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Das Badewassers schöner Frauen schlürfen

Badende aus einer Zeit, in der Bäder noch nicht selbstverständlich waren
Eine Frau nackt im Bad zu sehen war der Höhepunkt der Sehnsüchte der Männer des 19. Jahrhunderts. Und im 20. Jahrhundert wurde daraus eine Parodie auf inzwischen bekannt gewordenen Vorstellungen lüsterner Herren, die angeblich „alles“ taten, um schönen Frauen zu gefallen. Am bekanntesten dürfte der Text von „Badewasser“ sein, vormals besser bekannt als „Whispering“:

Lass mich dein Badewasser schlürfen,
einmal dich abfrottieren dürfen,
und deine Oberweite messen
und alle andern Frau'n vergessen, vergessen,
lass mich dich einmal nur massieren
und deine Rippen dabei spüren,
für einen Kuss auf deine
Sohlen möcht ich dein Pantoffel sein!


Die Sache mit dem Pantoffel soll angeblich viele Männer faszinieren, die Frauen lieber von der Sohle bis zum Scheitel lieben wollen als umgekehrt. Aber wer würde Badewasser schlürfen wollen?

Offenbar gibt es Kundschaft dafür. Sie wollen das Wasser, das zuvor die weibliche Haut umspült hat, offenbar wirklich kaufen – für 43 USD per Glas. Hoffen wir mal, dass dieses Wasser nicht zu viel Rückstände vom Schaumbad enthält.

Bild: Seifenwerbung, 19. Jahrhundert

Das Wichtigste an der Liebe

Sehr plakativ, aber dennoch beliebt: die Botschaft auf dem Lebkuchenherz
Heute wende ich mich einmal an jene, die sich – in jungen oder fortgeschrittenen Jahren – unsicher sind, wie sie mit der Liebe umgehen sollen.

Die Kernfrage lautet: Was ist wirklich wichtig an der Liebe? Was ist Beiwerk, was Flitterkram – und was ist ganz offenkundig erlogen? Ich beginne mit einer Grundlage, die absolut unerlässlich ist. Aber dazu muss ich erst einmal etwas erklären. Mehr kann man auch in meinem Blog über "Liebe und Beziehungen" nachlesen.

Die Liebe aus deiner Sichtweise

Zunächst ist es die Tatsache, dass du den Kern der Liebe, also das Gefühl, das du beim Lieben hast, nur aus deiner eigenen Sicht kennst. Jeder andere Mensch fühlt die Liebe anders als du. Jede Frau und jeder Mann. Behauptet wird, dass Frauen untereinander ein besseres Gefühl für das haben, was sie mit „Liebe“ meinen – aber das ist nicht beweisbar. Es könnte allerdings daran liegen, dass Frauen sich mehr Mühe geben, ihre Gefühle zu verdeutlichen.

Die künstlichen Gefühle aus Minnesang und Kitschromanen

Minnesänger in der Verkleidung eines Händlers
Weil wir in Wahrheit bei der Liebe so gut wie gar nichts über die Gefühle anderer wissen, wird versucht, uns solche Gefühle vorzugeben. Ob die Minnesänger, die Gartenlauben-Literatur, der moderne Kitschroman oder der Schlager: Alle versuchen, uns Modell der Liebe zu verkaufen, die auf der Vermutung aufbauen, alle Menschen würden die gleiche Gefühlsuniform tragen. Nur sehr selten werden wir darauf hingewiesen, dass es sich dabei um Extrakte der Liebe handelt, die zu Illusionen aufgebauscht werden.

Idealisiertes Paar, 19. JH
Bei den Minnesängern wird dies besonders deutlich: Sie himmelten die „Minne“ an, um Edelmut vorzutäuschen, während sie in Wahrheit tricksende Bittsteller an den Bettkanten adliger Dame waren. Auf Täuschung beruhten auch die Grundlage der Gartenlauben-Literatur: Die meisten der bürgerlichen Leserinnen hatten nicht die geringste Chance, jemals eine Liebschaft einzugehen, sondern wurden „unter die Haube gebracht“. Die Literatur diente dazu, eine Illusion aufrechtzuerhalten: die der Liebe aus Neigung. Heute ist die Welt bunter und liberaler – aber dennoch steht die Illusion hoch über der Realität der Liebe.

Die eigene Liebe - die Liebe anderer

Wenn wir einmal festhalten, nichts über die Liebe anderer zu wissen, dann bedeutet dies für die meisten von uns: Wir müssen lernen, dass andere nicht so sind wie wir selbst. Es geht normalerweise darum, die Liebe zu finden, die wir am meisten genießen können und auch darum, das anderen der Genuss unserer Liebe gefällt. Alles, was erheblich davon abweicht, erzeugt „schräge“ Beziehungen. In ihnen liebt beispielsweise eine Frau den Mann erheblich mehr als umgekehrt, was sich im Satz „ich habe so viele Gefühle investiert“ manifestiert. Oder jemand genießt die körperliche Schönheit oder den sozialen Stand des anderen mehr als die Liebe zu ihm (oder ihr).

Das Wichtigst an der Liebe

Das Gleichgewicht der Gefühle oder gar die Harmonie der Gefühle in der Liebe zu empfinden, beruht allerdings wieder auf Gefühlen und nicht auf „belastbaren Tatsachen“, sodass wir darauf angewiesen sind, unseren Gefühlen zu trauen.

Das Vertrauen in die eigenen Gefühle ist deshalb das wichtigste an der Liebe. Leider haben nicht alle Menschen diese wichtige Eigenschaft erlernt und verinnerlicht. Und manche von uns wurden getäuscht oder gar enttäuscht. Zudem kann der Körper unsere Gefühle zeitweilig überlagern, indem er „zu viel des Guten“ an körpereigenen Drogen produziert, die unsere bekannten und vertrauten Gefühle überlagern.

Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen: Das Vertrauen in die eigenen Gefühle ist in der Liebe die bewährteste und zuverlässigste Eigenschaft, um selber zu lieben und Liebe annehmen zu können.

Bild oben:© 2019 by Liebesverlag.de.
Bild Mitte: Minnesänger Dietmar von Aist als fahrender Händler. Aus dem Codex Manesse.
Darunter: Bild aus einer Schrift des späten 19. Jahrhunderts, koloriert.