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Der Telefonsex der 1950er Jahre

Der Männertraum: "schmutzige" Worte am Telefon

Natürlich gab es ihn, den Telefonsex, lange, bevor es Sex-Hotlines, Senderinnen und Sekundentakte gab. Ja, tatsächlich waren solche Kontakte sogar möglich, bevor es Kreditkarten gab – bezahlt wurde bar oder per Scheck im Voraus auf Vertrauensbasis. Dabei ging es sehr diskret zu, denn keine der Damen hatte das Bedürfnis, ihre Telefon-Nummer öffentlich preiszugeben. Selbst in der heutigen Zeit, so wurde uns berichtet, gäbe s noch Damen, die diese Form des erotischen Telefonierens privat ausüben – meist an den Betreibern vorbei, für die sie arbeiten.

Natürlich ist das gezeigte Bild (oben) nicht echt – es erfüllt eher eine Männerfantasie. Vielleicht ist es die gleiche Art von Fantasie, die lüsternen Männer vorschwebte, wenn sie die alten, bildlosen Sex-Hotlines anriefen, um sich mit einer Frau „schmutzig“ unterhalten zu können. Nicht zu vergessen: In Frankreich gab es Minitel, dessen Dienst „3615 Ulla“ zwar rein textbasiert war, der aber zahllose sinnliche Chats ermöglichte.

Es musste nicht immer "Ulla" sein - 3615 reichte
Weitaus interessantere kommerzielle erotische Chats brachte erst das Internet. Dabei setzten die Betreiber zahlreiche Animateurinnen ein, um die lüsternen Männer zu bedienen, die dort nach erotischen Gesprächen lechzten. Doch schon bald zeiget sich, dass es zwar wenige, aber ebenso neugierig-lüsterne Frauen gab, die in der Anonymität ihre Lust an „verfänglichen“ Themen entdeckten. Nach einiger Zeit (Frauen entdeckten das Internet später als Männer) gab es dann auch nicht-kommerzielle Chats, in denen die Teilnehmerinnen sich freizügig äußerten.


Rumänien versorgt der Rest der Welt mit Cam-Girls

Vergleichsweise brav: Cam-Girl auf dem Bildschirm, um Kunden anzulocken
Sprachkenntnisse sind wichtig – und weil das so ist, habe viele der sogenannten „Cam-Girls“ (Senderinnen) eine gute Ausbildung, und teils sogar einen Universitätsabschluss. Mit dem allerdings können sie oft wenig erreichen in einem Land, in dem das Netto-Durchschnittseinkommen pro Monat etwas unter 500 Euro liegt. Cam-Girls, die privat arbeiten und feste Kunden haben, verdienen diese Summe in ein paar Tagen – und Einkommen von über 4.000 Euro sind durchaus möglich. Das ist in Rumänien eine Menge Geld.

Ein paar Zahlen mögen erhellen, wir riesig das globale Geschäft mit den Webcam-Girls ist. Der weltgrößte Betreiber hat zwischen 35 und 40 Millionen Besucher am Tag, und insgesamt (nicht nur in Rumänien) sitzen in jedem beliebigen Moment etwas 2.000 Damen vor den Kameras.

Die Präsentation ist meist eher sexy als aufdringlich


Was muss eine Frau als Cam-Girl tun?

Was müssen die Damen dafür tun? Das Erfolgsrezept ist nicht allein Geilheit vor der Kamera, wie eine der Damen verrät: „Zumeist ist es Konversation, manchmal ein Rollenspiel, und ein kleiner Teil besteht in Nacktheit und Masturbation.“ Doch am wichtigsten sei, einen Mann lange Zeit durch ein Gespräch bei der Stange zu halten, wenn man wirklich etwas verdienen will. Die PR-Managerin weiß es genau:

Du hast ungefähr 10 Minuten, um süß und sexy zu wirken, aber dann musst du ein Thema finden, über das du reden kannst, sonst bleiben die Männer nicht.


Und was fühlen diese Frauen? Geht von der ständigen Präsentation des Körpers vor der Kamera eine Gefahr aus?

Ab hier betritt man verminten Boden. Ist Professionalität ein Mittel gegen die möglicherweise entwürdigende Selbstdarstellung? Oder wird die Psyche geschädigt, möglicherweise sogar unvermeidbar?

Psychische Schäden durch den Cam-Job?

Die Frage, wann und wie die Psyche durch einen Job geschädigt wird, bleibt offen. Wobei sind die Emotionen eher gefährdet? Wenn man täglich zwölf Stunden gegen miese Bezahlung einem Büroberuf nachgeht oder wenn man im Schutz eines Studios vor Publikum masturbiert und dabei vergleichsweise viel Geld verdient?

Eine Antwort wäre: „Du verkaufst nicht deinen Körper, sondern deinen Geist, und ich sehe es als eine Bühnendarstellung“, wie eine der Damen gegenüber der BBC meinte. Doch sie ergänzt: „Aber es ist kein Job für jede Frau … (besonders wenn sie …) die Vorstellung hat, dass sie ihren Körper verkauft.“

Beweise dafür, dass die Beschäftigung als Cam-Girl die Psyche ruiniert, gibt es allerdings nicht – den Gegenbeweis aber auch nicht. Und so bleibt es wohl beim Status quo. Oder eben bei der Behauptung, das „schnelle Geld“ verderbe den Charakter, nicht das Handeln vor der Kamera.

Hinweise: Einige der Zahlen sowie ausgewiesen Zitate wurden der BBC entnommen. Die Darstellungen sind Screen-Shots von einschlägigen Portalen.

Leila, für die eine Nacht erwähle mich …

So recht wusste niemand etwas mit dem Text dieses Tangos anzufangen. Aber man ahnte, dass es sich nicht um eine ganze einfache Liebeserklärung an die schöne Orientalin handelte. Schließlich hauchte der Sänger im Mittelteil „Küsse mich – quäle mich“. Ach, war das schön frivol, nicht wahr?

Letztendlich entsprang dies ganz einfach der Liebeslust und Liebesqual, die man einer „Femme fatale“ zutraute. Dergleichen galt durchaus als romantisch und dabei höchst exklusiv – schließlich musste man sich eine „Femme fatale“ leisten können. Denn vergessen wir nicht: Diese Damen galten damals als lustvolle Verderbnis.

Ist das alles überhaupt Liebe, worüber wir schreiben?

Manche freut’s, manche stört’s – wenn wir über die spröde Liebe reden, über die Facetten, die Abweichungen vom Mainstream oder die Lust am Ungewöhnlichen.

Süße Romantik und machbare Verfürhrungen

Was wirklich interessant ist an der Liebe, ist einerseits die Romantik. Sie ist eine Illusion, eine „fromme Lüge“, die wir sehr gerne für wahr halten würden. Und in der Tat glauben ja viele Menschen, sei sei für sie persönlich wahr geworden. Lassen wir sie bitte in dem Glauben. Die Kehrseite: Romantik ist machbar. Sie kann arrangiert werden, denn die Essenzen, die man dazu benötigt, sind alle bekannt und sie lassen sich fast beliebig zusammenmixen. Aufmerksamkeit, Interesse, offenkundige, meist überschwängliche Zärtlichkeit und glaubwürdige Liebesbeteuerungen, zunächst verhaltene, aber spürbare Begierde – das erwartet die Prinzessin. Na schön, meist ist sie mitten in der Verführung schon ein bisschen angeduselt, aber auch das gehört zur romantischen Verführung.

Ach, die ersten Male - nicht so sehr für uns?

Etwas anderes, das viele jüngere Menschen bewegt, sind die vielen „ersten Male“- vom ersten Zungenkuss über das erste Entkleiden vor dem Partner bis hin zum ersten PiV-Kontakt oder zum ersten Experiment mit SM-Praktiken. Das überlassen wir in der Regel anderen Magazinen und Jugendzeitschriften.

Rafinessen und Gewürze in Massen?

Interessant sind freilich die Raffinessen – den Zungenkuss zu genießen und bewusst zur Verführung einzusetzen, beispielsweise. Die Gewissensfrage, ob man ihn von einer Frau oder einem Mann lernt. Der Einsatz von Kleidung und Dessous, um Männern zu verführen oder „bei der Stange zu halten“. Neuerdings lesen wie viel über falsche Vorstellungen – da wird Sex nicht als Lust, sondern als Wundertüte zum Aussuchen gesehen – was schon mal ganz schlecht ist.

Exotische Blüten der Lust

Aber – auch exotische Blüten werden in Foren oft abgefragt. Sinnliche Fantasien, beispielsweise. Den Menschen, die darüber diskutieren, merkt man an: Sie wünschen sich schon, dass die Lust über den Tellerrand schwappt, aber sie trauen sich nicht, ihren „Nächsten“ um die Erfüllung zu bitten.

Merkwürdige Lüste, echte Probleme?

Ja – und da ergibt sich natürlich auch für uns die Frage: Machen wir so weiter? Interessiert eine intakte Prostata, die auf die bekannte Art stimuliert, wird mehr als eine, in die nie von einem zarten Frauenfinger berührt wurde? Oder interessiert sie erst, wenn sie futsch ist?

Was ist mit Küssen und Qualen? Wir haben noch wenig über das Wechselspiel berichtet, das manche Frauen und Männer mögen. Oder Kitzeln und Liebkosen, wenn es denn „Vanille“ sein soll.

Das ganz Nomale - nicht so normal?

Ganz generell gesprochen: Es gibt viele Themenkreise, die sich um das „ganz Normale“ drehen – von der Verführung über die Kleidung bis zum Einsatz von Lippen, Zunge und Hand. Allein über das Thema „was trage ich drunter, und wie ziehe ich mich aus“, könnte man Bände schreiben. Das Thema ist ja gerade höchst aktuell: Was trägt frau unter dem Sommerkleid? Wie kurz darf der Rock sein? Dürfen die BH-Bügel sichtbar sein, vor allem, wenn sie mit der Haut kontrastieren? Und nach wie vor geht die Diskussion um Schamhaare, Cunnilingus und „Fingern“.

Ganz zu schweigen von allem anderen – und von dem, was Männer sich heimlich wünschen. Dem wäre noch ein besonderes Kapitel zu widmen, denn bevor ein Mann den Mund aufmacht und seine geheimsten Wünsche preisgibt – na ja, da geht eher ein Kamel durch ein Nadelöhr. Oder der Mann ins Bordell.

Was meint denn ihr nun eigentlich? Ihr seid ja die Leserinnen und Leser, oder?

Unmoralisch und unethisch – keine gesunden Gefühle

Unethisch oder auch „unmoralisch“ sind Wörter, die wir oft benutzen, die aber keine präzise Bedeutung haben. Etwas ist „unethisch“, wenn es nicht den herrschenden Begriffen der Ethik oder der Moral entspricht – und das bedeutet: Diese Begriffe müssten festgeschrieben sein.

Sind sie es?

Nach einer populären Definition ist ethisch, was den sittlichen Normen entspricht, auf denen verantwortungsbewusstes Handeln fußt. Der Satz an sich ist mehrdeutig: Sind es die sittlichen Nomen, die verantwortungsbewusstes Handeln bestimmen, oder ist es das verantwortliche Handeln, das die sittlichen Normen begründet?

Wenn wir uns einmal davon befreien, was ist dann noch ethisch gut und richtig? Wie sollten wir sein, und wie sollten wir handeln? Betrachten wir hier nur die sexuelle Moral - da haben wir genug zu diskutieren.

Wer bestimmt eigentlich die sexuelle Moral?

Im Bereich der sexuellen Moral gibt es Regeln, die zum Teil auf Gesetzbüchern, teils auf pragmatischen Regeln und teils auf Religionen und Ideologien beruhen.

Außer dem Gesetztbuch, das für alle verbindlich ist, gelten also auch „ungeschriebene Gesetze“, die von Religionen, Meinungen, Ideologien und nicht zuletzt vom Zeitgeist beeinflusst werden. Genau genommen haben wir keine einheitliche „sittliche Norm“, sondern viele sittliche Vorstellungen, die für manche eine feste Norm, für ander eine Empfehlung und für wieder andere nur Schall und Rauch sind.

Wie leben wir denn nun sinnlich, erotisch oder sexuell zusammen, wenn die Normen so vielfältig interpretierbar sind?

Was gesund ist, ist zumeist auch moralisch

Ich habe dazu einen Vorschlag: Neben dem Gesetz, das wir alle achten müssen, könnten wir einen neuen Begriff einführen: Das, was uns gut tut. Dabei würde uns eine Definition von Gesundheit helfen, die besagt, dass wir uns darum bemühen sollten, ein vollständiges körperliches, emotionales und soziales Wohlbefinden anzustreben – man könnte das geistige Wohlbefinden noch ergänzen.

Wenn wir auf diese Weise „gut zu uns“ und „gut zu andren“ sind, sollte eigentlich bereits umrissen sein, was „moralisch“ ist. Auf diese Weise würden wir zu andren Sichtweisen kommen: Wenn Grete heute mit Hans und morgen mit Jakob schläft, alle verhüten und am Ende sowohl Grete wie auch Hans und Jakob sehr zufrieden damit sind, dann ist das moralisch. Unmoralisch wäre, wenn die Grete dem Hans verspricht, ihr einziger Liebhaber zu sein, weil sie damit die soziale Komponente der Moral verfehlt. Das Gleiche gilt auch, wenn die Grete heute mit dem Hans und morgen mit der Monika schläft.

Fluchten, Ausreden und Zweifel

Beim Sex neigen wir dazu, kleine Fluchten zu wagen: Es ist zwar gegen die Norm, etwas zu tun, aber wir tun es dennoch, weil es uns Lust bereitet. Und falls wir es nicht allen tun können, müssen wir uns jemanden suchen, der uns diese Lust bereiten kann. Das ist der Grund, warum manche Männer entgegen ihrer Überzeugung ins Bordell oder ins Domina-Studio gehen: Dort finden sie die Lust, die ihnen anderwärts vorenthalten wird. Daraus entstehen, kleine Sünden, Lügen und Selbstzweifel. Diese Männer glauben oft, sich nicht moralisch verhalten zu haben, auch wenn sie niemandem damit geschadet haben. Was tief in ihnen sitzt, ist die Scham, dergleichen benötigt zu haben. Eigentlich ist diese Scham absurd: Wäre das, was diesem Mann Lust bereitet, stets verfügbar, müsste er nicht abweichen. So wird die Abweichung vom „Pfad der Tugend“ zum eigentlichen Problem, nicht die Erfüllung der Lust.

Die meisten Menschen denken nicht, dass alles, was ihnen gut tut, auch gut ist. Und sie ziehen ihre Moral in Zweifel, weil sie ein rares Gut begehrten und sie es nicht „freizügig“ bekamen: die vollständige, lustvolle Befriedigung. Es ist eine Schleife ohne Ende: Man begehrt Lüste, und allein das Begehren löst Zweifel aus. Erfüllt man sie sich, so lösen die Umstände Zweifel aus. Gesund ist das nicht – und warum sollte es dann moralisch sein?