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Muss man der unterwürfige Typ für die Unterwerfung sein?

sieht ganz hübsch aus - aber macht es auch freude?


Die Lust an der Unterwerfung befällt in den letzten Monaten nicht mehr ausschließlich die „üblichen Verdächtigen“, die uns irgendwie „merkwürdig“ erscheinen und die vielleicht sogar als „paraphil“ gelten.

Nein, wir können Hausfrauen und Mütter in mittleren Jahren beobachten, die das verschlingen, was man früher wohl als „billige Pornografie“ abgetan hätte: Liebesromane mit einem Schuss „Perversion“. Sie entwickeln dabei auch gelegentlich heimliche Sehnsüchte – schließlich will die Leserin ja „irgendwie nachfühlen“, wie es der lustvoll gepeinigten Protagonistin geht.

Ja, und wie geht es denen? Inzwischen hat jede Etepete-Journalistin schon mal einen Blick in die einschlägige Literatur zum Thema SM geworfen und dabei ein bisschen was gelernt. Man merkt förmlich, wie befremdet die Damen in Wahrheit sind, wenn sie in die Welt der sinnlichen Schläge und der schicken Unterwerfung eintauchen.

Fehlannahme: Unterwürfige Menschen sind gut in Unterwerfung

„Echt“ unterwürfige Menschen, die suchtartig nach „strenger Erziehung“, schlechter Behandlung, Schmerzen, Entbehrungen und letztendlich nach Versklavung gieren, sind psychisch hochgradig gefährdet. Für eine wirklich lustvolle Unterwerfung benötigt man aber ein gesundes Selbstbewusstsein, das man freiwillig für eine begrenzte Zeit aufgibt. Es scheint zumindest so, als würden skrupellose Sadisten und Sadistinnen oft solche Menschen mit schwacher Psyche ansprechen. Sie sind die Opfer, die obskure „Slavenverträge“ unterschreiben und sich Kleidung, Nahrung und Freizeitbetätigung vorschreiben lassen und dies (nach Meinung ihrer Sklavenhalter) auch noch aus Liebe tun.

Gut in der Rolle: selbstbewusste Rollenspieler(innen)

Gut in der Rolle des Unterworfenen sind also nicht schwache und labile Menschen, sondern solche, die wissen, was die Ausübung von Macht bedeutet. Sie können sozusagen „die andere Seite der Medaille“ in sich spüren und wollen sie „auf Biegen und Brechen“ durchsetzen. Dies alles zeigt schon, wie Paradox die Rolle des Submissiven ist. So unternehmen Frauen, die in diese Rolle schlüpfen wollen, erhebliche Anstrengungen, um einen „Meister“ zu finden, bei dem sie sich wohlfühlen. Es dürfte überflüssig sein, darauf hinzuweisen, dass dieser „Meister“ (teils auch diese dominante Frau) ebenfalls ein Mensch sein muss, der sich der Paradoxie der Rollen bewusst ist.

Männer in Machtpositionen lösen ihr Problem der Suche nach einer dominanten Frau zumeist, indem sie ihre Gelüste mithilfe von Dienstleisterinnen durchsetzen und „zahlen und schweigen“. Denn als Ehefrau oder Verlobte brauchen sie andere Frauen – sie sollen ja vor allem den Alltag verschönen.

Die „Szene“ verliert ihre Definitionsmacht bei SM-Spielen

Seit einigen Jahren schon hat sich das Potenzial der süßen Unterwerfung und der köstlichen Schläge vom „Harten Kern“ der sadomasochistischen Szene in private Schlafzimmer verlagert. Die Szene selbst ist seither gespalten und besteht aus Traditionalisten, die insbesondere auf Freiwilligkeit, Drogenfreiheit und übereinstimmenden Zielen der Spiele achten, und Extremisten, die sich und andere in Abenteuer stürzen, deren Vollzug mit einem hohen Gefahrenpotenzial belegt ist. Bei ihnen besteht der Verdacht, dass grundlegende Menschenrechte nicht mehr beachtet werden. Durch diese Umstände, aber auch dadurch, dass Rollenspiele in den erotischen „Mainstream“ abgewandert sind, hat die einstmals nächtige und aufklärerisch tätige „Szene“ an Bedeutung eingebüßt.

Rollenspiele in Beziehungen und bei Dienstleisterinnen

Im privaten Bereich experimentierten bislang vor allem junge Paare mit den traditionellen Mitteln „Fesseln und Züchtigungen“. Sie sind leichter zu verwirklichen als die Variante „Meister(in) und Sklave/Sklavin“, weil sie kaum mentale Vorbereitung verlangt und nur geringe Anforderungen an die Schauspielkunst stellt.

Seit der Welle, die das Buch „50 Shades of Grey“ausgelöst hat, interessieren sich auch Frauen mittlerer Jahre und unterschiedlicher Bildungsschichten für sinnliche Schläge und spielerische Unterwerfungen. Zuvor war dies eher eine Domäne gebildeter Frauen.

Abseits von der sogenannten „Szene“ und fern vom ehelichen Schlafzimmer werden Dienstleisterinnen aktiv, die „professionelle Dominierung“ anbieten. Sie wurden früher nach ihrem Habitus als „Stiefelfrauen“ bezeichnet und heute als „Domina“ (Dominatrix, Dominatrice), auf deutsche etwa „Herrin, wörtlich „Hausherrin“.

Was, wenn DU es willst?

Im Grunde ist es müßig, über das „Für“ und „Wider“ von Rollenspielen zu diskutieren – man muss sie einfach mit einem sicheren Partner auf einer ebenso sicheren Spielwiese erproben. Und nachschauen, ob man sich dabei wohlfühlt.

Wie du es machen kannst, dich wirklich lustvoll, frivol und chic beim Rollenspiel zu amüsieren, haben wir zwar schon mal gebracht – aber „wir machen es noch einmal“ – in Kurzfassung, in einer der nächsten Ausgaben der Liebeszeitung.