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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Das Weibliche im Mann und die "Wissenschaften"

Das Weibliche im Mann und die „Wissenschaften“ beruht auf den - meiner Ansicht nach höchst fragwürdigen - Forschungsergebnissen eines Wissenschaftlers, der bereist in das Online-Lexikon "Wikipedia" Eingang fand.

Bist du ein Mann? Dann hat ein US-amerikanischer Professor eine Neuigkeit für dich: Wenn du nicht ruppig genug bist und deine Männlichkeit herauskehrst, dann hast du etwas Weibliches in dir.

Nun ist die unwahrscheinlichste Annahme überhaupt, dass Männer nur „männliche“ Eigenschaften haben und Frauen ausschließlich weibliche. Im Kern haben wir beide Anlagen, bei Mann eben ein wenig mehr Männliche und bei der Frau eben ein wenig mehr Weibliche.

Die Queer-Theorie wird immer mehr zum „Maßstab“

Die Queer-Theorie hat uns alle ein bisschen „queerer“ gemacht. Und deswegen sind alle Jungs, die Freude an „weiblichen“ Interessen haben, nun (Wikipedia-Formulierung) „Hetero-Tunten“, oder nach der englischen Bezeichnung eben „Straight Sissy Boys“ – wobei „Sissy“ ein ebensolches Schimpfwort ist wie „Tunte“. Außerhalb der Queer-Theorie würde man dies als „blanken Unsinn“ bezeichnen, aber seit die sogenannten „Heterosexuellen“ fast ausschließlich aus der Sicht der Queer-Theorie beurteilt werden, müssen wir offenbar jeden Unsinn „schlucken“.

Einsatz für „Quere“ Menschen heißt: Du bist eigentlich auch „Queer?“

Du setzt dich dafür ein, dass Queere Menschen anerkannt und integriert werden? Wenn du ein Mann bis, dann heißt du ab sofort: „Social-justice straight-queer“. Mit anderen Worten: Wenn du sie verteidigst, hast du selbst solche Anteile. Was im Umkehrschluss heißt: Ein echter Mann will nichts mit „Schwulen“ zu tun haben. Ich frage mich, ob man den gleichen Unsinn auch Frauen zuschreiben würde, die sich für die Rechte homosexueller Frauen einsetzen.

Praktiken werden mit sexuellen Identitäten verwechselt

Wenn du dich nicht als homosexuell bezeichnest, aber mit einigen Praktiken kokettierst, wirst du zum „Elective straight-queer“. Das heißt, dass durchaus Praktiken magst, die als „schwul“ gelten, du dich aber emotional nicht zu Männern hingezogen fühlst. Dieses Thema klingt höchst brisant, ist aber völlig trivial. Denn eine sehr große Anzahl von Männern weiß durchaus, was „Pegging“ bedeutet und welche Gefühle Männer dabei haben können. Niemand hat etwas dagegen, wenn Typen mit „stahlharter Männlichkeit“ darauf verzichten – aber es hat wirklich wenig mit „Queer-Sein“ zu tun. Auch hier ergibt sich die Frage: Würde man jemals einer Frau solch ein Attribut zuweisen, wenn sie – beispielsweise – den Cunnilingus aktiv ausübt? Oder ihn lieber von einer Frau empfängt als von einem (unrasierten) Mann?

Die freie Wahl der sexuellen Praktiken als Verschärfung?

Wenn du das noch ein bisschen ausbaust, gehörst du schließlich zu den „Committed straight-queers- das sind jene, die Praktiken, die als „nicht-heterosexuell“ gelten, in ihr Sexualleben integriert haben. Das trifft nur auf wenige Männer zu, aber auch sie verdienen keine Etikettierung.

Mode und Körperpflege – typisch weiblich?

Die nächste Kategorie kennen wir nur zu genau: Ein durchschwitztes, oft gewaschenes und nicht gut sitzendes T-Shirt samt billigster, schon leicht fleckiger Jeans ist das, was der echte Mann tragen sollte. (Vergaß ich die Feinripp-Unterhosen?). Wenn du es nicht tust, kommst du in Verdacht, metrosexuell zu sein oder eben ein „Stylistic straight-queer“, die bunten Klamotten trägt, sich für Kunst interessiert und Körperpflegemittel verwendet. Merke: Ein richtiger Mann boxt, spiel Fußball und stinkt ab dem späten Nachmittag nach Schweiß. Tust du es nicht, steht dir bald auf der Stirn geschrieben, dass du ein Weichling oder Sitzpinkler bist. Oder mit anderen Worten: Ein Mann, der nicht auf das gängige Männlichkeitsideal passt.

Schattensexualitäten als Veranlagung?

Ei, ei – aller guten Dinge sind sechs. Nun folgt noch der Schattenmann. Der ist „eigentlich das Ideal eines Menschen, weil er keinem Klischee folgt. Oder im Sinne von Wikipedia: Männer, die sich zwischen Anpassung und Nicht-Anpassung an klassische männliche Rollenbilder befinden, ohne eine bewusste Entscheidung treffen zu können oder zu wollen, im Neo-Soziologen-Schnack „Males living in the shadow of masculinity“. Das heißt so ungefähr: Männer, deren Männlichkeit im Schatten lebt, aber nicht in den Vordergrund gestellt wird.

Wer sich als "echter Kerl" erweisen will, der hat nichts "Weibliches"?

Na, Mann, hast du dich als „echten Kerl“ vorgefunden? Dann bist du eisern „Hetero“ und PiV ist die einzige Art, in der du dich sexuell betätigst. Du sagst überall, dass du nichts gegen Schwule hast, aber wandelt sich der Satz so, dass du Schwule hasst. Natürlich hast du nie von einem Mann geschwärmt, nie seine Nähe genossen und deine Dreier (real oder in der Fantasie) waren immer MFF-Dreier. Dir hat niemand jemals auch nur einen Finger in den Anus gesteckt (auch keine Frau) und schon gar keine Plugs, Dildos oder so. Du liebst es, in Jeans oder gar im Trainingsanzug herumzulaufen, und du trägst Feinripp. Falls du ein „Schlipsträger“ bist, besitzt du zwei Krawatten und vier einfarbige Oberhemden. Du stets immer deinen Mann und weißt genau, was für einen Mann gut und richtig ist. Klar, dass du auch weißt, wie Frauen zu sein haben … oder?

Das Problem der Definition entstand mit dem Begriff "Heterosexualität"

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, entstand das Problem, Heterosexualität ständig neu definieren zu müssen, aus Abgrenzungsproblemen der Psychologen und Sozialwissenschaftler. Man kann sagen: Sobald die „Heterosexualität“ als Begriff erfunden wurde, musste sie ständig neu definiert werden. Da dies sogenannten „Heterosexuellen“ darin gar nicht interessiert sind, weil sie sich nicht angesprochen fühlen, versuchen Personen der sogenannten „Wissenschaften“, die selbst erzeugte Verwirrung durch neue Begriffe zu stützen – und damit abermals neue Verwirrungen hervorrufen.

Und eine Frage bleibt: Würde man die gleichen „Erkenntnisse“ auf sogenannte Hetero-Frauen übertragen können? Wäre beispielsweise eine natürlich wirkende Frau, die sich weder schminkt noch betont modisch daherkommt, schon eine „non-stylistic straight-queer“ Person? Ist eine Installateurin schon ein Tomboy, weil sie sich für mehr für Technik interessiert als für Spitzenunterwäsche?

Oder ganz generell: Würde man eine sexuell selbstbewusste Frau, die einige durchaus sinnliche herb-männliche, verdeckte Eigenschaften hat, als „queer“ bezeichnen?

Vermutlich nicht.

Die Forschung: Hier eine Kurzfassung.
Die Interpretation im deutschen Wikipedia-Lexikon.
Das Thema erweitert und mit Kritikpunkten versehen: Englisches Wikipedia. Zusätzlich empfehle ich das Buch "Straight" von Hanne Blank, Boston 2012.

Warum wir keine Hetinnen und Heten sind und uns auch nicht so nennen lassen sollten

Die Begriffe „Heten“ und „Hetinnen“ sind Beleidigungen. Klar kann man das verstehen - aber es bleibt dabei. Ohne „wenn“ und „aber“. Man mag argumentieren, diese Unwörter seien die Revanche der Homosexuellen auf die Bezeichnungen „Homo“ und/oder „Lesbe“. Und vor allem muss man zeigen, wie man sich abgrenzt - von den „Hetinnen“ und „Heten“, diese Leute, die immer noch „binär“ denken oder sich gar für „normal“ halten. Und es sollen auch diejenigen sein, die „Schwule“ insgeheim verachten oder ihnen nicht die gewünschte Ehre erweisen. Und wenn die „Stinos“ dann noch Verständnis aufbringen oder gar wissen wollen, wie es einem Menschen in seinem „Schwulsein“ ergeht, dann dann wird ihnen vorgeworfen, heuchlerisch zu sein oder unangemessen zu fragen.

Der Ursprung: Wissenschaftliche Überheblichkeit

Es gilt, etwas zu klären - nämlich warum es Heterosexuelle gibt und wie diese übergriffige Klassifizierung zustande kam.

Die eigentliche Ursache für den höchst oberflächlichen Begriff „heterosexuell“ liegt in der Wissenschaft. Sie suchte seit dem 19. Jahrhundert ein Etikett für die „mannmännliche Liebe“ und erfand Urninge, die ein Gegenüber brauchten: Dioninge. Da sind die heutigen „Heterosexuellen“, die erst etikettiert wurden, nachdem die Wissenschaft das Kunstwort „Homosexuelle“ erfand. Das neueste Etikett für das, was einst „Heterosexuell“ hieß, ist heute „Cis“ - wieder erfunden und verbreitet von der „Wissenschaft“. Nachdem man allerlei sexuelle Ausrichtungen unter dem Begriff „Queer“ zusammengefasst und etikettiert hatte, brauchte man auch noch einen Sammelbegriff für die anderen. Und die waren dann eben „Cis“.

Paradoxerweise weisen sich Homosexuelle zwar als solche aus, wollen aber nicht, dass die „Heten“ über ihre Homosexualität oder ihr „Leben an sich“ reden. Sie sagen uns Sätze, die wir nicht sagen sollen, legen uns Fragen in den Mund, die wir gar nicht fragen wollten.

Die sogenannten "Heten" als Störer

Und falls wir bösen, bösen Heten dann doch noch fragen, was denn so los ist bei denen, die anders lieben, wird gleich als die Schubkarre davorgestellt:

Wenn es kein Problem wäre, würden homosexuelle Männer nicht andauernd von Heten hören, dass ihr Arsch aber in Ruhe gelassen wird. Es würden lesbische Frauen nicht ständig von hetero Frauen erzählt bekommen, dass sie ja auch schon mal eine andere Frau geküsst haben. Und vor allem müssten sich queere Menschen nicht ständig so eine Sülze anhören.

Müssen wir, die wir uns im Grunde gar nichts definieren wollen, eigentlich ständig als „Heterosexuelle“, „Heten“ oder „Hetinnen“ beschimpfen lassen? Wenn sich „Homosexuelle“ so nennen wollen - dann sollen sie sich so nennen. Und meinetwegen auch „Queer“. Aber wir sollten ihnen klar ansagen: Nur, weil ihr „Queer“ seid, sind wir noch lange nicht „Cis“. Wir können und wollen uns definieren, wie sich Menschen eben definieren. Und wir sollten wirklich aufhören, uns Namen geben zu lassen, nur weil gerade mal wieder ein Sozialforscher von sich reden machen wollte.

Alle sollen sich nennen, wie sie wollen - solange sie sich das Etikett selbst aufkleben

Also mal Tacheles: Die queeren Mitmenschen sollten tun, was sie für gut und richtig halten, und sich meinetwegen definieren, wie sie wollen. Aber sie sollen bitteschön aufhören, die anderen definieren zu wollen. Das ist ein Übergriff, und somit von vornherein - eine Frechheit. Und das gilt selbst dann, wenn man bereits in Kreuzworträtseln nach dem „Gegenteil von Homosexuell“ fragt.

Zitat aus: Netzpolitik.
Sehe auch: Verfälschungen: Heterosexualität.

Und wieder eine neue Studie - von 2004

„Männer wollen keine intelligenten Frauen“ - das macht sich prima in Publikumszeitschriften und Internet-Diskussionen aller Art. Die Fakten hingegen sind dürftig - und weil das so ist, werden immer wieder „Forschungsergebnisse“ ausgegraben, die höchst fragwürdig sind.

Oh, Redakteurinnen und Redakteure ... ihr seid wirklich armselige Gestalten. Gerade wurde ein an sich aktuelle Thema mit einer „neuen“ Studie belegt. Kurz gefasst: Sehr intelligente Männer bevorzugen angeblich weniger intelligente Frauen. Was da so vollmundig dahingeschrieben wird, beruht allerdings auf einer Studie von 2004, an - ja wirklich - 121 britischen Männern.

Nebulöse Quellen, von Mund zu Mund weitergereicht

Die Studie an sich bleibt in fast allen Zeitungsartikel seit 2010 nebulös, doch wird stets von einer „neuen Studie“ gesprochen: Zitat dazu:

Eine Studie, die mit 121 britischen Teilnehmern durchgeführt wurde, sagt aus, dass Frauen mit hoher Intelligenz in ... (heterosexuellen) ... Beziehungen als problematisch angesehen wurden.

Elite Daily, 2014

Eine neue Studie zeigt, dass viele kluge Frauen letztlich Singles bleiben – nicht freiwillig, sondern weil Männer weniger intelligente Frauen bevorzugen.

Your Tango, 2021

Dabei werden teilweise andere, nicht relevante Quellen mit der „Studie“ abgemischt, die schon als solche ausgesprochen fragwürdig ist. Genau genommen passierte dies (Zitat):

Im Jahr 2004 veröffentlichten Forscher der University of Michigan eine Studie in der Zeitschrift „Evolution and Human Behavior,“ die grob zusammengefasst feststellte, dass die Männer in ihrer Stichprobe lieber eine Frau heiraten würden, die sie als Untergebene betrachteten, als eine Frau, die sie für überlegen oder gleichrangig hielten.


Dazu schreibt dieselbe Autorin, Dr. Christine B. Whelan weiter:

Diese "Nachrichten" basierten auf den Meinungen von 120 männlichen Studenten, denen Fotos von einem Mann und einer Frau gezeigt wurden, die ein Szenario über die Person entweder über oder unter ihnen in einer Bürohierarchie stehen könnten - anschließend stellten sie eine Reihe von Fragen zu der dargestellten Person.


Auch andere Autorinnen bezweifelten den Wert diese Studie (Zitat 2005):

In Wahrheit sind die Beweise für diese Vorstellung fadenscheinig – zweideutige Fragen wurden an winzige Stichproben gestellt, darunter in einer Studie 18- und 19-jährige Männer mit wenig Berufserfahrung.

Und dieser Tage? Da taucht das Murmeltier von 2004 plötzlich wieder aus der Versenkung auf. Patricia Neumann schreibt in WMN:

Diese neue Studie erklärt aber so einiges ... für die Studie wurden 121 Briten interviewt. Hierbei wurde herausgefunden, dass weniger intelligente Frauen als weniger problematisch angesehen werden.

Ei, potz ... so ist das also - wenn man einer Studie glaubt, die kaum jemand jemals gelesen hat und die - mit Verlaub - so gut wie keine Aussagekraft hat.

Sieht man den Menschen ihre Gefühle an?

Dieses Model versucht, jegliche Emotionen zu unterdrücken
Ich wurde dieser Tage mit der Frage konfrontiert, wie „unsere Psyche“ mit „unserem Körper“ zusammenarbeitet.

Es ist ein Beispiel für die vielen einseitigen Betrachtungsweisen, die auf einem Irrtum beruhen: Unsere Vorfahren (wie auch andere Primaten) hatten bereits ähnliche Triebe und „Gefühle“, wie wir. Also taten sie etwas, was unter hoch entwickelten Säugetieren die Regel ist: Sie sprachen „durch ihren Körper“, also durch Haltung, Gestik, Mimik und dergleichen. Es geht also gar nicht darum, wie Emotionen, Geist und Körper „zusammenarbeiten“. Das ist nur eine technische Betrachtung des Menschen. Viel wichtiger ist, dass wir mithilfe der Körpersprache kommunizieren können - ebenso wie andere Primaten auch.

Also ist es kein „Selbstzweck“, wenn wir Gefühlsregungen in körperliche Reaktionen umsetzen. Es hat einen einzigen Sinn: sie für andere erkennbar zu machen. Was daraus entsteht, nennt man Kommunikation. Und da es nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren, wenden wir uns damit an unsere Mitmenschen. Wir fordern sie also auf, auf unsere Gefühle zu reagieren, aber wir können andererseits nicht verhindern, dass sie uns ignorieren - auch das gehört zur Kommunikation.

Viele Wissenschaftler, die ansonsten sehr vernünftig sind, ignorieren die Zusammenhänge zwischen Trieben, Antrieben, Gefühlen und Körpersprache. Die Evolution wird sich kaum die Mühe gemacht haben, unsere inneren Antriebe „mitteln des Körpers“ nach außen zu senden, wenn dies nicht für uns nützlich gewesen wäre.

Dieser Artikel enthält Gedanken aus der umfassenden Betrachtung,der Gefühle, an der unser Autor gerade arbeitet.
Bild: © 2021 by Liebesverlag.de

Zeit der sinnlichen Unsicherheit

Was passiert eigentlich, wenn das „normale Leben“ erneut beginnt? Wenn wir wieder hinausgehen, uns den anderen Menschen maskenlos präsentieren? Und wenn noch dazu kommt, dass sie uns nun sommerlicher und textilarm gegenübertreten?

Vielleicht erinnert ihr euch noch, was euer „normales“ Leben zuvor war. Oder eben das „unnormale“ Leben, das für euch gerade entdeckt wurde, als die Pandemie jede Hoffnung zerstörte, es zu realisieren? Werdet ihr dort erneut ansetzen? Oder alles „ganz anders“ machen, wie es die Glaskugelgucker prophezeien?

Ihr hatten Fantasien, nicht wahr? Und was jetzt?

Auch, wenn ihr es nicht gegenüber euch selbst zugeben könnt: Ihr habt euch in leeren Singlebetten gewälzt und euch Partner erträumt. Solche, mit denen ihr ins Konzert und ins Bett gehen könnt. Solche, die ihr zu nichts anderem kennenlernen wolltet, als einen neuen, erregenden Körper zu spüren. Und solche, die eines Tages wirklich die verschwiegenen Lüste erfüllen werden, die ihr über ein Jahr unterdrückt habt.

Und nun? Ich lese viel von sinnlicher Unsicherheit, eine gewisse Angst, die gepaart mit überbordender Geilheit zu Fehlhandlungen führen kann. Ja, das kann passieren. Niemand bezweifelt es.

Was wollt ihr alle nun tun? Wie wollt ihr euch zeigen? Wem wollt ihr euch zeigen? Was von euch wollt ihr zeigen? Welche Bedürfnisse sollen sofort erfüllt werden, welch können warten?

Sind Psychologen wirklich so blauäugig?

Manche Psychologen geben sich derzeit ausgesprochen „blauäugig“, um nicht zu sagen: entsetzlich naiv. Sie bereiten Singles auf eine wundervolle Zeit konservativer, edler Begegnungen vor. Ich las dazu:

(Singles, die Partner suchen, werden …) sich zum Beispiel klarer darüber sein, was sie von sich selbst und anderen erwarten. Sie werden jede Verabredung wertschätzen und sich wirklich mental darauf vorbereiten.

Diese Meinung unterstützt das Wunschdenken konservativer Kreise, dass nach der Pandemie eine Zeit der „Läuterung“ eintritt. Viele erwarten die Rückkehr zu konservativ-ethischen Wertvorstellungen.

Merkwürdig ist nur, wie schnell sich dieses Wunschdenken verbreitet – von der Forschung über die seriösen Medien bis in die Szene der Abschreiber.

Vorbereitet sein ist immer gut - aber bitte auf alles

Nein, ich habe nichts dagegen, sich auf sogenannte „Dates“ gründlich mental vorzubereiten. Und ich befürworte selbstverständlich, sich über sich selbst klar zu sein und die Motive der Partner abschätzen zu können.

So hübsch da auch alles angedacht (oder ausgedacht?) sein mag … wirkliche Verabredungen im echten Leben haben einen ungewissen Ausgang. Da mögen sie nun „mental“ bestens vorbereitet oder auch nicht. Da sollte sich sogar in der Wissenschaft herumgesprochen haben.

Zitat: Logan Ury gegenüber der BBC.