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  Eigenwerbung

Wechselbad: Sie liebt ihn, sie liebt sie, sie liebt beide

Wen lächelt sie an, was denkt sie?
Wechselbad: Sie liebt ihn, sie liebt sie, sie liebt beide - und woran orientiert sie sich?

Auf die Frage an eine Frau, ob sie sinnliche Gefühle für andere Frauen habe, bekommst du sehr unterschiedliche Antworten. Die neutralste stammt von Germain Greer, die in einem Gespräch sagte (1):

Wie jeder andere Mensch auch, der ein Gefühl für Schönheit hat, spricht mich weibliche Schönheit an … von daher ist es nichts schwer, eine Frau zu lieben, (jedoch) fehlt mir das starke Verlangen danach.

Sind wir wirklich nur "hetero" wenn wir sexuell sind?

Manche von euch werden nun erstaunt aufblicken: Menschen sind doch entweder heterosexuell oder homosexuell – und dies, obgleich die Queer-Bewegung noch viele weitere Varianten kennt. Mühevoll erinnern sich manche, dass es noch die Bisexualität gib, die doppelpolige Sexualität der Grenzgänger. Indessen: So recht beliebt sind sie weder „hüben“ noch „drüben“. Und ob jemand, der angeblich „Bi“ ist, wirkliche eine solche sexuelle Orientierung hat oder nur zwei Begierden in sich vereint? Ein Etikett ist schnell aufgeklebt – das aktuelle Empfinden folgt aber nicht den Etiketten.

Sexuelle Lust ist keine sexuelle Orientierung

Dem Ganzen liegt ein grundlegender Irrtum zugrunde. Wenn Menschen eine eindeutige sexuelle Orientierung haben, dann streben sie nach dem anderen oder dem gleichen Geschlecht und planen möglicherweise ein Zusammenleben mit einem derartigen Partner. Haben sie keine eindeutige sexuelle Orientierung, leben sie mal mit diesem (dieser), mal mit jenem (jener), und egal wie man es nennt: Eindeutig ist diese Form der Sexualität nicht.

Das Interview mit Germain Greer (1) gibt Aufschluss darüber, dass es jenseits der „sexuellen Orientierung“ im Hinblick auf eine „feste Beziehung“ auch noch sexuelle Lüste gibt.

Und sie können solo, mit einem Mann, mit einer Frau oder innerhalb einer Triole ausgelebt werden, ohne dass es dazu einer besonderen Veranlagung bedarf.

Wen geht die "Orientierung" eigentlich etwas an?

Wenn ein solcher Mensch (sei er Frau oder Mann) gefragt wird, ob er heterosexuell ist, wird er sich den Fragesteller ansehen. Die Serviererin in deinem Lieblingslokal wird es nicht wissen wollen, und deine Geschäftspartner, Kunden oder Klienten auch nicht. Im Grunde interessiert es nur jemanden, der Sex mit dir will. Na ja, oder eine Beziehung.

Wer mit jemandem ein Paar aus Frau und Mann bildet, wird sich unter gewöhnlichen sozialen Umständen immer als „heterosexuell“ bezeichnen. Die Gesellschaft wünscht es mittlerweile, dass wir uns alle so benennen, wenn wir in Frau-Mann-Beziehungen leben. Und wenn wir es nicht tun, dann werden wir eben so abgestempelt. Es ist also gleichgültig, ob und wie wir uns irgendwo „eingliedern“.

Habe ich vergessen, Männer zu erwähnen, die an beiden Honigtöpfchen naschen wollen? Nein, vergessen habe ich euch nicht. Ich gestehe aber, dass ich befürchte, damit immer noch ein Tabu zu verletzen.

(1) "Die weibliche Sexualität auf dem Weg zur Befreiung", Interview mit Claudia Dreiyes.
(2) Auch ohne Begierde haben manche Menschen sexuelle Begegnungen miteinander.
Wir berufen uns in diesem Artikel auf das Buch "Straight" von Hanne Blank ( Boston 2012)
Und ihr? Lest mal in "JETZT" und sagt uns, was ihr dann zum zum Thema sagt.
Bild: "Der Moment" von Imre Góth, ungarischer Maler und Zeichner, Datum unbekannt