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Sex und Zukunft

Sogenannte „Zukunftsforscher“ haben ein merkwürdiges Szenario entworfen. Sie sagen, verkürzt ausgedrückt, wir werden in Zukunft alle „polyamorisch“ leben und lieben. Einen der diesbezüglichen, von der Nachrichtenagentur dpa verbreiteten Artikel, können sie hier lesen.

Vermutlich waren Sie bei einer Kaffeesatzleserin, haben ihr zu tief in die Augen geschaut und sind daraufhin in eine drogenähnliche Euphorie verfallen, meinen Sie? Na, dann kommen wir doch mal zu Fakten.

Der Mensch, animalisch und keinesfalls von Natur monogam

Erstens könnten wir uns fragen, wie das eigentlich mit unserer Einordnung im Reich der Lebewesen ist, dann könnten wir uns die Frage nach der Kultur stellen und schließlich – nicht aber letztlich – die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.

Das Schöne für die Damen und Herren Forscher zuerst: Unsere Spezies ist nicht monogam, und das wird sie auch nicht deshalb, weil dies die neuere jüdisch-christliche Kultur fordert. (Wir werden noch sehen, dass dies nicht immer so war). Unsere Veranlagung ist eindeutig, viel zu eindeutig, um das Mäntelchen der Liebe darüber zu hängen. Soweit, so gut.

Kultur: Vom „Vögelen" bis zum „Nadelgeld aufbessern“

die bademagd - mit dem zeichen für das "vögelen"
Dann wäre da noch die Kultur, und da sehen wir uns nur die neuere, sogenannte abendländische Kultur an. Sie verlangt, dass wir monogam leben, setzt dies aber nicht durch. Von den Menschen der Bibel bis zum Mittelalter lebte man zwar offiziell zumeist „monogam“, inoffiziell aber nicht: Die Männer zu Zeiten des Mose hatten Gesinde und Sklavinnen zur freien sexuellen Verfügung. Die Fürstchen des frühen Mittelalters hatten ihre offiziellen „Frauen zur Linken“ – von den unzähligen Bauernmädchen, die sie schwängerten, mal ganz zu schweigen. Die angebliche „Hohe Minne“ war kaum mehr als eine Art „Edelseitensprung“ der adligen Frauen, die sich den gezielt verführenden Minnesängern durchaus hingaben – sie „vögeleten“ ihre Troubadoure, wenn „die Luft rein war“.

War es unter den Männern bei Hofe noch lange üblich, Bauern- und Bürgertöchter, Mätressen und Bademägde zu konsumieren, so setzte das Bürgertum erfolgreich eine Fassade vor seine Umtriebe. Männer aus den besseren Ständen hatte eine Geliebte, Freundin oder „Privatsekretärin“, dem Kleinbürger blieb die Hure oder das Dienstmädchen. Zwar kam die Bürgerfrau nicht so leicht zu ihrem Studenten, Dichter, Musiker oder Leutnant, die für die Lust zur Verfügung standen, doch wo ein Wille war, war auch ein Weg. Französische Frauen, die zum Ende des 19. Jahrhunderts nach allerlei Luxusgütern strebten, begannen, „ein Geschäft zu machen“, indem sie sich für horrende Beträge reichen Herren hingaben, und die deutsche Frau besserte in gleicher Weise oftmals „ihr Nadelgeld auf“.

Lesen Sie morgen den zweiten Teil: Warum die Ehe so sinnreich ist - und bleibt.