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Wollen wir über Liebe reden?

Über Liebe sprechen ... oder lieber gleich von der Liebe heimgesucht werden?
Über kaum etwas wird so viel geredet wie über die Liebe. Geschwätzige Frauenmagazine, so manches Blog über „Beziehungen“ – und dazu jede Menge pseudo-wissenschaftliche Berichte und Stellungnahmen. Und weil das Thema so unendlich breitgequatscht werden kann, beteiligen sich alle daran: Philosophen, Psychologen, Urologen und Theologen. Neuerdings – ich gestehe es ein – auch ich, und zwar durchaus vom ökonomischen Standpunkt aus. Und dies – auch das muss ich gestehen – ist der absolut schlimmste Standpunkt, den Sie in Deutschland einnehmen können.

Er ist so schlimm, weil er nicht „edel“ genug ist. Denn die Standard-Definitionen über die Liebe haben Philosophen, Psychologen und Theologen gepachtet. Das allgemeine Credo: Die Liebe verschwindet und wir sollen darüber weinen.

Ach, die Liebe schwindet ... wirklich?

Mal schwindet die Liebe als Folge des Kapitalismus, mal als Ursache der Verweltlichung, mal wegen der Ausbreitung der Pornografie. Das einzige Problem dabei ist leider: Liebe ist ein merkwürdiges Gefühl, das keinen festen Regeln folgt. Und weil Meinungen und Annahmen der Feind der Fakten sind, wird zunächst immer erst behauptet: „Liebe ist ..“ Die Antwort ist so beliebig wie jeder Kitschschlager, und kaum ein Wissenschaftler hätte je eine bessere Formulierung dafür gefunden wie der Schlagertext: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel.“

Alles gesagt mit dem Satz? Ja, was die Beliebigkeit betrifft. Nein, was das Gefühl selbst betrifft. Ich zitiere mal einige ziemlich aufeinanderfolgende Überschriften eines Blogs:

- Weil du die Liebe meines Lebens bist.
- Wiedersehen mit der ersten Liebe.
- Was geschieht, wenn man sich Liebe verdienen will?

Ja, ja … die Liebe. Kummer und Kitsch, Spiel und Spaß, Erregung und Frust. Und alles, alles, ist Meinungssache. Können wir nun wirklich nichts über die Liebe aussagen?

Was Liebe sein könnte

Na klar können wir. Dazu müssen wir erst einmal trennen:

- Liebe als Sozialkitt, zum Beispiel die Nächstenliebe.
- Liebe als „unbestimmtes Gefühl“, typisch für junge Leute.
- Liebe als verklärendes Wort für den Liebesrausch.
- Liebe als reine Begierde oder Wollust. („Sex“)
- Liebe als Kitschbegriff in Schlagern.
- Liebe als gewachsener innerer Zusammenhalt unter Paaren.

Bedeutet Liebe denn gar nichts Bestimmtes? Mit der Wortherkunft kommen wir sowieso nicht weiter – das Wort ist einem Wandel unterworfen, und dies bereit seit einigen Hundert Jahren. Also wer hilft uns?

Im Grunde genommen helfen uns die Grundlagen der Säugetiere, denn Liebe folgt nur zwei Gesetzen: Der Lust und dem Zusammenhalt, und sie konkurriert dabei mit sich selbst zwischen zwei Extremen. Einmal der lebenslangen, exklusiven Bindung an Gruppen oder Personen und dann dem flatterhaften Herumvögeln. Dazwischen liegt alles, was das Leben ausmacht, beschwingt oder erschwert. Die beiden Formen der Liebe sind eigentlich zwei verschieden gesteuerte Regungen, die beide natürlich sind und die das Überleben sichern. Entsprechend treten sie mal getrennt auf, ohne zu konkurrieren und dann wieder in scharfer Konkurrenz zueinander.

Deutsche Leitkultur? Nicht einmal eine Liebeskultur ...

Wenn wir eine „Liebeskultur“ definieren wollen, dann geraten wir sogleich in die Sackgasse: Unsere Kirchen verlangen „eigentlich“ die Enthaltsamkeit vor der Ehe, die Katholiken sehen die Ehe sogar als Sakrament an. Die allgemeine Bürgerkultur, von extrem rechts bis scharf links, trägt die „Wohlanständigkeit“ weiter: „Mach, was du willst, aber fall bitte nicht auf bei dem, was du tust.“ Mit anderen Worten: Wir lügen uns eine Liebesordnung in die Tasche. Wir wuseln uns so durchs Leben und nehmen die Liebe, wie sie kommt. Wenn es zum Konflikt kommt, wählen wir mal die Treue, mal die lustvolle Versuchung.

Und dann wollen Sie mir oder ich Ihnen sagen, was Liebe ist?

Nun ja – wir könnten es dennoch versuchen, nicht wahr? Denn außer den üblichen dummen Schwätzern und verbohrten Ideologen haben sich relativ viele Menschen „übergreifende“ Gedanken gemacht, was Liebe für uns Menschen bedeutet. Nein, ich werde nicht nur von der Ökonomie der Liebe schreiben. Doch zuvor:

Sagen Sie doch bitte mal – was meinen eigentlich Sie?

Bild: Auszug aus einer Illustration zu "Les Chansons Erotiques"