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Rollenspiele: Was ist daran zu lustvoll?

für rollenspiele zählt nicht, welche instrumente man hat, sondern wie sinnlich man ist


Man mag darüber schimpfen oder sich daran erfreuen, doch inzwischen dies eine Tatsache geworden: Viele Paare lieben sinnliche Rollenspiele, und in ihnen spielen Submission und Domination eine entscheidende, wenn nicht gar die wichtigste Rolle.

Die Unterwerfung und Beherrschung sei dabei keinesfalls rollenspezifisch, wie früher oft behauptet wurde. Besonders Feministinnen wird ja zugeschrieben, Frauen generell als unterwürfig anzusehen, während sie die Männer als dominant erachten. Das Korrekturziel des Feminismus ist dabei leider oft, die Frauen aufzuwerten, um selber zu herrschen, und die Männer im gleichen Atemzug abzuwerten. Dieses Spiel funktioniert allerdings überwiegend an Universitäten und in extremfeministischen Kreisen, während man sich aus gesellschaftspolitischer Sicht eher psychologische Regelkreise wünschen würde, um die Macht im Gleichgewicht zu halten. Weniger akademisch ausgedrückt: Wenn sich die Macht einmal zugunsten des einen verschiebt, dann wird sie sich auch zugunsten des anderen wieder ausgleichen, wenn sich die Gelegenheit ergibt: Frau und Mann arrangieren sich und geben mal Macht ab, während sie sich ein anderes Mal die Macht gönnen.

Der Ernst des Tages und die Spiele bei Nacht

Dem Ernst des Tages folgt dann oft das Spiel um die Macht und die Unterwerfung in der Liebe – und hier ist seit Langem klar, wie gerne sich die im Alltag machtvolleren den weniger Mächtigen unterwerfen. Aus englischen Flagellationsbordellen wissen wir, dass besonders angesehene Gentlemen dorthin gingen, um sich kunstvoll quälen zu lassen. Heute, da Frauen mächtig geworden sind, versuchen sie es selbst – allerdings stiller und ohne Aufsehen und zunächst dort, wo es am leichtesten ist: in der Beziehung.

Was suchen nun Frau und Mann wirklich beim erotischen Rollenspiel?

Frauen, so sagte mir eine Marktkennerin, würden vor allem Produkte für die sanfte Fesselung und leichte Schläge kaufen, allerdings wisse man nicht, wie diese tatsächlich anwendet, würden. Mehr über die Machtverteilung sagt allerdings die Zunahme der Verkäufe von sogenannten „Umschnalldildos“ aus, denn sie lassen sich zumeist nur sinnvoll am unterwürfigen Mann anwenden.

Einstiegsdroge Anfängerset

Die meisten Produkte allerdings würden aus Neugierde gekauft - dafür spräche, dass immer mehr „Anfängersets“ für Fesselungen, Flagellationen und Deprivation im Angebot einschlägiger Versandhändler wären. Man will es einfach einmal ausprobieren – und stellt sich vor, dass man dabei erotische Sensationen erlebt.

Sie sanfte Untewerfung beginnt mit dem Verbinden der Augen

Besonders beliebt ist – auch ohne Zubehör aus Erwachsenen-Shops – das Verbinden der Augen. Darauf folgen dann zumeist sanfte oder heftige Hautreizungen, wies sie beim Kitzeln, Streicheln, Kratzen oder Beißen entstehen – insoweit sind wir noch da, wo das Kamasutra auch schon einmal war. Gerade zeigte die Sendung von RTL „Dating im Dunkel“, dass Voyeure durchaus neugierig auf Partnerspeile sind, bei denen man nichts sehen, aber alles fühlen kann.

Als besonders lustvoll wird dreierlei beschreiben:

- Die Vorstellung, generell hilflos dem anderen ausgeliefert zu sein.
- Die Neugierde, ob, wann und wie es eine sexuelle Satisfaktion geben würde (Tease-and-Denial).
- Die Lust am Wechselbad zwischen Schmerz und Zärtlichkeit.

Generell sind es also eher gekonnte Psychospiele, die Paare vollziehen, als stupide, schmerzhafte Aktivitäten, wie etwa das Schlagen mit Instrumenten.

Bestrafen, verweigern und belohnen - das Prinzip lustvoller Spiele

Man könnet scherzhaft sagen, dass es ein „Ohne Fleiß kein Preis“-Prinzip ist, das die Unterwerfung für beide Partner so attraktiv macht. Der im Spiel machtvollere Partner kann bestimmen, wann, wie, auf welche Weise und wie häufig er dem Partner etwas „Süßes“ gönnt, und der unterwürfige Partner schwankt dabei lustvoll zwischen Hoffnung und Frustration – was wird als Nächstes vom Partner kommen? Was wird er für mögliche Zärtlichkeiten oder Liebesdienste verlangen? Der Unterwürfige wird sich gelegentlich verweigern, und er wird darüber nachdenken, welche Konsequenzen dies für ihn haben könnte – dadurch wird das Rollenspiel für beide interessanter.

Diese Arten von Spielen sind deshalb so lustvoll, weil beide Partner eine sinnliche Befriedigung darin finden können, die man in anderen Rollenspielen vermisst. In den meisten vorgegebenen Rollenspielen ist nämlich die Rolle des dominanten Parts so undankbar, dass sie kaum jemand freiwillig spielen will.

Titelbild $copy; 2009 by Francesca Frakokot