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Aktive und passive Verführung

Eine Verführerin - Illustration zu einem Roman (1956)
„Verführung“ berührt ein Tabu der deutschen Sprache: Sie hat immer etwas „Anrüchiges“, ja, sie wird teilweise in die Nähe von „Übergriffen“ auf die persönliche Integrität einer anderen Person gewertet.

In vergangenen Jahrhunderten galt die erotische, sinnliche oder sexuelle Verführung vor allem deshalb als frevelhaft, weil der intellektuell und physisch stärkere Mann versuchte, Frauen über seine wahren Absichten zu täuschen. Sowohl Frauen wie auch Männern wurde deshalb geraten, sich nicht in Gefahr zu begeben, sonder die eigenen Triebe zu zügeln.

Das ist, auf heutige Verhältnisse übertragen, über alle Maßen albern. Zwar verführen Frauen anders als Männer. Doch das heißt nicht, dass aktive Verführungen generell aus physischer, intellektueller oder emotionaler Überlegenheit initiiert werden. Vielmehr steht hinter der aktiven Verführung heute die Strategie, eine Person „verliebt zu machen“ oder sie in kurzer Zeit zum Koitus zu bewegen.

Aktive Verführerinnen und Verführer und ihr Dilemma

Aktive Verführerinnen und Verführer versuchen dabei, Lüste zu wecken, die Angesicht der Umstände der Begegnung nicht offenkundig sind. Das bedeutet letztlich, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes die tieferen Schichten der Psyche „anbaggern“ müssen. Dabei mögen Verführerinnen, (jedenfalls bei Männern), auf mehr Bereitschaft treffen als Verführer (jedenfalls bei Frauen). Doch allgemein wir dieser Umstand überschätzt: Frauen verführen ebenso konsequent und gegen anfängliche Widerstände und Bedenken der Partner(innen), wenn sie das Ziel fest im Auge haben. Die aktiven Verführerinnen und Verführer nutzen dabei das Prinzip, das in der Natur und in der Technik große Erfolge hat: die Trennung von Energie (Lust, Begierde) und Steuerung (Beeinflussung von außen). Sie gehen dabei davon aus, dass mit der von ihnen benutzten Steuerung (Kommunikation, Berührungen, Kleidung, Gesten, Atmosphäre) die Energien in der Person freisetzen können, die eine Verführung ausmacht: die Bereitschaft, sexuelle Lust zu schenken und zu empfangen.

Diese Verhaltensweisen mögen moralisch verwerflich sein, aber sie sind relativ stark verbreitet. Auffällig werden sie allerdings besonders im Bereich der Trickverführer (PUAs), der Lockvögel und anderer Personen, denen es allein um den Erfolg geht, den anderen „gebrochen“ zu haben. Im Alltag treffen wir di mildere Form von halbherzig-emotionalen Verführungen auf Partys und Veranstaltungen, besonders aber bei sogenannten „Dates“.

Nun, wir wissen aus eigenen und fremden Erfahrungen, dass man die Sinnlichkeit einer Person nicht steuern kann, wenn sie von sich aus zu wenig sexuelle Energie entwickelt. Selbst die notorischen Trickverführer (PUAs) erfahren heute angesichts selbstbewusster Frauen, dass ihre Methoden nur begrenzte Erfolge haben.

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