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  Eigenwerbung

Rollenspiele und Erotik: Die Lust am Leid

Bei den meisten Illustrationen zum Thema steht die Lust im Vordergrund
"Die Lust am Leid" ist der dritte Teil unseres Beitrags über erotische Rollenspiele.

Ich kann hier nur andeuten, worum es hauptsächlich geht, nämlich die Lust am Leid. Ein Thema, bei dem Gleichgesinnte frohlocken und sich das Umfeld der braven Bürger entsetzt oder angeekelt abwendet. Eine der wenigen Betroffenen, die darüber schreiben, sagt uns:

Der Masochismus, den ich meine … ist eine Liebesform, die Grenzen zu sprengen vermag … und er ist … eine ganz besondere Art der Existenz.

Eine Rolle oder mehr als eine Rolle?

Bei den heftigen Spielen, die draus entstehen, geht es also nicht allein um die Rolle, sondern um das „alternative Sein in einem geschützten Raum“. Und in ihm gelten völlig andere Regeln. Nicht diejenigen, die wir „draußen im Alltag“ finden können.

Wie schon gesagt, handelt es sich um Herausforderungen, zum Beispiel:

- Verhöre.
- Beichten unter psychischem Druck.
- Ungewöhnliche psychische Belastungen ertragen.
- Sich extremen körperlichen Belastungen aussetzen.
- Fiktive Krankenhaus- und Psychiatrieszenen.
- Zur Strafe gezüchtigt werden.
- Extreme Herausforderungen („wie viel halte ich aus?“).
- Als „Gegenstand“ behandelt werden.

Geheime Fantasien

Einige dieser Rollenspiele entsprechen durchaus noch den geheimen Wünschen von Frauen und Männern. Der Wunsch, geschlagen oder gar gepeitscht zu werden, kommt in den Sexfantasien von mehr als einem Drittel der Frauen und einem knappen Drittel der Männer vor.

Eher Herausforderungen als „nur“ Rollen

Nachdem dies gesagt ist, mag jeder für sich überprüfen, ob und wie er/sie sich in dieser Lage fühlt. Das Wort „Herausforderung“ sagt ja aus, dass es nicht einfach darum geht, „mal eben eine Rolle zu spielen“. Es ist vielmehr der Wunsch, völlig in der Rolle aufzugehen und alles zu ertragen, was die Rolle erfordert. Jedenfalls, bis ein Codewort den Prozess beendet.

Derartige Spiele kommen in der Realität hauptsächlich bei Paaren und Einzelpersonen vor, die sich ohnehin in extremen Szenerien bewegen. Ein erheblicher Teil wird von bezahlten Spielerinnen (Dominas) ausgeführt. Derartige Szenen sind außerdem Gegenstand zahlloser Romane, von denen einige sogar Weltgeltung erreicht haben. („Weiberherrschaft“, „Venus im Pelz“, „Die Geschichte der ‚O‘“).

Vorurteile über Frauen und Männer

In der Vergangenheit wurde oft behauptet (und bestritten), der Wunsch nach einem masochistischen Rollenspiel existiere bei Frauen gar nicht. Vielmehr würde er von entsprechend sadistisch veranlagten Männern willkürlich hervorgerufen. Nach Jahren der Emanzipation können solche Parolen nicht mehr aufrechterhalten werden. Frauen unterwerfen sich tatsächlich auch dominanten Frauen, manche Männer anderen Männern … und vor allem verlangen immer mehr masochistisch geprägte Männer nach dominanten Frauen.

Zitat: Sina-Aline Geißler, „Lust an der Unterwerfung“, Rastatt 1990.
Bild: Buchillustration, um 1930, Ausschnitt