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Sind „Ansprüche an den Partner“ Zeichen einer psychischen Störung?

probleme? ja, wenn man sich dessen bewusst ist


Es gibt Zeiten, in denen es schick ist, auf seine psychische Gesundheit zu achten und dabei jede Menge kleine und große Macken an sich zu entdecken, die sich möglicherweise sogar therapieren lassen. So eine Zeit waren etwa die 1970er und die frühen 1980er Jahre. Damals waren Selbsterfahrungsgruppen der große Renner – doch ob man damals wirklich etwas über sich selbst erfahren hat, ist zweifelhaft. Die Gruppen waren jedenfalls eine lehrreiche Unterhaltung auf verschiedenen Stufen der Gefühle und vor allem des sozialen Miteinanders. Immerhin konnte man erkennen, wen man wie und wann an sich heranlassen wollte und wann man die ganze Gruppe zum Teufel schicken wollte, weil man nun endlich einmal allein sein wollte und seine Gedanken wirklich für sich selbst haben wollte – sie sollten nicht Eigentum der Gruppe werden.

Heute hat man „keine Probleme zu haben“

Auch wer sich niemals damit beschäftigt hat, wird wissen, dass es eine Schranke zwischen „einem Selbst“ und „den Anderen“ gibt, die man fallweise öffnet oder schließt. Dabei wird sorgfältig abgewogen, wie weit man sich dem anderen öffnet, und für fast jeden dieser „anderen“ gibt es eine individuelle Hürde dessen, was man „hinauslässt“ oder „hineinlässt“, seien es Gedanken, Gefühle oder gar körperliche Nähe.

In der heutigen Zeit ist es eher „uncool“, sich mit Problemen zu beschäftigen – der Trend hat sich genau ins Gegenteil verkehrt. Man zweifelt beispielsweise nicht mehr an seinem Selbstbewusstsein, sondern nimmt als garantiert an, dass genau dieses Selbstbewusstsein, das man von sich hat, unumstößlich das einzige denkbare und richtige ist. Dabei verkennt man eines: Neben dem Selbstbewusstsein existiert die Selbstherrlichkeit, wozu auch der Wahn gehört, sich selbst im einzig möglichen Licht zu sehen.

Das Selbstbewusstsein falsch einstellen: Schwächen nicht erkennen

Ein großer Teil der heutigen Probleme in Partnerschaften rührt daher, dass man sein schwaches, bedürftiges und begehrliches Selbst verkennt, vernachlässigt und schließlich verhungern lässt. Mit anderen Worten: Man wird nicht einfach schwach, sondern will immer stark sein, will nicht mehr nachgeben, „Fünfe gerade sein lassen“ und schon gar nicht freizügig Liebe schenken, auch wenn man selbst zunächst nicht so reichlich damit beschenkt wird. Selbstherrlichkeit und ein einseitiges Gerechtigkeitsdenken machen sich breit: Ich bin die/der Größte, ich habe Anspruch auf etwas, die Menschen sollen bitte schön so sein, wie ich sie gerne hätte, ich gebe gerne, wenn ich in der Laune bin, möchte aber ansonsten bitte, dass mir gehuldigt wird. Viele der heutigen Menschen (und leider immer mehr Frauen) haben dieses „majestätische Verhalten“, das keinesfalls von Selbstbewusstsein zeugt, denn der selbstbewusste Mensch ist sich auch seiner Schwäche und seiner Bedürftigkeit bewusst und weiß, wie wenig man auf einem Thorn (oder einem Managersessel) wirklich geliebt wird. Er ist sich auch bewusst, wie viel man dafür tun muss, um seine privaten Bedürfnisse in der dünnen Luft der Macht wenigstens halbwegs im Lot zu halten.

Selbstherrlichkeit statt Selbstbewusstsein

Menschen, die zur Selbstherrlichkeit neigen, haben psychische Schwächen – deswegen sind sie nicht „krank“, aber sie leben dennoch in dem Wahn, dass die eigene, meist abgehobene Einstellung „richtig“ ist und alle anderen „falsch“ sind. Schon der Satz „Ich habe aber Ansprüche“ verrät ja, dass man sich selbst extrem in den Vordergrund spielt und auf das Recht pocht, etwas haben zu wollen – eben einen Anspruch. Doch auf welches recht will man sich berufen? Und wessen Recht versucht man damit zu brechen? Wenn alle Menschen nur Ansprüche gegen Ansprüche aufrechnen würden, gäbe es keine Liebe – und in der Tat gibt es bei vielen der Menschen, die ihre Ansprüche herausstellen, keine wirkliche Liebe. Zudem ist es unverschämt, an einen fremden Menschen eine Forderung zu richten: „Ich habe an Dich den Anspruch“.

Wer bei der Partnersuche Ansprüche hat, schrammt zumindest an den Grenzen emotionaler Störungen. Ob sie gefährlich sind oder nicht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir scheint jedoch sicher zu sein, dass sie den Blick auf die Realität nachhaltig gefährden und deshalb höchst bedenklich sind.

Titelbild © 2008 by crissy

Sommerliebe - Liebe für einen Sommer



Die Sommerliebe ist stets gegenwärtig: Vor dem Sommer ist sie eine Hoffnung, während des Sommers eine Erwartung, und nach dem Sommer erst wird klar, ob sie nun wahrhaftig die „Liebe für einen Sommer“ war oder ob sie bis in den Herbst hinein hält, gar Weihnachten überdauert und ins neue Jahr hinein führt. Den Namen verdient die Sommerliebe nur, wenn sie nach dem Sommer ausklingt, wenn sie sich sozusagen mit den Herbsttemperaturen abkühlt, wenn der Herbst mahnt, das sommerliche Lotterleben zu beenden und an die Zukunft zu denken. Dann wissen wir: es war eine Sommerliebe. Sie war da, als unsere Herzen leichter und unser Geist leichtsinniger wurde, als wir eher nachgaben und uns einließen.

Wenn aber die Tage wieder kürzer werden und es im freien bereits empfindlich kühle wird, neigen wir dazu, an unsere Zukunft zu denken. Plötzlich ist sie wieder da, die merkwürdige Differenz zwischen der reinen Lust am Körper des anderen und dem Wunsch, sich einmal für das Leben einzudecken: Im Herbst klärt sich, ob die Sommerliebe hält. Hat sie einmal die Herbststürme überstanden, konnte sie auch die Beziehungsklippe „Weihnachten“ umschiffen, und hat man sie ins neue Jahr gerettet, so mag auch die Sommerliebe zur Liebe fürs Leben werden.

Manche Frauen wissen um all dies und sagen im Frühjahr: „Ach du, ich suche mir jetzt erst einmal einen Mann für einen schönen Sommer“, während andere voller Wollust in die Sommerliebe hineinstolpern. Gegen Sommer, Sonne, Strand, leichte Kleidung, sanften, warmen Wind und Rotwein kämpft kaum jemand, wenn er dazu die Lust sozusagen mitgeliefert bekommt. Man könnte es einfach als die „Leichtigkeit des Seins“ bezeichnen, als sommerliche Beschwingtheit, als den kleinen, süßen Leichtsinn, den wir uns hin und wieder gönnen.

Das mag auch der Grund sein, warum wir sie genießen, die Sommerliebe, und nicht an ihr Ende denken. Wir wollen ihr verfallen, wollen jemandem verfallen, wollen einfach einmal „loslassen“. Mögen andere jetzt an den darauf folgenden Katzenjammer denken, an den einsamen Herbst, an die lästigen Winterabende, an das abscheuliche Singleweihnachten. Noch ist Sommer, nicht wahr? Noch kann man sich in lauen Sommernächten am Strand lieben und den frivolen Duft der Haut des anderen in sich aufsaugen. Noch ist Sommer, und noch seid ihr ein Paar. Also genießt es – es ist wirklich nur ein Mal im Jahr Sommer.

Das im Logo „Sommerlust“ verwendet Foto stammt von Rodrigo Favera - die Serie Sommerlust wurde exklusiv für die Liebepur und die Liebeszeitung von wortwechsler.de gestaltet und umgesetzt. © 2010 by sehpferd, budapest.

Die Serien „Der Sommer der Liebe“ und „Der Sommer nackt“ wurden eigens für diese Webseiten geschrieben – und damit für Sie, liebe Leserinnen und Leser.