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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

2022 – Vorsätze oder doch lieber nicht?

Niemand kann sagen, ob der Frieden hält und die Pandemie verschwindet. Ich auch nicht. Dennoch werden jetzt Millionen Menschen einerseits „gute“ Vorsätze fassen, die schon nächste Woche vergessen sein werden, und andere werden „Bucketlisten“ (1) erstellen.

Ich sage den Menschen immer: Macht keine Listen, was ihr tun möchtet oder werdet, sondern tut einfach etwas. Ich weiß, ich weiß … manches kannst du nicht alleine tun. Aber andererseits könntest du ja mal mit dem anfangen, was mit dir selbst geht – und dazu sage ich ein paar Sätze:

Etwas Neues zu tun ist genauso wichtig wie etwas Bekanntes aufzugeben. Meistens brauchst du mehr Mut, um deine Gewohnheiten über Bord zu werfen.

Wer wirklich etwas „Neues“ beginnt, sollte sich überlegen, ob sie/er nur Kleid oder Anzug wechselt oder ob das, was angestrebt wird, wirklich anders ist.

Wirklich neu wäre für die meisten von euch wahrscheinlich ein Berufswechsel, ein Ortswechsel, ein Wechsel der Einstellungen. Warum nicht? Je jünger du bist, umso leichter wird es dir fallen.

Fünf Erfahrungen für "Taten statt Vorsätze"

Einige der Lebenserfahrungen, die viele ältere Menschen gewonnen haben, will ich gerne weitergeben.

Die Erste: Die beste Zeit für neue Erfahrungen sind jene Jahre, in denen sich Pioniergeist mit Genussfähigkeit paart. Bist du gerade in „diesen“ Jahren? Dann wird es Zeit, aktiv zu werden. Jetzt?

Die Zweite: Ergreife Gelegenheiten, wenn sie sich bieten. Warte nicht auf „optimale“ Bedingungen, Genüsse oder Personen. Warum beginnst du nicht jetzt damit?

Die Dritte: Was du erlebt und genossen hast, kann man dir nicht mehr wegnehmen. Was hindert sich, deine Erfahrungen auszuweiten? Wie und wann willst du damit beginnen?

Die Vierte: Wenn du Liebe, Sinneslüste oder Sex schenkst: Erwarte keine Gegenleistungen, sondern genieße, dass du in der Lage bist, dies zu schenken.

Die Fünfte: Wenn Manna vom Himmel fällt, öffne den Mund. Zögere nicht, Geschenke anzunehmen oder auf Vorschläge einzugehen, die dir helfen, dein Glück zu finden oder deinen Erfolg zu erreichen. Mit anderen Worten: Nutze jede Gelegenheit, statt auf Wunder zu hoffen.

Ja – und wenngleich vieles, was wir tun, auf dem „Aushandeln“ von Interessen beruht – etwas mehr zu bekommen als erwartet ist für nahezu jeden Menschen eine Bereicherung.

(1) Listen mit langfristigen Vorsätzen. ("Was ich schon immer mal tun wollte")

Vorsatz Nummer eins: Den Dummbacken nicht zu widersprechen

Normalerweise nehme ich nichts vor für das neue Jahr. In diesem Jahr mache ich eine Ausnahme: Ich werde nicht mehr auf jeden Idioten, der sein Maul über „Partnersuche“ aufreißt, reagieren.

Das Thema Partnersuche ist inzwischen in die falschen Hände geraten:

1. Geschäftemacher, die im Gewand von Beratern auf dem Rücken der Suchenden ihr Süppchen kochen. Sie können beliebige Ausbildungen haben, von gar keiner Ausbildung über Esoterik bis zur Psychotherapie. Es ist eine Einstellungssache, wie man mit Menschen umgeht, keine Frage der Fachmannschaft. Hilfe zu suchen ist nicht falsch – es ist aber bedenklich, auf Heilsversprechungen hereinzufallen.
2. Unternehmen, die nur noch am Profit interessiert sind und die ihre antiquierten Methoden immer noch mit Wissenschaft aufhübschen. Zu ihrer Verteidigung kann man sagen: Sie bauen hohe finanzielle Hürden und hakelige Tests auf, um nicht jeden hineinzulassen. Das halten viele Kunden für positiv.
3. Unternehmer, die niemals einen Bezug zur Partnersuche hatten, sondern Spiele entwickeln, die als Dating-Apps vermarktet werden.
4. Wissenschaftler, die „Seitenaspekte“ der Partnersuche beforschen oder einfach alte Forschungsergebnisse neu bewerten. Gut – die müssen ja beweisen, dass sie zu etwas nütze, sind. Aber eben nur füreinander. Für Partnersuchende fällt dabei kaum etwas ab.
5. Schlimmer als die Wissenschaftler sind Journalisten, die aus den Ergebnissen Unsinn ableiten und daraus „Tipps“ generieren.
6. Zudem Journalisten, die auf andere Journalisten hereinfallen, die neue Begriffe erfinden, um in die Presse zu kommen und populär zu werden. Such eine Folge von sogenannten „sozialen Netzwerken“, aus denen sich der Journalismus immer mehr bedient.

Nun wisst ihr, warum ich von dem größten Teil der großspurigen Schwätzer und kleinkarierten Erbsenzähler die Nase voll habe. Ob ich meine Vorsätze halte? Ich bin mir noch nicht sicher. Im Allgemeinen sind diese Leute einfach nur geil darauf, erwähnt zu werden – und ich will nicht länger ihr Erfüllungsgehilfe sein.