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Grundlagenforschung in Sachen Liebe? Geht’s noch?

Die WELT hat ein Thema aufgegriffen, das eigentlich keines ist: Christian Thiel hat – wie üblich in der Welt unter vielfachen Titeln – dort einen Artikel geschrieben, der etwas reißerisch als „Alles wird, erforscht, nur die Liebe nicht“ vermarktet wird. Nächster Titel: „Wissen ist in der Liebe eine ungeheure Macht“. Weiter heißt es:

Astrophysiker dringen in jeden Winkel des Weltalls vor - aber die Partnerschaft ist, trotz diverser Erhebungen, noch seltsam unerklärt. Wieso eine fundierte Grundlagenforschung in Sachen Liebe weiterhelfen würde, erklärt Paarberater Christian Thiel.


Nun könnte Herr Thiel wissen, dass über die Liebe wahrlich gründlich geforscht wurde. Und es sind wahrhaftig Ergebnisse dabei herausgekommen. Sie sind wissenschaftsabhängig und kulturabhängig durchaus ernst zu nehmen - aber sie sind dennoch nicht als Facetten, weil Wissenschaftler nur Facetten über die Liebe erfassen können. Unabhängig von meiner Meinung sind diese 100 Stellungnahmen sicherlich ausreichend, um jedermann einen Überblick über den Stand der Forschung im Bereich der Liebe zu ermöglichen. ("The Wolrd Book of Love" Köln 2013)

Für mich ist immer wieder erstaunlich, dass Paarberater, Psychologen oder andere Berufsgruppen glauben, die Liebe „grundlegend“ enträtseln zu können, die ja stets zwischen zwei Personen abspielt, die sehr selten (außer bei Paarberatern) das Fenster zu ihrer Liebe öffnen.

Wie sollen bitte „Forscher“ das komplizierte Geflecht von Denken, Fühlen, interpersonellen Prozessen, Begleitumständen und Redundanzen entflechten? Und wer hat sie dazu überhaupt ermächtigt? Natürlich dürfen Wissenschaftler an der Liebe forschen – aber sie dürfen sie nicht für die Liebenden definieren. Das wäre ein unzulässiger Übergriff auf die Definition des Menschseins, denn jeder hat die Freiheit, sich selbst und seine Liebe zu definieren, wie er mag.

Grundlagenforschung in Sachen Liebe? Ach, Herr Thiel. Hätten Sie’s nicht ein paar Nummern kleiner?

Zitat und Zitate der Überschriften und Erläuterungen aus: DIE WELT (ICON).

Mann, werde empfindsamer, aber wehe, du tust es

Manche Frauen scheinen Spezialisten für Doppelbindungen zu sein. Sie tun es offenbar als Mütter, Ehefrauen und als Übermütter. Dann heißt es vielleicht so (Zitat):

Aber andererseits hat diese Männerbewegung auch etwas unglaublich Weinerliches an sich. Wenn ein Mann etwa als Einzelner von einer dominanten Frau unterdrückt wird, oder das so empfindet, heißt das nur, dass es auch dominante Frauen gibt – aber nicht, dass es gesellschaftlich relevant ist.


So spricht Erica Fischer, Jahrgang 1943. Nun gefällt auch mir nicht, wenn sich Männer über die psychische Gewalt aufregen, die von Frauen ausgeht. Sie sollten sich einfach von Frauen dieser Art fernhalten oder ihnen entkommen, solange es ihnen möglich ist. Aber immerhin haben diese Männer ein tiefes emotionales Empfinden für die missliche Lage, in der sie sind. Das heißt, sie sagen nicht einfach: „Schweißweiber“.

Was wäre, wenn ich schreiben würde: „Diese Frauenbewegung hat auch etwas unglaublich Weinerliches an sich?“ Oder aber dass die „feministische Bewegung etwas unglaublich Überhebliches in sich trägt?“ Oder „Es gibt inzwischen eine weibliche Dominanz, aber sie ist nicht relevant?

Konklusion

Möglicherweise ist es so: Frauen und Männer wollen gelegentlich die Verantwortung für sich selbst und ihre Misere abschieben – und dann sind sie eben störrisch, ungerecht und bisweilen auch weinerlich.

Und um auf die Doppelbindung zurückzukommen: An zwei gegensätzliche Eigenschaften (etwa Macht und Sinnlichkeit) gebunden zu sein, ist ziemlich normal. Das Widerwärtige ist, solche Bindungen zu verlangen: „Handele wie ein richtiger Mann, aber bitte mit femininem Einfühlungsvermögen.“

Der ideale unterwürfige Mann?

Wer ist der ideale unterwürfige Mann? Manchmal muss ich lachen: und immer öfter dann, wenn mehr oder weniger professionelle Ladys, die keine sind, ihren Beruf loben, der eigentlich keiner ist: die Dominatrix.

Und ja, diese Dame hat Ansprüche an den Mann, der sich bitte zur Unterwerfung anbieten soll. Zum Beispiel diese. Er sollte …:

- ... einen guten, festen Job haben.
- … ausgezeichnet auftreten, sei es bei einer Anfrage oder persönlich.
- … einwandfreie Rechtschreibung beherrschen.
- … Bezahlung anbieten, ohne dass die Dame danach fragt.
- … auf keinen Fall notgeil sein.
- … gut gekleidet sein.
- … Ein gutes Benehmen an den Tag legen.
- … weder Ehefrauen noch Kinder haben.

Das Bild dieser Dame zeigt eine eher scheue, unsichere Person, die aber nach Eigenangaben schon manches in der Erotik-Unterhaltungsbranche versucht hatte.

Der „Forderungskatalog“ sieht in meinen Augen ähnlich aus wie beim Online-Dating, wenn ich mal von „Bezahlung anbieten“ absehe.

Ist das wirklich der ideale unterwürfige Mann? Ich habe Gründe, es nicht anzunehmen. Er ist vielleicht ein nützlicher, unterwürfiger Idiot.