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Da wäre noch der Ritter auf dem weißen Pferd

Manchmal wiehert mich doch tatsächlich ein weißes Pferd an, und dann denke ich an die armen Mädchen, die so blöd sind, auf Ritter in Funklenden Rüstungen zu warten. Wie war das noch mit dem Mäh-Mäh-Märchenprinzen?

Nach Meinung eines Flirtexperten wäre es offenbar nötig, dass es mehr Ritter gäbe – unter anderem, um mutig ein paar Dornenhecken zu überwinden auch nebenbei auch „den Widerstand der Frauen zu überwinden“:

Kann eine Frau ( dabei) … den Ritter auf dem weißen Pferd vorstellen, der alle Hindernisse einschließlich ihrer eigenen Widerstände überwindet, um sie im Sturm zu erobern?


Ei Holla, Dornröschen dieser Erde, da staunt ihr, nicht wahr?


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Akademikerinnen und verfehlte Liebe

schön, jung und gebildet - warum nicht gleich heiraten?


In einem Artikel der FAZ wurde dieser Tage deutlich, wie wenig sich die Welt durch eine einseitige Sicht der Liebe erfassen lässt. Diesmal war es die Sicht eines Psychotherapeuten, dem angesichts heiratswilliger, aber offenbar dabei nicht besonders erfolgreicher Akademikerinnen recht spät die Erleuchtung kam: „Mir wurde klar, da ist ein systematischer Fehler. Das muss auch einen gesellschaftlichen Hintergrund haben.“

Der „gesellschaftliche Hintergrund“ ist schnell gefunden – und entlarvt das Problem als reines Zahlenspiel, das sich gegenwärtig hauptsächlich an den Akademikerinnen zwischen 30 und 40 festmacht: Je mehr Akademikerinnen es gibt, umso weniger von ihnen können „adäquat“ heiraten.

Nase zu hoch und Scheuklappen

Eines der Probleme dieser Frauen ist allerdings auch, dass sie zu lange gewartet haben und dabei übermäßig lecker geworden sind. Denn Männer hätte es gegeben – damals, als sie die begehrten 25 – 30-Jährigen waren, doch zu dieser Zeit trugen sie die Nasen noch hoch und hatten die typischen Scheuklappen der Karrieremenschen: Nur nichts tun, was dem unaufhaltsamen Aufstieg schaden könnte – und dazu hätte ja auch gehört, rechtzeitig eine feste Bindung einzugehen.

Die Männer? Älter, schon mal gebraucht und lauter Casanovas?

Ganz typisch: Männer hätte es ja gegeben, aber eben keine, die sich mal blitzartig in die Ehe hineinschleusen lassen wollten. Im weichgespülten Text heißt das dann so: „Kennengelernt hat sie fast nur Männer, die deutlich älter waren als sie, eine kaputte Ehe hinter sich hatten und nichts Ernstes wollten.“

Ebenso typisch sind die Übertreibungen: „Dating down“ heißt nicht, dass die Chirurgin nun den Krankenpfleger heiratet, sondern dass sich die Architektin auch mit einem Bauunternehmer zufriedengeben könnte. Das Schema passt besser und hat Sinn.

Die Lösung für die Zukunft: jünger heiraten

Wie aber kommen wir zu Lösungen dieser Probleme? Vor allem dadurch, dass die Menschen sich wieder daran gewöhnen, sich in der Jugend kennenzulernen und sobald möglich zu heiraten. Zwar ist der Zug für die über 30-jährigen Akademikerinnen größtenteils raus – aber das sollte die jüngeren unter ihnen nicht hindernd, es besser zu machen. Denn mit 25, also dann, wenn der Großteil ein Studium abgeschlossen haben sollte, sind die Ansprüche noch nicht so hoch – und damit wäre das Wort ausgesprochen, auf das es ankommt: Es gibt nicht zu viele weibliche Akademiker am Heiratsmarkt, , sondern es gibt zu viele ältere weibliche Akademiker, deren Ansprüche viel zu hoch aufgehängt sind.

Am besten wusste es noch der Soziologe Hans-Peter Blossfeld, der wagte, die Wahrheit zu sagen: „Wenn man bestimmte Zeitfenster im Lebenslauf versäumt, hat man halt ein Problem“ – und dieses Problem wir umso größer, je mehr man sich darauf versteift, einen anderen Akademiker zu heiraten, der zudem noch die „eierlegende Wollmilchsau“ repräsentieren muss.

Spektakuläre Übertreibungen - nützen sie uns?

Im Artikel wird deutlich, dass wir mit den Übertreibungen „Chirurgin datet Pfleger“ und „Fotografin datet Briefträger“ nicht weiterkommen. Eine Frau, die mit gegen 35 plötzlich ihr Leben ändern will und auf Ehe und Familie hofft, muss andere, brauchbarere Kompromisse finden. Die Verantwortung dafür trägt allerdings jede Frau selber – man kann sie weder an die Gesellschaft noch an die Männer abschieben. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagt der Volksmund – und er behält am Ende recht, ob es den Akademikerinnen über 30 nun passt oder nicht.

Es gibt Lösungen - aber sie erfordern Mut

Abhilfe? Ja, warum eigentlich nicht? Wer keine Kinder will, kann sich wahrhaftig einen Liebhaber halten, und wer Kinder möchte, kann dies auch mit einem jüngeren Mann oder einem Akademiker aus dem Ausland probieren – wenn es denn unbedingt einer sein muss. Gerade Akademikerinnen steht die Welt als Arbeitsplatz offen - und wenn sie schon beklagen, dass ihnen die hiesige Männerwelt nicht kosmopolitisch genug ist, dann sollen sie sich bitte als Kosmopolitinnen erweisen und ihr Glück wenigstens in der EU versuchen.

Was als Bodensatz in der FAZ kleben bleibt, ist das übliche Lamento derjenigen, die glaubten, alles zu können und die jetzt an ihre Grenzen stoßen. Wir sollten sie nicht zu ernst nehmen, sondern an ihnen lernen und es unseren Töchtern und Enkelinnen sagen: entscheide dich früh, und halte fest, was du greifen kannst.

Alle Zitate aus der FAZ.

Titelbild © 2009 by argonne