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Erotik ist nicht klinisch rein - doch wie schreibt man darüber?

Sex - perfekt geschminkt und ohne Schweiß

Krimi-Zuschauer sind im Allgemeinen sauer, wenn der perverse Mörder von der schönen, aber strengen Kommissarin nicht gefangen oder wenigstens zur Strecke gebracht wird. Am Ende eines Krimis, so absurd die Story auch sein mag, wird eine plausible Lösung verlangt.

Die meisten "seriösen" Autorinnen und Autoren schreiben keine Kurzgeschichten, Novellen oder Romane, in denen es um rein sexuell motivierte Beziehungen geht. Wir erkennen: Das ist anders als im Krimi, in dem die Aufklärung des Verbrechens im Mittelpunkt steht und darum herum ein bisschen Beziehungsgedöns gehängt wird wie Lametta an den Christbaum.

Seriöse oder gar fernsehtaugliche Liebesgeschichten müssen aus „sozialer Korrektheit“ anders sein: Sie sollten der „wahren Liebe“ entspringen und möglichst in eine eine „bürgerlich kompatible“ Beziehung münden. Dann dürfen sie selbstverständlich auch „Sexszenen“ enthalten, so wie man einst eine Architektur vertrat, bei der „Kunst am Bau“ verlangt wurde. Neuerdings – da staunt die Literaturwelt – darf die Geschichte sogar eine schicke erotische Auspeitschung enthalten, wenn sie nur genügend romantisch verkitscht wurde.

"Seriöse" Literatur und die böse Schwester Pornografie

Auf der anderen Seite dieser „Literatur“ steht die böse und angefeindete Schwester, die „reine Pornografie“. Üblicherweise wird als „Pornografie“ eine Art von Literatur bezeichnet, bei der die Schilderung des Geschlechtsakts stärker hervorgehoben wird als die Entwicklung der sinnlichen Gefühle der Protagonisten. Wobei einzuschränken wäre, dass auch in konventionellen Liebesromanen ohnehin kaum „authentische Gefühle“ vorkommen.

Doch was ist die wahre Liebe? Was die lüsterne Geilheit? Was die ungebändigte Leidenschaft beim ekstatischen Sex? Hat man jemals eine Schilderung gelesen, die all dies umfasst? Und zwar so, dass die kleinen Schauer den Rücken herunterrinnen, und man sich dennoch auf einer Sprachebene befindet, die sozial erträglich ist?

Das allerdings ist noch nicht alles. Sexuelle Beziehungen, vor allem heftige und ekstatische, haben die Tendenz, nicht „klinisch rein“ zu sein, und sie finden normalerweise nicht im Ehebett statt. Sie sind ja gerade deshalb so erregend, weil sich niemand auf sie vorbereitete, weil sie uns überkamen wie ein Gewitter, und weil sie so was von sozial inkorrekt sind, dass sie mit bedenklichem Kopfschütteln bedacht werden.

Sex wie im Märchen - Pornografie wie im Comic

Fesselungen und Hiebe im Cinderella-Drama „50 Shades of Grey“? – das ist so ungefähr wie in einem Katz-und-Maus-Trickfilm: Am Ende bleibt jeder unbeschädigt, und man sammelt sich für die nächste Folge, in der die schlaue Maus wieder die blöde Katze foppt. Ganz ähnlich ist es in der Pornografie: Alles muss immer chic, klinisch rein und ohne Folgen bleiben – selbst der dümmste Zuschauer bemerkt inzwischen, wie sich die Darstellerin zwischen den „Einflügen“ ein wenig erholt, neu schminken lässt und sich dann dem nächsten Stecher hingibt. Gefühlsverwirrung, Schweiß, Tränen, Sabbern oder gar Schmerzen sind nicht vorgesehen, und selbstverständlich sind alle Männer beständig gute „Steher“.

Bi-Sinnlichkeit und schwule Leidenschaften?

Die Gesellschaftsordnung gibt sich offen tolerant – ich habe nie wo viel über sogenannte „Homo-Ehen“ oder Boulevardberichte über lesbische Paare gelesen wie zurzeit. Selbst Bi-Beziehungen haben schon Einzug in Kriminalfilme gehalten. Doch eine Schilderung der dahinterstehenden Leidenschaften, Verwirrungen und Verführungen sucht man vergeblich, zumal dann, wenn kein „Happy End“ zu erwarten ist.

Lassen Sie es mich in einem Satz sagen: Leidenschaften sind nie „sozial korrekt“. Sie sind wild, animalisch und äußerst feucht, und gelegentlich sind sie zerstörerisch. Nein, ich erwarte gar nicht, dass man als Autor von erotischen Novellen „die Wahrheit“ schreibt. Aber vielleicht wenigstens, dass sich das Bett durchfeuchtet, wenn man seiner Partnerin eine Flasche Champagner über den Körper gießt und das sinnliche Gesöff dann genüsslich von ihr aufschlürft.

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