Skip to content
Werbung Email:

Sensationsmache mit "zu früher Pubertät"

Die deutsche Bürgerpresse ist heute weitgehend auf dem Niveau des Boulevards gelandet – da werden Sensationen aus dem Hut gezaubert wie die Kaninchen aus dem Zylinder eines angejahrten Zauberkünstlers.

Ja- es ist mal wieder die Pubertät, die offenbar von einer Presseagentur in den Ring geworfen wurde. Die „Mitteldeutsche Zeitung“ ging sogar so weit zu fragen, ob denn die Pubertät „krank oder normal“ sei, wenn sie denn im Alter zwischen acht und zehn Jahren beginnt. Der Kölner Stadt-Anzeiger wollte sogar Neunjährige, die bereist zu pubertieren beginnen, als „Frühstarter“ bezeichnen. Wenig später ist von „besorgten“ Eltern die Rede, die offenbar in heller Aufregung über die Pubertät ab 10 Jahren sind, wörtlich (aus dem Kölner Stadtanzeiger):

Die Anzahl der Eltern in den Gruppen für Eltern pubertierender Jugendlicher, deren Kinder erst zehn, elf oder zwölf Jahre alt sind, ist gestiegen.


Die Antwort auf die Frage, was „früh“ oder „zu früh“ ist, wird hingegen ebenfalls in der Presse (Mitteldeutsche Zeitung) schnell und korrekt gegeben, sodass man sich fragen mag: Ja, und wo liegt denn da das Problem?

Wenn die Mädchen mehr als acht und die Jungen mehr als neun Jahre alt sind, dann ist das eher nicht der Fall, dann ist es in der Regel eine frühe normale Pubertät.


Das jedenfalls sagte der Mediziner Professor Olaf Hiort. Fragt sich, warum man dann die Schreckensmeldung einer „zu frühen Pubertät“ verbreitet. Besser wäre, darauf zu drängen, dass tatsächlich eine umfassende und vorurteilsfreie Sexualaufklärung an Grundschulen durchgeführt wird – was nicht immer der Fall ist.

Naive Eltern - Pubertät "schon" mit 12

Tragen die Schuld an einer mangelhaften, unvollständigen oder gar verfälschenden Sexualaufklärung vielleicht doch die Eltern, die 12-Jährige ansehen, als würden gerade Grimms Märchen vorgelesen? Hier ein weiteres Zitat aus Köln:

Sie sorgen sich über die frühe Ablösung, die verlorene Kindheit, darüber, dass ihre Kinder schon als Kinder sexuelle Erfahrungen machen könnten.


Schön, dass sie sich „um die verlorene Kindheit“ sorgen – besser wäre freilich, sie würden offen mit der Pubertät umgehen und ihre Kinder auf dem Weg ins Erwachsensein begleiten. Und vielleicht hätten Sie doch mal bei Wikipedia vorbeischauen sollen, bevor sie sich sorgen?