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Vom Schneewittchen zum Schneeflittchen

Wie wird man eigentlich eine Schlampe? Nicht ohne eigenes Zutun, meint unser Autor Induna. Er hat übrigens zahnlose Internetseiten durchforstetet - und nicht nur das: auch das Lamento von gestandenen Damen, die mit 30 gerne "auf seriös" machen würden und noch ein paar ganz offizielle Akt- oder Erotikfotos im Internet haben, deren Entfernung sie nun verlangen, ist ihm wohlbekannt.

es ist nur ein schritt von der lustvollen frau zum geächteten flittchen


Sie war so weiß wie Schnee, mit weicher, sanfter Haut, so rot wie Blut, das ihr Gemüt zur Liebeslust trieb, und so schwarz wie Ebenholz, das offenbar auch auf ihre Seele abfärbte. Jedenfalls wusste sie die Männer zur Ekstase zu bringen mit ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele, was ihr noch nicht einmal geschadet hätte. Doch wenn eine schöne Frau begehrt ist, muss sie die Männer entweder auf Armlänge von sich fernhalten oder sich einem einzigen Mann für lange Zeit hingeben.

Tut sie es nicht, wird aus den Geschichten über das wundervolle, geistreiche und schöne Schneewittchen bald das Gerücht über die allzeit verfügbare Schlampe Schneeflittchen.

Muss das eigentlich sein? Muss eine Frau, die viele Liebhaber zugleich oder kurz hintereinander hat, zwangsläufig zur Schlampe werden? Warum gönnen wir ihr nicht die Lust, warum freuen wie uns als Männer nicht einfach über die Gunst, die sie uns schenkt?

Nein, wir tun es nicht. Gentlemen genießen und schweigen, aber die üblichen Scheißkerle tun es nicht – sie bedienen sich bei diesen Frauen und quatschen hinterher darüber, und was sie einander erzählen, heißt nicht: „Es war wunderschön mit ihr“, sondern „das war vielleicht eine geile Sau“.

Wer sich nicht öffentlich macht, wird auch nicht zur Schlampe

Um in den Ruf des Flittchens zu geraten, muss eine Frau allerdings auch selber Öffentlichkeit herstellen. Die meisten der „Flittchen“ kleiden sich verdächtigerweise so, als seien sie verfügbar – und daran werden sie in der Regel sogar von Fremden erkannt. Ihr Hauptproblem ist aber, dass sie mit Männern schlafen, die aus einem gemeinsamen Umfeld stammen: die Schule, die Fakultät, die Abteilung, das Dorf, der Stadtteil. Eine Frau kann kaum zur Schlampe werden, wenn die Männer, die sie begünstigt, einander nicht kennen. Der Ruf einer Frau wird also nur dann beschädigt, wenn es möglich ist, etwas über ihren Ruf zu erfahren. Das war früher nur in überschaubaren sozialen Umgebungen möglich – außer in den bereits genannten also vor allem und in Dörfern und Kleinstädten, wo ledige Frauen unter starker Beobachtung stehen. Heute allerdings ist die Welt ein globales Informationsdorf – und viele der Frauen, die früher nicht als „Schlampen“ abgewertet wurden, kommen heute über den Umweg „Internet“ in den zweifelhaften Ruf.

Lassen Sie es mich deutlich sagen: 90 Prozent der Verantwortung dafür liegen bei den Frauen, die ihre Affären dadurch selbst öffentlich machen, dass sie im Internet unter ihren Namen präsent sind und diesen Namen dann auch ihren Lovern nennen. So können über Blogs, Foren und soziale Netzwerke Recherchen angestellt werden, die keiner Frau gut tun – vor allem nicht, wenn sie beispielsweise Lehrerin oder Erzieherin werden will.

Fotos sind die größte Gefahr im Internet

Die größte Gefahr allerdings liegt darin, Fotos von sich ins Internet zu stellen, die auf einen „typischen Schlampencharakter“ schließen lassen. Dazu gehören beileibe nicht nur anzügliche Aktfotos, sondern auch Wäsche- und Dessousfotos, ja, sogar Fotos in betont anzüglichen Stellungen (beispielsweise mit sehr kurzem Rock, wenn von unten fotografiert wird). Besonders fragwürdig ist die in letzter Zeit aufkommende Praxis, Digitalfotos vor und nach dem Geschlechtsakt zu erlauben (von „während“ wollen wir lieben schweigen). Diese kommen sehr, sehr schnell ins Internet – und oft wissen die auf diese Art bloßgestellten Frauen auch nach Jahren noch nicht, dass sie als Schlampen in pornografischen Foren auftauchen. Die Idee, den Kopf nicht zu zeigen und damit „schlampentechnisch“ unverwundbar zu werden, ist ebenfalls keine gute Idee, weil viele Frauen heute Tätowierungen tragen, anhand derer sie relativ eindeutig identifizierbar sind. Besonders gefährlich sind übrigens Fotos in der eigenen Wohnung, wenn das Hochzeitsfoto an der Wand hängt und die betreffende Seitenspringerin von ihrem Lover in postkoitaler Ekstase fotografiert wird.

Schutz vor dem Sachlampenvorwurf

Wie kann man sich nun schützen? Frauen haben stets Auswege gewusst, wie sie die Lust in vollen Zügen genießen konnten, ohne in den Ruf einer Schlampe zu kommen. Die Kriterien sind und waren immer:

- Diskretion oder Anonymität.
- Sorgfältige Auswahl.
- Angemessene Entfernung zwischen Lebensmittelpunkt und Affäre.

So ungerne ich dies sage – aber mir scheint, dass diese Diskretion nur in drei Fällen wirklich gegeben ist: Bei käuflichen Liebhabern (auch hier gibt es Ausnahmen), bei weiten Entfernungen (Sextourismus, Affären während Urlaubs- oder Dienstreisen) und bei Casual-Dating-Agenturen wie etwa C-Date oder Ashley-Madison. Wenn Frauen Affären suchen, sollten sie zudem die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme auf „Einbahnstraßen“ verlegen, was bedeutet: Sie kann zu den Männern jederzeit Kontakt aufnehmen, die Männer aber nicht zu ihr. Es wäre beinahe überflüssig zu sagen, aber einmal sollte es doch gesagt werden: Beim Casual Dating gehört ein Schutz durch Kondome immer dazu, denn nichts ist unangenehmer, als wenn man durch die Folgen als Seitenspringerin, Ehebrecherin oder einfach als Schlampe geoutet wird.

Original-Titelfoto © 2007 by jorgemejia (Jorge Mejía peralta) wegen des Schneewittcheneffekts nachbearbeitet.

Auch beim Seitensprung wollen Frauen keine „Lustobjekte“ sein

Mir fiel spontan der dümmliche Spruch aus Swinger- und Hurenanzeigen ein: „Alles kann, nichts muss“, als ich die eine Auswertung über die Wünsche der Menschen las, die ihre Seitensprung-Profile bei der weltgrößten Seitensprungagentur, Ashley Madison, hinterlegten. Demnach meinten fast zwei Drittel der Männer, dass mit ihnen „alles möglich wäre“, während nur etwa ein Viertel der Frauen dieser Meinung war. Offenbar ist es so, dass die Frauen wesentlich leckerer im Umgang mit dem Seitensprung sind, während die Männer buchstäblich „alles Ausprobieren“ wollen. Dafür spricht möglicherweise auch, dass Frauen deutlich längere Affären suchen als Männer: Ein gutes Viertel von ihnen gab an, Langzeitbeziehungen über die Agentur zu suchen, was darauf hindeuten könnte, dass sie eher eine Art Mätresse der Herren werden wollen als ein Lustobjekt für eine Nacht. Bei den Männern suchten nur etwa 16 Prozent eine Dauergeliebte.

Die Profile der umstrittenen Seitensprung-Agentur Ashley Madison wurden von Trish C. Kelley von der Universität von Manibota (Winnipeg, Kanada) ausgewertet.

Via: Liebepur