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Der Tod, das Spiel und die "Fifty Shades of Grey"

Ein sogenanntes Sadomaso-Spiel endete mit dem Tod - aber das leichtfertige Spiel artet auch sonst immer öfter aus.
Ein Spiel -oder die Begegnung mit dem Tod?



Wer ist verantwortlich für die unfassbaren Taten bei SM-Spielen, die gegenwärtig immer wieder in die Presse kommen? Und ist der Tod der Partnerin oder des Partners nur die Spitze eines Eisbergs, an dem Hoffnungen zerschellen, der Schiffbruch der Seele erlitten wird und Körper dauerhaft beschädigt werden?

Kein Verständnis, wenn der Tod billigend in Kauf genommen wird

Es ist schwer, Verständnis für Menschen aufzubringen, die den eigenen Tod wie auch den Tod anderer billigend in Kauf nehmen. Es sind oft Menschen aus Kreisen, die sich zuvor in Wort und Schrift damit gebrüstet haben, dass sie keine „strafrechtlich relevante Gewalt“ anwenden. Die Rede ist von einem Teil der BDSM-Szene – jenem Teil, der das Licht der Öffentlichkeit nicht sucht, sondern scheut. Jenen, die sich von dem Werteprinzip SSC (englisch Safe, Sane and Consensual) abgewendet haben, weil es ihnen zu lammfromm ist. Die drei Wörter sind die Grundlagen des Spiels mit der „heiklen Lust, und zu deutsch heißen sie etwa „sicher, drogenfrei und einvernehmlich.“ Das Konzept ist schlüssig: Über Sicherheit, Verlauf und Abbruch muss Einvernehmlichkeit bestehen, von außen zugeführte Drogen dürfen nicht zum Einsatz kommen, sodass vor allem das emotionale „Einvernehmen“ transparent bleibt.

Das Risiko - verniedlicht und für die Gesellschaft verfälscht

Was diejenigen anders machen, die ihre Schiffe auf Eisberge zusteuern und mit dem Tod Theater spielen? Sie denken anders. Sie führen gerne den Begriff „einvernehmliche, risikobewusste Handlungen“ (RACK) in den Mund. Es klingt harmloser, als es ist. Zwei Journalisten, die in Krisengebieten tätig sind, können sich „einvernehmlich und risikobewusst“ den Gefahren aussetzen. Es ist aber völlig unmöglich, dass sich zwei Menschen „einvernehmlich risikobewusst“ auf Spiele einlassen, in denen nicht klar wird, von wem das Risiko eigentlich ausgeht. Mit anderen Worten: Wenn der andere Mensch das Risiko darstellt, sind nicht beide risikobewusst, sondern nur einer.

Noch schlimmer wird die Sache, wenn das Risiko unter anderem darin liegt, dass Drogen oder andere das Gehirn beeinflussende Stoffe im Spiel sind.

Echte Sadisten - echte Masochisten: Immer ein Problem

Etwas kommt noch hinzu: Die Anzahl der Menschen, die man als „echte Sadisten“ bezeichnet, also solche, die gegen den Willen ihrer Mitspieler sadistisch handeln, hat offenbar zugenommen. Ein echter Sadist ist immer ein Problem, und wenn er die Kontrolle verliert, wird er zur Gefahr für seine soziale Umgebung. Es ist kein Wunder, dass es so wenige elegante sadistische Rollenspieler gibt: Die Rolle ist nicht besonders gentlemanlike, und sie ist ebenso wenig ladylike. Selbst „harte Jungs“ haben da im Hinterkopf: „Frauen schlägt man doch eigentlich nicht, oder?“ So kommt es, dass es inzwischen Damen und Herren gibt, die eigentlich wenig Lust haben, Menschen zu dominieren, es aber dennoch tun.

Ebensolche Probleme haben „echte Masochisten“, doch schaden sie nicht der Gesellschaft, sondern sich selbst – was wieder schamlos ausgenutzt werden kann. Der Unterschied zwischen einem „echten Masochisten“ und einem schmerzfreudigen Spieler ist ungefähr so wie zwischen einem Mann, der gerne ein gutes Glas Wein trinkt und einem Alkoholiker.

Verurteilung eines Schweden - wegen Körperverletzung


In Schweden ist gerade ein Mann verurteilt worden, der eine Frau unter der Droge Methylphenidat in Verbindung mit Alkohol mit „mindestens 123 Schlägen“ traktiert habe. Das Gericht befand jedoch nur auf Körperverletzung, da „nicht nachzuweisen“ war, dass der Tod tatsächlich als Folge der Schläge eingetreten sei. Tatsächlich gab es zuvor Pressemeldungen, dass die verstorbene Frau, 28-jährige deutsche Austauschstudentin, „nicht an den Stockschlägen, sondern aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung“, die durch eine Knebelung verursacht wurde.

Soweit der Teil, den die Justiz zu behandeln hatte. Was Online-Dazing angeht, so ist ein deutlicher Hinweis auf die Gefahren nötig, die von SM-Spielen mit Fremden (und dazu gehören auch Internet-Bekanntschaften und sogenannte „Freunde“ im Internet) ausgehen. Insofern ist es seitens der „Süddeutschen Zeitung“ etwas leichtfertig, hier zu titeln: „Tod nach "Fifty Shades of Grey"-Sexspielen.“ Immerhin war Mr. Grey sehr besorgt um das Wohlergehen „seiner“ Anastasia, und bei allen Begegnungen war der spielerische Charakter unverkennbar.

Man muss klar sagen: Die Gefahren lauern immer dort, wo Spinner und Extremisten (gleich welchen Bildungsgrads) am Werk sind. Hinzu kommt: Jeder Dom und jede Domina hat eine Fürsorgepflicht für seine(n) „Sub“ – denn diese(r) kann während bestimmter Phasen des „Flugs“ durch das Spiel bereits durch körpereigene Drogen nicht mehr Herr(in) der Sinne sein. Wird diese Fürsorgepflicht durch Drogeneinnahme oder emotionale Überhitzung (Kontrollverlust) verhindert, dann ist ganz klar, dass körperliche Schäden billigend in Kauf genommen werden. Und das überschreitet die Grenzen dessen, was in SM-Kreisen intern angehandelt werden kann.