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Wer gewinnt die Partnerwahl theoretisch?

Ein Herz umhängen reicht kaum
Dieser Text enthält keine Bewertungen er soll nur erläutern, warum ihr möglicherweise "falsche" oder "gar keine" Kandidatinnen anlockt. Die Theorie gilt für Männer und Frauen, und sie ist nicht ausschließlich auf "Speeddating" beschränkt.

Am einfachsten lässt sich die Theorie anhand des Speeddatings erläutern, und zwar dort, wo keine zusätzlichen Maßgaben greifen, im Klartext: Wenn jeder beliebig viele Teilnehmer ankreuzen kann, und keine „Matches“ gebildet werden. Sobald Teilnehmer nur eine begrenzte Anzahl, der jeweils "anderen Seite" ankreuzen dürfen oder Übereinstimmung gewährleistet sein muss, wird die Sache komplizierter.

Annahme eins: Hans hat eine bestimmte Frau erwählt

Nehmen wir an, Hans will unbedingt die Nummer 7 seiner Gesprächspartner wiedersehen. Dann gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Nummer sieben ist die einzige, die überhaupt von einem Teilnehmer erwählt wurde, und kontaktiert Hans sofort.
2. Nummer sieben hat zwar mehrere Kandidaten, sieht Hans aber als die Ideallösung an und kontaktiert nur ihn.
3. Nummer sieben wartet ab, weil zuerst Klaus und Fred auf ihrer Liste stehen. Sie stellt Hans hinten an.
4. Nummer sieben kontaktiert zuerst Hans, nimmt sich aber vor, später auch noch Klaus und Fred zu treffen.
5. Nummer sieben ist überhaupt nicht interessiert.

Annahme zwei: Hans will seien Chancen erweitern und wählt alle Frauen aus

Das zweite Szenario wäre: Hans denkt: Ich kreuze alle Frauen an, die ich getroffen habe, weil die Chance, ein Date zu bekommen, dadurch am größten ist.

Dann gibt es folgende Varianten:

1. Eine der Kandidatinnen wurde ausschließlich von Hans erwählt und kontaktiert ihn sofort.
2. Alle sind begeistert, von Hans erwählt worden zu sein, und kontaktieren ihn sofort.
3. Die anderen haben mehrere Kandidaten, die attraktiver sind als Hans. Hans wird an die letzte Stelle gesetzt.
4. Die anderen haben teilweise mehrere Kandidaten, die sie unterschiedlich bewerten. Eine allerdings glaubt, dass Hans die Ideallösung ist, und trifft ihn sofort.
5. Keine der Kandidatinnen ist an Hans interessiert.

Ihr könnt euch nun selber überlegen, ob ihr „Hans“ sein wollt. Es ist nur ein Gedankenspiel, mehr nicht.

Der Markt, der Sex, der Mangel und die Prostitution

Klischee: die Verführerin im Männertraum
Eine Frage, die kaum noch gestellt wird: Ist die Prostitution nachfrageorientiert? Das heißt, existiert sie, weil es eine Nachfrage nach den Diensten der Sexarbeiterinnen gibt? Oder ist sie angebotsorientiert? Das würde heißen, sie existiert, weil es ein Angebot von Frauen gibt, die darin eine lukrative Erwerbsmöglichkeit sehen. Allein meine Wortwahl könnte viele Heißsporne auf die Palme bringen: „Lukrative Erwerbsmöglichkeit?“. Ich weiß. Aber Geld oder Geldeswert beflügelt Menschen nun einmal, etwas zu tun, was ihnen nicht wirklich „guttut“.

Märkte verschwinden nicht - sie verlagern sich nur

Eine weitere Frage wird ebenfalls nur noch selten gestellt – eigentlich fast nie. Sie lautet: Wenn es durch Verbote oder Strafandrohungen keine Prostitution mehr gibt, bedeutet dies dann auch, dass es keinen Markt mehr gibt?

Auf diese Frage schweigen nahezu alle, die ansonsten sehr beredet über Prostitution sprechen. Die Antwort ist ganz einfach, wird aber nicht gerne gehört: Märkte verschwinden nie, sie verlagern sich nur.

Zurück auf Null - wer bekommt eigentlich Sex, wenn er ihn will?

Ich bin geneigt, die Diskussion auf null zurückzudrehen. Wir unterstellen, dass Männer eine größere sexuelle Begierde haben als Frauen. Auch heute noch, trotz mancher Änderungen, die wir seit den 1980er Jahren beobachten können. Ökonomisch gesehen, bedeutet dies, dass es mehr Nachfrage nach heterosexuellem Sex gibt als Angebote. Der Tauschhandel Sex-gegen-Sex, Sex-gegen-Emotionen oder Sex gegen Versprechen ist beschränkt. Einer der Gründe, warum darüber nicht gesprochen wird, ist die Veredlung sexueller Motive durch Liebe und andere Schönschreibungen sexueller Lust.

Andere Sichtweisen und was Liebe damit zu tun hat

An dieser Stelle muss ich sagen, dass es hierzu sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt. Die Ökonomie ist nur eine, und sie ist deshalb brutal, weil sie Angebot und Nachfrage emotionslos vergleicht. Die Liebe als solche, die Bindung, Vertrauen, Zärtlichkeit und Treue beinhaltet, kennt keinen „Markt“. Doch die Suche nach dem Partner findet immer am Markt statt, ob dies nun jemand akzeptieren mag oder nicht. Das heißt: Auch Ignoranten und Systemkritiker unterliegen den Marktgesetzen.

Wenn wir unterstellen, dass ein großer Teil der Männer (und inzwischen auch viele Frauen) ihr Grundbedürfnis nach Sexualität nicht erfüllen können, weil sie durch die Maschen der Markt-Netze rauschen, dann sollte es für sie Alternativen geben.

Der verfemte Tauschhandel

Das heißt, aber eben auch, dass es etwas geben müsste, was es eigentlich nicht geben sollte: Den Tausch von Sex gegen finanzielle Zuwendungen aller Art. vom fallweisen Bezahlen über das stundenweise Bezahlen bis hin zum „Sponsoring“ oder zur Überlassung eines Appartements.

Es muss nicht wirklich sein? Nein, es muss nicht sein. Wir hören, dass es die „patriarchalische Gesellschaft“ ist, die dergleichen hervorgebracht hat. Wir lesen, dass es in der „indigenen Gesellschaft“ dergleichen nicht gab -dafür aber Zwangsehen, was unverständlicherweise verschwiegen wird.

Müssen Bedürfnisse denn wirklich erfüllt werden?

In Kommunismus, in Utopia und im Schlaraffenland werden jedem alle Bedürfnisse erfüllt. Doch in den Gesellschaftsordnungen, die tatsächlich funktionieren, ist die nicht der Fall. Dieser Umstand gefällt vielen nicht, und sie maulen darüber, weil sie etwas entbehren. Geld, Macht, Sex oder was auch immer. Prostitution ist dabei nur ein Aspekt – und sicher nicht der Wichtigste.

Bild: Bild einer Verführerin aus einem Romanheft von ca. 1950