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Männer und Sperma

Verlockung, Begierde, Enthaltsamkeit
Das Wesen der Männer ist nicht Sperma. Offenkundig sind einige übel gelaunte Keuschheitsbefürworter dieser Meinung - jene, die jetzt „November ohne Nüsse“ („NNN“) feiern. Das Wesen des Mannes ist auch nicht Enthaltsamkeit. Und es wird nicht geheiligt durch den berühmten Plastikwasserhahn, der angeblich Keuschheit gewährleisten soll.

Wirrköpfe, Begierden und Wahrheiten

Mag sein, dass die Begierde, der Schaum vor dem Mund oder der Speichel, der aus den Lefzen läuft, beachtlich zunimmt, wenn der Mann „keine Frau hat“.

Einige Wirrköpfe (und darunter eben auch die Anhänger des „Novembers ohne Nüsse“ überschätzen die positiven Eigenschaften der Enthaltsamkeit. Ja, sie kann interessant sein, wenn Männer (oder auch Frauen) sich wie die Terrier in die Wissenschaft oder eine andere Erkenntnis verbeißen.

Ich zitiere mal eine Mittelalterexpertin, die ich als kompetent ansehe (1).

Wie mittelalterliche Menschen glauben diese Leute, dass das Wesen der Männlichkeit Sperma ist. Sie denken, dass es in ihnen aufbewahrt werden muss, um sich selbst vital, aufmerksam und rational zu halten. (Sie glauben …) wenn Menschen nicht ejakulieren, können sie diese Energie speichern und an anderer Stelle in ihrem Leben ausdrücken.

Nein, das können sie nicht. So interessant Sperma auch sein mag - die Begierde entsteht im Gehirn, nicht in den Hoden. Und ein Mann, der aus ideologischen Gründen oder gar „unter Zwang“ am Sex gehindert wurde, kann, wenn die Begierde durchschlägt, kaum noch zwischen menschlichen Emotionen und animalischer Geilheit unterscheiden.

Brauchen wir notgeile Männer?

Was machen Männer, die „notgeil“ und rücksichtslos sind? Sind sie etwa erstrebenswert? Dient ihr Verhalten der Gesellschaftsordnung? Sind sie überhaupt erwünscht, außer als zahlende Gäste im Bordell (und vielleicht nicht einmal dort)?

Oh, ich rede nicht vom Lockdown, Lockdown Lite oder völligem Kontaktverbot. Aber ich bin ganz sicher, dass es auf Dauer ähnliche Folgen hat wie das voraussichtliche Verhalten jener Männer, die Dezember wieder ihre Nüsse in Frauen entleeren wollen. Irgendwelche Frauen. Hauptsache, Frauen.

Wie schrieb noch die Mittelalter-Expertin? (1):

Die unglücklichere Seite des ganzen Debakels ist die in diesen Ideen enthaltene Frauenfeindlichkeit.

Auf den Kopf getroffen. Die „NNN-Bewegung“ ist eine maskuline Provokation, die sich über die Hoden definiert. Und das ist nicht gut für das Zusammenleben von Frauen und Männern in dieser Gesellschaftsordnung.

(1) Zitate: Dr Eleanor Janega in ihrem Blog.
Bild: Scherzpostkarte, Wien um 1900

Pandemie und Dating: Vorsicht, Sorglosigkeit und Klartext

Virtuell ist alles ein bisschen ... ungewöhnlich
Pandemie und Dating: Vorsicht, Sorglosigkeit und Klartext für Singles. In einem Satz: Nur echte Dates sind tatsächlich Dates, der Rest hat damit wenig zu tun.

Vorsichtig zu sein bei Begegnungen mit Fremden, mit denen es früher oder später mit Sicherheit zu körperlichen Kontakten kommt, war noch nie schlecht. Sorglosigkeit besteht demnach darin, mit beliebigen Partnern ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben.

Partnersuche HIER UND JETZT oder DORT und DANN?

Soweit gelesen? Na schön. Was aber ist von Menschen zu halten, die dennoch HIER und JETZT einen Partner suchen? Sind sie sorgfältiger in der Auswahl ihrer Partner? Führen sie ein Kontakt-Tagebuch? Nutzen sie die Corona-App beim Treffen? Treffen sie sich nur mit Menschen, die garantiert Covid-19 frei sind? Ihr wollt Antworten?

Vorsichtige Näherungen?

Dieser Tag werden Umfragen veröffentlicht. Man hörte von „Gleichklang“ und „Parship“ – beides Online-Dating-Unternehmen, die ihre Namen gerne in positivem Zusammenhang in der Presse lesen.

Uns wird erklärt, die Singles seien nun „vorsichtiger“ und „heilten die Anstandsregeln ein“ (Parship). Das mit der Vorsicht ist selbstverständlich, doch ich bezweifle, ob Paare, die sich für ein Leben miteinander interessieren, die „Abstandsregeln“ einhalten können.

Nur „echte Dates“ sind „echte“ Dates

Wir lesen auch, dass viele Singles auf „echte Dates“ verzichten. (49 Prozent Parship, 61 Prozent Gleichklang). Welchen Sinn „unechte Dates“ haben, mag jeder sich selbst vor Augen führen. Nehmen wir an, dass es weiter Anstandsregeln oder Kontaktbeschränkungen geben sollte, ja, vielleicht sogar Kontaktverbote, so spielt dies vor allem den Online-Dating-Unternehmen in die Hände. Denn je weniger Singles einen „echten“ Partner finden, umso länger bleiben sie „bei der Stange“ und umso mehr neigen sie dazu, ihre Abos zu verlängern.

Verloren im DORT und DANN?

Die Partnersuchenden sind diejenigen, mit einiger Wahrscheinlichkeit bei dieser Konstellation verlieren: Falls wirklich noch mehrere Lockdowns nötig sein sollten und sich die Situation nicht von Sommer 2021 entspannt, verlieren sie über ein Jahr. Da klingt dieser Satz schon wieder etwas eigenartig (Gleichklang,1):

Mehrheitlich werde nach Möglichkeiten der Verlagerung des Dating-Verhaltens auf Kommunikationskanäle ohne körperliche Begegnung gesucht.

Das heißt im Klartext: „Echte“ Begegnungen werden auf lange Sicht nicht für möglich gehalten, stattdessen lässt man sich seitens der Singles auf endlose, meist höchst fragwürdige Dialoge online ein. Ob dies „verantwortungsbewusst“ ist oder eine relativ sinnlose Ersatzhandlung, die den Partnersuchenden nicht „wirklich“ dient?

Das möge jeder selbst entscheiden.

Zahlen: Aus Pressemitteilungen von PARSHIP und GLEICHKLANG.
(1) Zitat aus PRESSNETWORK (Gleichklang).