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 Liebeszeitung - Liebe, Lust und Sex

Die Vagina - allzeit feucht und wohlschmeckend?

Eine Frage, die öffentlich bisher so gut wie nie gestellt wurde, ist: Sollte eine Frau allzeit bereit für den Sex sein? Und falls sie es nicht ist, sollte sie stets kurz zuvor über eine Möglichkeit verfügen, die Bereitschaft zu simulieren?

Nein, diese Frage stammt nicht von uns – sie wurde im Internet von bestimmten Benutzerinnen von TikTok aufgeworfen. Es ist eine Weile her – aber bis die auf dieser Webseite veröffentlichen Trends an unsere Ohren gelangen, vergeht zumeist einige Zeit.

Weil uns die Geschichte ein bisschen märchenhaft vorkam, haben wir sie verfolgt - und festgestellt, dass sie zwar von TikTok ausging, dann aber recht schnell über Online-Magazine verbreitet wurde, bis wir sie im Juli 2021 in einem deutschen Business-Magazin wiederfanden.

Die Lösung für die aktuellen Sex-Probleme der meist jungen Nutzerinnen sollen Vaginal-Zäpfchen bieten, und laut Werbung dienen sie dazu:

Lang anhaltende Feuchtigkeit zu spenden und zugleich die Elastizität der Haut zu fördern.

Doch die Zäpfchen beinhalten noch eine andere Attraktion. Denn sie sind mit einem Extrakt aus Früchten versehen, was inzwischen im Internet zu zahlreichen Diskussionen, aber auch zu einem regelrechten Boom auf das Produkt führte. Aktuell scheint Ananas die bevorzugte Sorte zu sein. Doch auch Erdbeere, Blaubeere und Wildkirsche sind als Geschmacksrichtung im Angebot. Und die Produkte sollen nach einem Bericht von „Business Insider“ im Juni 2021 weggehen wie die buchstäblichen „warmen Semmeln.“

Zitat (Business Insider):

Das ansprechende Design des Produktes, das viel mehr an hochwertige Naturkosmetika als an Apothekenartikel erinnert, tut sein Übriges.


Den Ursprung finden wie bei "TikTok"

Die „Erfahrungsberichte“ auf TikTok sagen beispielsweise aus, dass,

Du dein (Lust-) Zentrum nach dem Geschmack deiner Wahl schmecken und riechen lassen kannst.

Und dabei würden „zehn Minute vor dem Geschlechtsverkehr“ reichen. Offenbar wünschte eine zweite Produkttesterin einen „Guten Appetit“ – was darauf hindeutet, dass sie auch die Attraktivität des „Dining at the V“ fördern könnten – ein Slang Ausdruck für den Cunnilingus.

Warum steht dieser Artikel hier?

Für uns als Redaktion ist ein Beispiel dafür, wie sich Nachrichten verbreiten, die eigentlich keine sind, wie Trends erzeugt werden, die völlig unsinnig sind und wie stets alle versuchen, daran zu verdienen. Und mal so gesagt: Mag Ananas auch noch so fruchtig schmecken – ob diese Frucht wirklich den Lockeffekt hat, den man sich vorstellt? Wahrscheinlich werden die Herren eher schweigen, die in den Genuss der Aromen kommen.

Anhang - zeitlicher Ablauf: So gut wie alle Berichte beziehen sich auf ein ausgesprochen albernes Video, das am 8. September 2020 auf TikTok veröffentlicht wurde. Im gleichen Monat schrieb Claire Gillespie über die Vaginalzäpfchen, und im Januar 2021 folgte (beispielsweise) Korin Miller in „Shape“ mit einem Bericht über das Produkt. Der deutsche Beitrag von Juliane Reuther erschien zuerst am 15. Juli 2021. Wir verlinken nicht direkt auf TikTok,, doch wir haben den Beitrag angeschaut.

Katholische Kirche und Liebe – ein ewiger Zwiespalt

Man braucht nicht das geringste bisschen Häme, um die Aussagen der katholischen Kirche zu entlarven: Wo immer man sie auf den Punkt zu bringen versucht, redet sie um den „heißen Brei“ herum und versucht mit Rhetorik zu vertuschen, was sie nicht hat: ein wirklich offenes, verständliches und selbstbewusstes Verhältnis zur körperlichen Liebe.

Die „Berner Zeitung“ fragte einen Mann ohne Tadel: Roland-Bernhard Trauffer, Generalvikar zu Basel. Er antwortete neutral, sodass besonders deutlich wird, was der Kirche fehlt und wie sie um das Wesen der körperlichen Liebe herumredet.

Hier ein Auszug – das komplette Interview findet man in der Berner Zeitung:

Es braucht eine Schule der Liebe, dann steht diese lustvolle Kraft auch im Dienst des Miteinanders … die Kirche war in der Geschichte die erste Verteidigerin dieser Schule: Sie stand und steht für die heilige Verbindung zwischen Mann und Frau … die Kirche sagt bis heute, die Schule des wahren Lebens sei die Liebe. Und eine Schule der Liebe wiederum sei die aus dem Herzen kommende Ehe.“

Wer das liest, erfährt, dass diese Kirche im Grunde eben kein Verhältnis zur Liebe hat – das Vakuum zwischen „Lust empfinden“ und der sogenannten „heiligen“ Verbindung zwischen mann und Frau kann diese Kirche nicht füllen, das kann sie so viele ihrer Vertreter auf die Bühne lupfen, wie sie will.

Übrigens geht es auch humorvoll und lebensfroh: Lesen Sie auch diesen Artikel in der Schweizer Gratiszeitung „20 Minuten“.