghaften Sexualität

Schema der männlichen Erregung nach Dr. Kahn - historisch
Von Lustlosigkeit bis zur dranghaften Sexualität - warum Sexualtherapie immer wichtiger wird und Frauen sich zurückhalten, wenn es um ihre inirmen Wünsche geht.

Offenbar sind es überwiegend Männer in Großstädten, die sich zu einer Sexualtherapie entschließen. Der Direktor des Instituts für Sexualpädagogik und Sexualtherapie im schweizerischen Zürich weiß es (1):

Körper, die im Stressmodus bleiben, reagieren weniger auf Berührung oder brauchen länger, um in die Erregung zu kommen. Lust und Genuss werden blockiert.

Die Probleme der Männer - keine Erektion oder dauernd erregt?

Männer haben bekanntlich zwei Probleme: Entweder, sie verlieren plötzlich die virtuelle Telefonleitung zwischen Gehirn und Penis, die den Sex automatisch einleitet. Oder sie haben buchstäblich ständig den dringlichen Gedanken, ihren Penis „irgendwie“ zu benutzen. Falls dieses Verhalten auffällig wird, haben sie schlechte Karten. Wer einmal als „geiler Bock“ verschrien ist, verliert sein Ansehen – gleich, ob er unverschämte Anträge macht oder ob es nur die Beule in der Hose ist, die ihn verrät.

Zwischen Erregung und der Angst, darüber zu reden - Frauen

Frauen so scheint es, sind deutlich zurückhaltender, wenn sie „mal so richtig notgeil“ (2) sind. Welche Frau will schon von sich sagen, „übersext und untervögelt“ (3) zu sein? Kommt da nicht gleich der Gedanke auf, sie könnte „mannstoll“ (4) sein? Oder „nymphoman“ (5), wie es „auf Vornehm“ hieß (und bei Küchenpsychologinnen immer noch heißt). Da wird (oh Schreck) von einem krankhaft übersteigerten, unkontrollierbaren Sexualtrieb gesprochen. Hinter den vornehmen akademischen Worten steht dann oft nichts als die Vermutung: „Die Schlampe vögelt mit jedem“.

Das Vokabular klingt schrecklich – ist es auch. Könnte es daran liegen, dass es keine verbindlichen Regeln für „zu oft“ oder „zu viel“ gibt? Oder dass eine Freundin auf die andere neidisch ist, weil sie sich einfach holt, was sie braucht?

Wenn die Sprache verhindert, die eigenen Wünsche zu äußern

Möglicherweise, so sagen jedenfalls Psychologen, haben viele Menschen Schwierigkeiten, ihr „inneres Selbst“ nach außen zu bringen. Zwar könnten sie ihre Organe und Funktionen, Lüste und Begierden genau benennen, aber sie trauen sich nicht. Selbst Menschen, die im Alltag hervorragend kommunizieren können, schweigen lieber, sobald Körperflüssigkeiten fließen – oder eben ausbleiben.

Die Frage, ob es „normal“ ist, nicht darüber zu reden, hemmt die Diskussion noch mehr. Welche Frau wird schon mit ihrem neuen Lover (oder sogar mit ihrem „Date“) darüber reden, wie er Hände und Zunge einsetzen soll? Nun, nachdenklich geworden? Das ist gut so.

Nein, ich werde nicht intimer. Aber wollen die Männer wirklich nur „das eine“, das ihnen möglichst schnell und unkompliziert den lustvollen Effekt des Spermaflusses verschafft?

(1) Zitat aus dem Tagesanzeiger.
(2) Das Wort "Notgeil" kommt inzwischen in Romanen und Kurzgeschichten vor.
(3) "Übersext und untervögelt" - fand ich in einem modernen Sachbuch -"Der Tanz um die Lust", München 2007.
(4) Meine Großmutter kannte das Wort noch ... "die Tante Grete ist ja wohl mannstoll geworden".
(5) Die Psychologie verwendet dieses Wort kaum noch - es wurde weitgehend ersetzt durch "Hypersexualität". Im Volksmund ist "Sexsucht" populärer, aber benfalls ungenau.

Illustration: Anonym aus Fritz Kahns "Das Leben des Menschen II, 1924", zur besseren Übersicht etwas bearbeitet.

Texte von der angegebenen Autorin, Erläuterugen vom Redaktionsteam Sehpferd.

Die Woche - was, wie und wann – bei Gefühlen und Kleidung, nebst Dating-Trends und alternden Dominas

Zuerst will ich euch ein Prinzip erklären, das ich diese Woche wieder verwendet habe: Auf einen Satz mit „Was“ einen mit „Wie“ folgen zu lassen.

Etwas humorvoller ausgedrückt wird es in dem Swing-Titel „'t ain't what you do it's the way that you do it.” Hier in der Kurzfassung:

Es geht nicht drum, was du tust …
Es ist die Art, wie du es tust,
Zu welcher Zeit du es tust,
Und an welchem Ort du es tust.

Provozierende Bekleidung und Dates

Ich hab den vorausgegangenen Satz aus dem Lied in meinem Artikel über provozierende Bekleidung verwendet. Bei dem vielen Unsinn, der darüber verbreitet wird, ist ein offenes Wort nötig. Ja, du kannst dich kleiden, wie du willst und so viel von deinem Körper zeigen, wie du magst. Aber es ist die Art, wie du es tust, wann du es tust, wo du es tust und wem du damit imponieren willst, die den Unterschied ausmacht.

Wie wäre es mit Fakten statt mit Emotions-Gesülze?

Überhaupt sollten wir lieber mehr auf Tatsachen achten als auf die Märchenerzähler, die uns beeinflussen wollen. Denn deine Misserfolge bei Dates – egal wie, wo und mit wem – werden immer größer sein als deine Erfolge. Allerdings gibt es da ein kleines Geheimnis, wie du dir das Leben leichter machen kannst – und schneller zum Ziel kommst.

Das Getue um „Gefühle“ und „Emotionen“, das von Psychologen befeuert wird, ist mit Sicherheit ein Irrweg. Viel wichtiger ist, zu wissen, welche Emotionen du zulassen willst, wenn dich dein Körper in sie hineindrängt. Denn wenn du weißt, was du tust, kannst du dich durchaus auch mal „kopflos“ verlieben. Ansonsten ist es wirklich sinnvoll, kritisch mit deinen Gefühlen umzugehen. Sie haben die Tendenz, trügerisch zu sein.

Dating-Trends als Erklärung für eigene Misserfolge?

Schon mal was von Dating-Trends gehört? Mir kommen sie aus den Ohren raus bei dem Gedröhne, das Frauenzeitschriften-Redakteurinnen darüber veranstalten. Und ich brauchte den entsprechenden Artikel gar nicht als Satire zu besprechen – er war schon eine. Fazit (so ungefähr): Du erlebst beim Dating lauter Mist, und du brauchst den Trend-Katalog, um das einordnen zu können. Äh – du hättest natürlich auch selbst Verantwortung dafür übernehmen können, was da „mit dir“ geschehen ist.

Die alternde Domina nebst Tanten, Großtanten und anderen Damen

Ja, und dann wäre da noch die Domina. Vor allem, wenn sie jung und knackig aussehen soll. Oder wie deine strenge Tante? Oder gar die Großtante? Sie könnten erfahrener sein, was wahrscheinlich günstiger für dich ist. Freund Gramse hat die Satire geschrieben, nachdem er sich gewundert hat, in welcher Zeitung die Sache erschien.

Mehr Interesse von euch? Ich wünsche inzwischen mehr Genuss ...

Wie ihr vermutlich auch, gehe ich ins Wochenende. Diese Woche war sehr anstrengend für mich, und ein wenig Dank und Anerkennung dafür, dass ich trotzdem noch Zeit fand, für euch zu schreiben, wäre natürlich nett. Was ich euch noch mitgeben könnte? Wenn schon lustvolle Emotionen, dann genießt sie mit jeder Faser eurer Körper.

Erfolg und Versagen – bei der Partnersuche und auch sonst

Die Möglichkeiten, bei irgendetwas zu versagen oder zu verlieren, sind deutlich größer als zu bestehen oder zu gewinnen.

Allerdings haben wir da ein Problem: Wir haben eine „Erfolgskultur“, aber keine „Versagenskultur“.

Erfolg ist nicht schlecht, sondern ausgesprochen wertvoll und wichtig. Aber wenn es sicher ist, dass Menschen häufiger aus Platz zwei, Platz drei oder noch weiter hinten landen, warum sind wir nicht auch darauf vorbereitet?

Der selbstbewusste Mensch weiß um Risiken

Der selbstbewusste Mensch sucht zwar den Erfolg, er weiß aber, dass er in Wirklichkeit dabei Risiken eingeht. Er wagt also, um zu gewinnen, ist sich aber bewusst, dass er nicht immer gewinnen kann. Und dabei spielen so viele Faktoren mit, dass es schwer ist, den Erfolg in Zahlen und Fakten darzustellen.

Risiko und Chance bei der Partnersuche

Ich will nun über die Partnersuche sprechen. Sie ist deswegen risikoreich, weil du dich relativ lange ziemlich fest an jemanden bindest. Und deshalb gehen viele Menschen (vielleicht auch du) ein geringes Risiko ein. Nur – was ist ein „geringes Risiko“? Im Endeffekt weißt nur du, was für dich ein geringes Risiko ist. Und dazu kommt: Mit der Beziehung schmiedest du einen Pakt für die Zukunft, die unabhängig davon neue Risiken birgt.

Wie du durch Erfolgsdruck verlierst

Und nun passiert dies: Je geringer du das Risiko zu halten versuchst, umso unwahrscheinlicher wird der Erfolg. Das heißt, du alterst, du verlierst die Freude an der Partnersuche und vielleicht beginnst du nun, dir andere Freuden zu suchen. Hinzukommt noch: Das Angebot wird schlechter, weil andere „ihr Risiko“ anders eingeschätzt haben als du.

Und wie du mehr Erfolg haben kannst

Das alles sind Tatsachen. Aber sie beinhalten manche „bittere Pille“ für dich, wenn du „dein Risiko gering“ halten willst.

Dabei ist es sehr einfach, den Erfolg zu erhöhen: das Risiko zu erweitern – oder einfacher ausgedrückt: kleine Kompromisse einzugehen, aber dafür einen zeitnahen Erfolg zu genießen.

Du riskierst dabei bestenfalls, dann und wann selbst enttäuscht oder abgelehnt zu werden – aber das sollte einen wirklich selbstbewussten Menschen nicht verwirren.

Warum Anspruchsvolle keinen Partner finden werden

Runter vom hohen Ross - dann klappt auch die Partnersuche
In der letzten Woche habe ich darüber geschrieben, was für die Partnersuche besser ist. Zur Auswahl standen zwei Strategien: Zielgenau zu suchen oder mit Toleranz und Augenmaß abzuschätzen, wer am Ende „das Rennen macht“.

Nun gab es einen Faktor, den alle vernachlässigen, die irgendwo aus der Psychoecke kommen. Partnersuche folgt nämlich recht bekannten ökonomischen Gesetzen. Und da reicht zu wissen: Menschen mit Eigenschaften, die sehr gefragt sind, werden von vielen begehrt – das heißt, das Angebot ist knapp.

Der Satz ist so einfach, dass ihn jeder Grundschüler begreifen kann – doch nicht einmal Akademiker akzeptieren ihn.

Klartext: Runter vom hohen Ross!

Reden wir noch mal Klartext: Du und die meisten anderen Menschen, die du jemals kennenlernen wirst, sind Durchschnitt. Das ist wissenschaftlich absolut ausreichend belegt und sollte wenigstens Abiturienten bekannt sein. Du kannst nun den Geist (IQ) die Macht, das Einkommen oder die emotionalen Qualitäten nehmen – es gibt immer nur ungefähr zehn Prozent der Menschen, die hausragen. Nach diesen zehn Prozent suchen im Prinzip alle, die „hoch hinaus“ wollen.

Was passieren würde, wenn wirklich alle diese zehn Prozent suchen würden, ist als „Flaschenhals-Phänomen“ bekannt. Das heißt: Da, wo du aus der Flasche raus willst (also rein in eine Beziehung), sitzt ein riesiger Pfropfen. Es gibt kaum Bewegung, weil jeder jeden behindert. Und das größte Problem ist: Es gibt auch kaum ein Zurück, falls du deine Ziele weiterverfolgst.

Du bist Durchschnitt – und Durchschnitt ist nicht schlecht

Ein anderer Autor hat es neulich höchst drastisch gesagt (gekürzt):

Jeder hat einen Wert, aber nicht jeder kann an der Spitze stehen. Per Definition ist die größte Gruppe auf dem Diagramm die Durchschnittsgruppe. Die meisten von uns sind durchschnittlich, wissen es aber nicht. Und was viele von uns nicht verstehen, ist, dass Durchschnitt nicht schlecht ist.

Die oberen 10 Prozent – warum du da nicht herankommst

Und die „Zehn Prozent“, die alle suchen?

Kurz und knapp gesagt: Sie suchen einander. Und sie finden einander, so lange es genug von ihnen gibt. Nur wenige der „Zehn-Prozent-Gruppe“ suchen beim Durchschnitt – und ihr könnt euch leicht ausrechnen, wie wenige dies sind. Wenn es „einer aus zehn“ ist, dann kommen wir auf ein Prozent. Dieser eine Mensch aus hundert Menschen sucht allerdings vielleicht nicht gerade Dich – alles klar?

Diagonalsuche – kleine Chance, großes Risiko

Reden wir einen Moment von der Diagonalsuche. Also von der Suche, in der die zehn Prozent in die 90 Prozent eintauchen.

Was tun sie dort? Meist sind es Männer, die „etwas anderes“ suchen als das, was „in ihren Kreisen“ üblich ist. Das wäre soweit verständlich, aber bei den „90 Prozent“ gib es auch etwas „zu wildern“. Barrierefreien Sex zum Beispiel, eine Geliebte, eine Zweitbeziehung, jemand, der besondere Neigungen erfüllt.

Einen Moment bitte: Das kommt im Leben vor, und ich wäre ein Schelm, wenn ich es verurteilen würde. Aber es ist sicher nicht genau das, was sich die sehnsüchtigen „90 Prozent“ erhoffen.

Die meisten Aschenbrödel bleiben welche
Es gibt auch Bewegungen in die andere Richtung: Ein Teil der „90-Prozent-Gruppe“ ist bereit und in der Lage, sich bei den „Besten der Besten“ einzuschleichen. Auch das ist verständlich, und dann und wann kommt auch jemand zum Ziel – aber dazu sind dann eben erhebliche Fähigkeiten nötig, die nicht jeder Mensch hat. Und es können durchaus handfeste Eigenschaften sein – es geht also nicht immer um erotische Wunscherfüllung.

Kling toll? Ist es nicht. Es gibt weitaus mehr Cinderellas, die Putzfrauen bleiben als solche, die Königinnen werden.

Wie du trotzdem Erfolg haben kannst

Wer nun wissen will, wie er selbst oder ein Bekannter aus dem Dilemma herauskommt, der muss dies wissen:

1. Die Gruppe der „10 Prozent“ ist nicht scharf abgegrenzt. Es gibt Ränder, die noch annähernd das „hergeben“, was du suchst.
2. In den Flaschenhals kommst du nur, wenn du dich dort hineindrängst. Wenn du hingegen einen plausiblen Grund hast, dort aufzutauchen, wo die „Besten der Besten“ verkehren, kannst du Kontakte knüpfen.
3. Heute sind auch Akademiker(innen) oft nur „Durchschnitt“. Sie zählen sich oft zu den „besseren Menschen“ – doch das ist sehr unwahrscheinlich – es gibt inzwischen zu viele davon.
4. „Im Durchschnitt“ gibt es viele Menschen mit Eigenschaften, die „auch nicht schlecht“ sind.

Der aufgeblasene Selbstwert

Zum Schluss müssen wir noch von „echtem Selbstwert“ und einem „aufgeblasenen Ego“ reden. Wer weiß. Was er selbst wert ist, wird immer einen Weg finden, auch andere davon zu überzeugen.

Heute allerdings gibt es viele Menschen, die sich aufblasen, um größer zu wirken. Man spricht dann von „Narzissten“, aber sie stellen nur den Extremfall gestörter Persönlichkeiten dar. Üblicherweise werten sie sich selbst auf und andere ab. Solche Menschen sind ohnehin keine geeigneten Partner(innen). Viel schwieriger ist der Umgang mit Nicht-Narzissten, die von sich behaupten, einen „Anspruch“ auf einen bestimmten Lebensstil zu haben.

Und insofern schließe ich mit dem Fazit: Es hat keinen Sinn, „Ansprüche“ vor sich her zu schieben. Wer es dennoch tut, muss wissen, dass er früher oder später den Preis dafür zahlt.

Im Artikel wurde ein gekürztes Zitat von Christopher Kokoski verwendet. Weitere Informationen über "den Durchschnitt" bekam ich aus "Die Kunst des klaren Denkens", München 2011.