Skip to content
Werbung Email:

Männerrat: Sei brav zu Frauen, aber wehe, du bist es

Nahezu alle Ratschläge, die wir Männer für die Partnersuche erhalten, lauten „sei brav, lieb und nett zu Frauen, aber wehe, du bist es.“ Dieses Paradoxon können wir im Grunde nur dadurch überwinden, indem wir uns so festlegen:

Sag, was du fühlst und denkst, und wenn du dabei durch ihr Raster fällst, dann ist es eben so.


Ich garantiere Ihnen: Zu jedem Rat, den Sie als Mann bekommen, gibt es einen gegenteiligen Rat:

- Wenn die Frau eine bestimmte Liebhaberei oder ein Faible für etwas hat, sagen Sie auf keinen Fall, dass sie das Gleiche mögen. Die Frau könnte glauben, sie biedern sich an.
- Gemeinsame Hobbys sind oft die Grundlage dafür, schnell zusammenzukommen. Gehen Sie auf alle Gemeinsamkeiten ein, die Sie vorfinden.
- Stellen Sie sich nie als jungenhaft dar. Die Frau könnte glauben, sie seinen kindlich und wollten eine Mutterfigur.
- Jungenhaftigkeit zeugt von Lebensmut und Lebensfreude. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass so viele Manager aussehen wie zu groß gewordene Jungen?
- Seien Sie sachlich, männlich und bestimmt. Verlieren Sie nicht zu viele Worte. Frauen mögen Männer, die klare Ansagen machen.
- Seien sie kreativ und zeigen Sie, dass Sie Gefühle haben. Frauen mögen keine Männer, die gefühlskalt sind.

Wenn ich ihnen einen Rat geben darf: Fragen Sie sich (und die Autorinnen einschlägiger Bücher und Artikel) doch bitte, auf welchen Erfahrungen oder Tatsachen ihre Meinungen beruhen. Sie werden bald erkennen, wie wenig konkrete Erfahrungen dahinterstehen.


Und auch dies sollte noch bedacht werden: Frauen haben, wie Männer auch, unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse. Und ob die Frau, die Sie treffen, einen hübschen Bubi, einen Partner fürs Leben, einen Vater für ihre Kinder oder einen Macho sucht, der das Bett kräftig zum Wackeln bringt, wissen Sie auch nicht immer vor dem Date.

Und noch ein letzter Gedanke: Die meisten Autorinnen, die Sie mit Ratschlägen traktieren, gehen von einer Frau aus, die hier und jetzt einen Partner sucht. Und die dabei genau weiß, wen sie will und wie und wofür sie ihn benötigt. Sehr realistisch sind solche Annahmen nicht.

Hey, Sie – Sie sind nicht Rotkäppchen

Achtung: Dieser Artikel wendet sich an Erwachsene, die eigentlich wissen sollten, was sie tun, denen aber die Mutter im Hirn ständig Angst bereitet.

Lüsterner, böser Wolf - vom Weg gelocktes Rotkäppchen - so haben wir es in Erinnerung


Ja nicht vom Wege abkommen – wie oft hat dies die ältere Generation gehört. Wehe, wenn jemand sagte:

Ach, du Schöne (oder „du Schöner“),

Sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen?


Mit diesen Sätzen und weiteren folgenden brachten die Grimms einst die „deutsche Romantik“ in das Märchen vom Rotkäppchen ein. Und diese Sätze wurden zu einem Synonym für „Bravheit“, das sich tief in die Hirne der Mägdelein und Knaben einbrannte: „Wenn du vom Weg abkommst, droht dir das Unheil“.

Dabei drohte das Unheil von einer ganz anderen Seite: Nicht das Abkommen vom Weg, sondern die Unwissenheit oder Naivität brachte das Rotkäppchen zu Fall.

Leben beinhaltet Gefahren – aber Risiken können sich auszahlen

Also – wenn Sie mal 25, 30, 35 oder 40 sind, dann steht Ihnen die Rotkäppchenrolle nicht mehr sonderlich gut. Bis spätestens 25 sollten Sie ausgelotet haben, wie groß das Spektrum von Chancen und Risiken ist, die sie eingehen können. Ein weiterer Satz, der hauptsächlich jungen Erwachsenen gegenüber gebraucht wurde, hieß: „Wer sich in die Höhle des Löwen begibt, kommt darin um.“ Na schön, mit Löwen ist nicht gut
Kirschen essen, besonders, wenn man ein Zebra ist. Aber das heißt nicht, dass die „Höhle des Löwen“ immer von Löwen bewohnt wird, und nicht überall in den Häusern der Großmütter trifft man Wölfe an, ebenso wenig, wie alle süßen Zuckerhäuser von Hexen bewohnt werden, die gerne Jungs fressen würden. Es gehört zum Leben des Erwachsenen, sich gewissen Gefahren auszusetzen und sie zu meistern. Dabei kann es sich durchaus auszahlen, Grenzen zu überschreiten und Risiken einzugehen. Sex ist übrigens immer ein Risiko, aber es gibt sehr wenige Menschen, die sich durch das damit verbundene Risiko gänzlich davon abschrecken lassen würden.

Sagen wir es mit einem Satz: Warnmärchen mögen gut oder schlecht sein – aber sie taugen gar nichts für Erwachsene. Sie müssen wirklich vorher wissen, wie weit sie bei Dates gehen wollen und welche Bandbreite erotischer Spiele sie gegebenenfalls wünschen oder zulassen wollen.

Nehmen wir einmal an, Sie würden in den Dschungel gehen. Dann gehen sie nicht barfuß, nackt, naiv, proviantlos und unbewaffnet. Sondern Sie gehen mit Schuhwerk und schützender Kleidung, sind wohlinformiert, tragen einen Rucksack mit Lebens- und Überlebensmitteln und haben wenigstens ein Messer dabei.

Trickverführer sind die eigentlichen Wölfe des Internets

Das Wichtigste bei Dates, auch bei jenen, die auf etwas härtere Lüste abzielen, ist die richtige Vorbereitung: Ausstattung und Rückzugsweg und als besten Schutz das Selbstbewusstsein. Dabei ist die größte Gefahr keinesfalls brutale Gewalt, die sehr, sehr selten vorkommt, sondern die „Umkehr“ der eigenen Wünsche und Bedürfnisse durch fremde Beeinflussung. Die üblichen Tricks männlicher Verführer bestehen darin, das Selbstbewusstsein mit einer Kombination aus Alkohol, körperlichen Näherungen und Psychotricks zu unterwandern. Dazu sind sogar Lehrbücher im freien Handel erhältlich. Dabei wird die Salamitaktik angewendet: Ist die Frau auf eine der Methoden aus Neugierde oder „Nettigkeit“ eingegangen, wird dies als Bereitschaft gewertet, sich „knacken“ zu lassen. Gegen diese Methoden hilft nur Selbstsicherheit, Verzicht auf Alkohol und die klare Linie, was frau will und was nicht. Inwieweit Verführertricks auch „Gewaltanwendungen“ beinhalten, ist umstritten, aber die Brücke ist schmal. Man erkennt Trickverführer daran, dass sie einem „roten Faden“ folgen, um die Frau zum „Umdenken“ zu zwingen.

Gewöhnliche und extreme Sicherheitsvorkehrungen

Gegen die wirklichen „Wölfe“ dieser Welt helfen die bekannten Tipps, sich nur in gut besuchten Cafés, Bistros oder Speisegaststätten zu treffen und ein kleines „Sicherheitspaket“ zu schnüren, das mindestens aus einem Absichtsplan mit Varianten, und einem Rückzugsplan bestehn sollte.

Schutz gegen Übergriffe

Als extreme, aber oft angewendete „Sicherheitsleinen“ gelten Zweit-Handys, besonders solche, die am Körper getragen werden, ferner die Hinterlegung der ersten Adresse, an der das Date stattfand, oder das Tracking. Tracking gilt als fast 100 Prozent sicher, weil der Tracker am Körper getragen werden kann. Allerdings nützt er nichts, wenn Ihre Gewährsperson „am anderen Ende“ unzuverlässig ist.

Die größten Gefahren, auf die Sie nicht vorbereitet sind

Es gibt einige Gefahren, auf die Sie sich nicht vorbereiten können – sie sind sehr selten, sollten aber erwähnt werden:

1. Die Umleitung zu einem anderen Treffpunkt als dem Vereinbarten.
2. Die Anwesenheit merkwürdiger Personen an einem relativ einsamen Treffpunkt.
3. Die spätere Einladung in die „Wohnung eines Freundes“.
4. Der plötzliche Vorschlag, ungewöhnliche Praktiken anzuwenden, mit denen Sie nicht gerechnet haben.
5. Insbesondere für Männer: Eine ungewöhnlich schnelle Bereitschaft, am Zielort Sex zu haben.

Ich will mich in diesem Rahmen nicht zu den Gefahren im Detail äußern, kann aber so viel sagen: Frauen sind häufiger in Gefahr, körperlich genötigt oder verletzt zu werden, während Männer häufiger beraubt oder erpresst werden.

Das Problem der Männer ist dabei zumeist, sich den Frauen „überlegen“ zu fühlen, während sie in Wahrheit jedem Lockvogel verfallen, der ihnen „tollen Sex“ offeriert.

Text im Zitat: Grimm, Gebrüder. Kinder-und Hausmärchen. Das verwendete Bild ist eine Illustration (Ausschnitt) zu einer anderen Rotkäppchen-Ausgabe. (Illustratorin: Jessie Willcox Smith)

Harte Wahrheiten über die Liebe, die Ehe und die Scheidung

Liebesheilraten sind nicht immer von Dauer - doch welche Braut denkt schon darüber nach?
Unsere Gesellschaftsordnung ist auf vieles vorbereitet – außer auf eine Alltäglichkeit: die Scheidung. Sie wird als Versagen gehandelt – und damit völlig überbewertet.

Die Ehe war jahrhundertelang nichts mehr als ökonomische Institution, die auf einem Vertrag basierte. Ein Vertrag zudem, den nicht einmal vom Brautpaar ausgehandelt wurde, sondern auf allgemeingültigen gesellschaftlichen Konventionen sowie Verträgen fußte, die die Väter miteinander ausgehandelt hatten. Die Ehe war dazu angelegt, Wohlstand für das Paar zu bieten und sowohl die Eltern wir auch die Gesellschaftsordnung zu entlasten sowie legale Kinder in die Welt zu bringen, die als Erben infrage kamen. Jede Eheschließung bedeutete eine Tochter weniger, die „durchgefüttert“ werden musste, schon ein „Mädchen mehr, das von der Straße wegkam“ oder dem der Weg ins Kloster erspart wurde. Die Wahrheit war hart, und sie wurde niemals ausgesprochen. Religiöses Geschwätz und Romantikkitsch traten jederzeit an die Stelle der Realität.

Diese Wahrheiten sind auch heute noch hart, weil die „guten alten Zeiten“ restlos verkitscht und verromantisiert dargestellt erden.

Heute heiraten die meisten Menschen in der westlichen Hemisphäre aus etwas, das sie „Liebe“ nennen. Leichtfertig erwarten die Heiratswilligen, dass sie sich lieben werden, „bis dass der Tod euch scheidet“. Kaum irgendjemand fragt sich, was dieser Satz bedeutet. Und kaum jemand wird die Art von Liebe, die er zu seinem Partner zu Anfang empfindet, bis ins hohe Alter aufrechterhalten. Oder, wies es jüngst hieß (Zitat und mehr Informationen):

Wir können uns zwingen, redlich, treu und hingebungsvoll zu sein, aber wir können uns nicht zwingen, zu lieben.


Wobei ich anmerken muss: Die Liebe in der Zeit der wilden Lust aufeinander wird ohnehin ersetzt durch die Liebe, die aus der Gemeinsamkeit entsteht. Überwiegend lieben wir dann die Eigenschaften des Anderen und die Zweisamkeit als solche.

Nichts auf dieser Erde wird einen Menschen daran hindern, erneut und möglicherweise Hals-über-Kopf einer neuen Leidenschaft zu verfallen. Ich empfinde es als schade, wenn’s jemand tut. Aber wir müssen es wohl hinnehmen, weil es menschlich ist. Das, was man heute die „Arschkarte“ nennt, also den emotionalen Schaden, hat immer der Zurückgebliebene. Dieser (oder diese) füllt sich mal schuldig, mal entliebt, mal zornig und mal verzweifelt. Man rät ihm oder ihr, möglichst eine Art Einsiedlerleben zu führen, aber auf keinen Fall einen fremden Menschen näher als auf Armlänge heranzulassen.

Kurz: Der verlassene Partner wird immer noch wie ein Meschuggener behandelt, der erstmal isoliert werden muss- nur zu seinem Besten, versteht sich.

Nein, Scheidungen sind nichts Tolles. Aber sie sind auch nicht der Beweise fehlender Liebe zueinander, und sie sind kein Ausdruck des Versagens. Es wäre wohl an der Zeit, endlich im 21. Jahrhundert anzukommen in unserem Denken – und nicht im emotional wie auch geistig im 19. Jahrhundert zu verharren. Denn das darf ich Ihnen sagen: Es war durch und durch verlogen, was das „Liebesglück“ betraf.

Die Freiheit, soziale Korrektheit zu ignorieren

Gegenwärtig wird versucht, Menschen zu diffamieren, die sich einerseits vehement zur Demokratie bekennen, andererseits auch dem Liberalismus anhängen. Kurz zum Unterschied: Als Demokraten beugen wir uns der Mehrheit, auch wenn die daraus entstehende Politik nicht den eigenen Vorstellungen entspricht.

Weg mit dem "Neusprech"!

Als Liberaler allerdings kämpfe ich für die Freiheit des Geistes und die freie Rede. Und das beinhaltet auch, mich nicht den Sprachterroristen auszuliefern, die ständig „Neusprech“ von uns Autoren fordern. „Neusprech“ ist das Deutsch der „sozialen Korrektheit“, das wir für jene schreiben sollen, die sich allenthalben auf den Schlips oder den Rocksaum getreten fühlen.

Dabei geht’s nicht nur um den Penner, den Mohrenkopf, das Zigeunerschnitzel oder den Eskimokuss, sondern auch um „frauenfreundliche Schreibweisen“. Da darf dann vermutlich nicht einmal mehr gesagt werden, dass die Brüste „recht gut ein Dirndl füllen könnten“, und Henry Miller (1) würde sich biegen und wenden müssen, wenn er die Bettgefährtinnen seiner Helden beschreiben sollte. Denn all jene Begriffe, die Frauen abfällig „auf ihre Geschlechtsteile reduzieren“ müssten verschwinden, da sie unter das feministische Diktat des Sexismus fallen. Wobei „Männer denken mit dem Schwanz“ natürlich nicht betroffen wäre, weil dies nach feministischer Auffassung als Tatsache gilt.

Schlechte Noten wegen Verstoßes gegen den Gender-Terror?

Wenn sich der Meinungsterror der Gutmenschen, Feministinnen und Gender-Ideologen ausgerechnet an der Uni austobt, ist das sein schlechtes Zeichen für die Freiheit. Der Student Sebastian Zidek, der an der TU Berlin studiert, weigerte sich, sogenannte Binnen-Is wie in „StudentInnen“ zu verwenden. Das ist – auch für ganz gewöhnliche Autorinnen und Autoren - eine feministisch motivierte Unsitte, die leider inzwischen bei unseren fragwürdigen „Eliten“ zum guten Ton gehört. Daraufhin wurde ihm bedeutet, dass seine Arbeiten abgewertet würden. Nun, das Gute: Er bekam letztendlich recht und darf nicht dafür abgeurteilt werden, keine „Binnen-Is“ zu benutzen.

Wie unsere angeblichen Eliten sich dem Gender-Terror unterwerfen

Allerdings: wie wollen unsere angeblichen „Eliten“ denn die Freiheit schützen, wenn die meisten von ihnen sich unterwürfig dem feministischen Sprachterror beugen? Und wie würden sie reagieren, wenn die Sprachterroristen noch heftiger zuschlagen würden? Wenn beispielsweise Bücher verbrannt würden, die nicht mehr den Anforderungen der Gender-Fraktion genügen?

(1) Im Deutschen wurden der einschlägige Ausdruck mit „Pritsche“ übersetzt. Inzwischen wird Miller generell dafür angefeindet, ein „fragwürdiges Frauenbild“ zu haben.

Großmutters Selfies – die schwierige Lust am eignen Foto

Das Bild ist wahrscheinlich kein Selbstporträt, zeigt aber die charakteristische starre Haltung, die eine Person annehmen musste
"Großmutters Selfies – die schwierige Lust am eignen Foto" ist ein mehrteiliger Bericht, der noch diverse Ergänzungen verträgt. Auch das dahinter stehende Geheimnis, wer diese Bilder schuf, für wen sie gedacht waren und wie sie letztendlich verloren gegangen sind, bedarf noch einer weiteren Klärung.

Sehen Sie, das sind Sie ja immer wieder, diese Selfies. Und ich meine wirklich nicht diejenigen, die jeden Tag mithilfe dieser eigenartigen Angelruten am Strand von Teneriffa gemacht werden. Sondern diejenigen, die manche Damen heute an ihre Liebhaber schicken. Mal im Abendkleid mit großem Dekolleté, mal im Bikini, mal in der Unterwäsche, dann wieder brustfrei oder auch mit offenem Bademantel und rasierter Muschi.

Wer schon einmal ein paar davon mit der Digitalkamera oder dem Handy erstellt und verschickt hat, wird wissen, dass sie nicht immer gelingen, denn der Badezimmerspiegel reflektiert den Blitz oft so intensiv, dass ganze Bereiche des Bildes im Nebel versinken. Und oftmals ist es das das Gesicht, das sich auf diese Weise in einem hellen Nebel auflöst.

Sittlichkeit und andere Schwierigkeiten

Doch wie war das eigentlich mit dem „fotografischen Selbstporträt“, sei es nun stocksteif und edel oder beschwingt und erotisch? Und wie war die Rolle der Frauen in diesem Zusammenhang? Waren adlige Damen und die Ehefrauen von „Industriekapitänen“ immer brav verhüllt und Bordellbewohnerinnen und Friseurinnen eher in ihrer Unterwäsche zu sehen? Und … was war überhaupt technisch möglich, vom „Sittlichen“ einmal abgesehen?

Die tatsächlichen technischen Hürden sind fast vergessen

Ich darf dazu anmerken, dass in verschiedenen fotografischen Zeitschriften die technische Machbarkeit mit der technischen Verfügbarkeit verwechselt wird. Wenn es also heißt, dass man schon um 1900 ausgezeichnete Gerätschaften besaß, die traumhaft scharfe Fotos in jeder Lage erzeugen konnten, so war dies das „theoretisch Mögliche“, aber nicht einmal das, was sich eine Frau aus dem besseren Bürgertum leisten konnte.

"Gut Licht" war der Fotografengruß - weil das Licht meist mies war

Pseudo-Selfies von Frauen sind seit 1880 in Umlauf
Man muss wissen, dass in der Frühzeit der Fotografie in Innenräumen stets ein Mangel an „verfügbarem“ Licht bestand. Wenn wenig Licht, fragwürdiges Filmmaterial und schlechtes Gerät zusammenkamen, was bei Amateuren fast immer der Fall war, konnten keine brauchbaren Innenaufnahmen erstellt werden. Dem Amateur, auch dem sehr engagierten, standen vom Anfang der Fotografie bis in die 1960er Jahre kaum die Mittel zur Verfügung, um diese Hürden zu überwinden. Einige der Gründe führe ich in diesem Artikel auf, soweit sie gewöhnliche Selbstporträts betrifft oder solche, die der Akt- und Erotikfotografie zugeordnet werden können. Wie auch sonst im Leben erliegen auch heutige Autoren oft der Annahme, dass alles, was technisch möglich war, auch tatsächlich verfügbar war. Die beiden Hauptkomponenten, die für erfolgreiche Fotografien (und damit für erfolgreiche Selfies bei wenig Licht) unerlässlich sind, setzen sich aus dem fotografischen Objektiv und dem Filmmaterial zusammen. Die dritte – und die unsicherste - Komponente war (und ist) das Modell, das im Falle des weiblichen Selbstporträts mit der Fotografin identisch ist.

Sinnlich wirken und stocksteif stehen?

Beginnen wir mal mit dem Modell, und dies zunächst höchst oberflächlich. Die Belichtungszeiten, die man bei dem üblichen Fotogerät bei „vorhandenem Licht“ benötigte, lagen deutlich im Sekundenbereich. Das heißt, die Pose musste über eine relativ lange Zeit ohne Wimpernzucken gehalten werden – und dies trotz aller mit dem Selbstporträt verbundenen Erschwernisse und der Nervosität, die dabei zumeist entsteht. Sieht man sich die meisten Belichtungstabellen jener Zeit an, so findet man gar keine Einträge für Glühlampenlicht, doch kann man in etwa errechnen, dass man Belichtungszeiten (nach Dr. Max Leo) zwischen zwei und zwölf Sekunden einplanen musste. Wer da nicht blinzelt, muss schon eine sehr eiserne Natur habe,

Das Material für Foto-Amateure war ziemlich mies

Die Hauptprobleme lagen damals bei der Lichtstärke der Objektive, der Länge ihrer Brennweiten, der Scharfzeichnung und nicht zuletzt bei dem schlechten Filmmaterial, das durch Drogisten-Entwicklung häufig noch verschlechtert wurde. Natürlich war es technisch machbar, schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts scharfzeichnende Objektive mit schnellen Verschlusszeiten zu bauen, die auch in der Werbung gezeigt wurden. Doch das half selbst demjenigen nicht, der (beispielsweise) die teuren Faltkamera Ikonta mit dem Spitzenobjektiv Tessar und einer Lichtstärke von 1:4,5 besaß. Mit dem damaligen Filmmaterial reichte dies auf gar keinen Fall, um in einem durchschnittlichen Innenraum bei Tages- oder Kunstlicht Aufnahmen „aus der Hand“, also mit Verschlusszeiten von 1/25 Sekunde oder kürzer herzustellen. Man kann sich leicht vorstellen, dass sich damit kein Blumentopf gewinnen ließ, wenn es um Selbstporträts, insbesondere aber um Akt- und Erotikfotografie in Innenräumen ging. Ganz generell scheiterte die Verbreitung der Fotografie in Innenräumen (und nicht nur der Porträt-, Akt- und Erotikfotografie) zunächst an folgenden Problemen:


1. Größe und Gewicht. Die ersten Kameras waren großformatig und schwer und benötigten zahlreiche Zubehörteile, die getrennt transportiert werden mussten. Neben den Faltkameras, die lange Zeit die Szene beherrschten, war es vor allem die Kleinbildkamera, die diesem Zustand ein Ende bereitete. Auch die BOX hatte einen Anteil daran, konnte aber bei Innenaufnahmen nicht mithalten.
2. Die Konstruktion der Objektive. Gute Objektive waren zu Anfang rar. Selbst das legendäre Zeiss Tessar kam erst nach mehreren Neuberechnungen zu seinem ausgezeichneten Ruf. Die meisten Allgebrauchs-Kameras aber besaßen kein solches Objektiv, sondern Konstruktionen mit einer, zwei oder drei Linsen. Offen gesagt: Die Qualität war zumeist mies, sogar beim Abblenden. Noch in den 1960er Jahren wurden Kleinbildkameras mit erbärmlich schlechten dreilinsigen Objektiven verkauft.
3. Die Lichtstärke. Wie bereits erwähnt, waren gute Objektive unglaublich teuer, und Öffnungen von 1: 6,3 waren auch in den „modernen“ Rollfilmkameras noch äußert üblich – damit konnte man keine brauchbaren Innenaufnahmen herstellen. Die BOX, sozusagen die Volkskamera, hatte gar nur eine Lichtstärke von 1 : 11. Zum Vergleich: Heutige Spitzenkameras haben eine Lichtstärke von 1: 1,4 und weniger.
4. Der Verschluss. Die ersten Kameras hatten gar keine Verschlüsse: Man nahm den Objektivdeckel ab, belichtete nach der Taschenuhr oder durch Sekunden zählen. Dann kam der Deckel wieder drauf. Erst die modernen Lamellen- oder Schlitzverschlüsse machten dem ein Ende. Es heißt aber noch lange nicht, dass jede Kamera eine verstellbare Verschluss-Zeit hatte. Box-Kameras hatten nur eine, und die war viel zu lang, um immer und überall scharfe Bilder zu bekommen.
5. Der Sucher. Besonders bei Klapp-und Boxkameras lag der Sucher hart an der Grenze zur Unbrauchbarkeit. Helle optische Sucher waren nur in die „besseren“ und relativ teuren Kameras integriert, Spiegelreflexkameras waren so gut wie unerschwinglich,
6. Das Filmmaterial. Zuerst gab es gar keine Filme, sondern nur Glasplatten, die nach jedem Bild gewechselt werden mussten. Als es Filme gab, waren sie nicht ausreichend empfindlich, und sie verfälschten trotz des Versprechens, „panchromatisch“ zu sein, die Hauttöne. Sogenannte „hochempfindliche“ Filme waren zunächst noch schlechter – gerade sie hätte man aber für Porträt- und Aktaufnahmen benötigt. Die Qualität deutscher Amateur-Produkte ließ ohnehin oft zu wünschen übrig – flaue Bilder mit Grau-in-grau-Tönen waren oftmals typisch für die Kombination der damals üblichen Filme, der Entwicklungskunst der Drogisten und der Objektive. (1)
7. Das Entwickeln, Vergrößern und Kopieren. Zu Anfang tat der Fotograf dies noch selbst, doch im aufkommenden Amateurgeschäft durch Rollfilme und Kleinbildfilme wurden Drogisten die Ansprechpartner für Fotografen. Dabei wurde zugleich auch eine Sittlichkeitshürde eingeführt. Niemand dufte wagen, „anzügliche“ Fotos beim Drogisten entwickeln zu lassen.
8. Die Belichtungsmessung. Sie war - schlicht gesagt – eine Katastrophe. Die üblichen Belichtungsmesser versagten den Dienst schon bei Schmuddelwetter, und im Innenbereich funktionierten die meisten gar nicht. Man schätze die Belichtungszeit oder benutzte Tabellen – mit sehr wechselndem Erfolg, jedenfalls beim Fotoamateur. Diesmal lag’s an der Technik, die nur zögerlich weiterentwickelt wurde.
9. Die Entfernung. Heute geht man wie selbstverständlich davon aus, dass eine Kamera die Entfernung misst. Früher brauchte man dazu entweder sündhaft teure Entfernungsmesser oder ein Zentimetermaß. Falls sich die Entfernung überhaupt einstellen ließ.
10. Und für „Selfies“: der Auslöser. Selbst gute Kameras verfügten nicht über „Selbstauslöser“, die separat erworben werden mussten und sich nicht immer eigneten. Fernauslöser gab es zwar, sie stellen aber eine weitere Herausforderung dar, weil sie nicht sichtbar sein duften und auch nicht gerade billig waren. Selbst bei den teuersten Kameras wurde der Film nicht „automatisch“ transportiert, sondern musste von Bild zu Bild fortgeschaltet (weitergedreht) werden. Also musste man beim Selbstporträt immer wieder zur Kamera zurücklaufen und „weiterdrehen“, dann erneut die Pose einnehmen und kontrollieren … und so weiter.

Dies ist der erste Teil von bislang drei Teilen der Geschichte der "Selfies".

(1) Selbst-Entwicklung mit Spezialentwicklern und die Verwendung englische Filme waren die Lösung für viele Amateure. /em>