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Einwickelpapier für deine Wünsche

Du kannst König für einen Tag sein ...
Ich weiß nicht, ob ihr diesen Schlager kennt. Er gehör zum Repertoire vieler Jazzsängerinnen – die meisten werden ihn aber in der Version von Bing Crosby kennen. Er beruht auf den Texten von Ted Koehler und Billy Moll und wurde 1931 veröffentlicht und fällt damit in den Beginn der „großen Depression“- er heißt „Wrap your troubles in dreams“.

Die Idee dahinter entspricht sehr der heutigen (angeblichen) Krisenzeit: „Wickel deinen Kummer in Wünsche ein und lass deine Sorgen in Träumen verschwinden.“ Und wann immer du das stolze Schloss deiner Träume zusammenfallen siehst – warst du nicht wenigsten für einen Tag der König darin?

Du wirst dir wahrscheinlich jetzt nicht alle deine sinnlichen, emotionalen oder sexuellen Wünsche erfüllen können. Aber du kannst sie hübsch einwickeln, denn der Tag, an dem du sie dir erfüllen kannst (oder an dem jemand sie dir erfüllt) kommt.

Ach ja – und habe das Papier schön auf, in das du sie eingewickelt hast. Es gehört zu dir und deinen Träumen.

Bild: Offenbar eine historische Buchillustration.undatiert

Masken für alle Tage?

Welcher Maske begegne ich heute?
Wie isst oder trinkt jemand eigentlich unter dem Schutz einer Maske? Ich habe es einmal gesehen - bei zwei vollends verschleierten Frauen in einem vornehmen südafrikanischen Restaurant. Es sah nicht eben leicht aus, aber es gelang offensichtlich.

Ja, und bei einer Verabredung? Nimmt man da die Maske ab? Lässt man sie dran? Verlangt man nach einem Strohhalm, um ein Kaltgetränk zu genießen?

Gut, die Masken könnten ein Motto enthalten: „Hier nicht küssen“ - da hätte man ja mal ein Gesprächsthema. (Zur Erinnerung: Viele Tinderellas und andere Y- und Z-Frauen und Männer wissen nicht, was sie bei Dates sagen sollen).

Und wenn wir mal die Krisen-Schutzmaske fortlassen - geht man nach der "Befreiung" mit dem natürlichen Engelsgesicht zum Date? Mit der Maske der Unnahbaren? Sagt man am Ende: „Gehen wir nun in deine virtuelle Realität oder in meine?“ Oder vielleicht gar: „Du, ich mach alles außer atmungsrelevante Kontakte?“

Also - ich könnte noch stundenlang über Masken schreiben - soziale, kulturelle, körperliche, psychische, emotionale und alle anderen.

Die Masken oben stammen übrigens aus der Zeitschrift „Das Magazin“ von 1930.