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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Die Woche: Wir sind nicht, was Forscher von uns behaupten

Lassen wie die Woche mal am 9. Oktober beginnen, denn zuvor hatte ich mich im Spreewald verkrochen, in dem ich einen Geburtstag feierte, dessen Jahreszahl ich euch besser nicht verrate.

Immerhin hat mein Alter einen Vorteil: Ich kann das Bekannte infrage stellen. Es soll gefährlicher sein, als das Unbekannte zu erforschen. Und eine dieser Fragen ist: Wie „sind“ Frauen eigentlich? Und wie „sind“ Männer denn nun?

Säugetiere, von Kultur überhaucht oder Kunstwesen der Wissenschaft?

Die Antwort „sie sind männlich und weibliche Exemplare von Säugetieren, die von Kultur behaucht ein etwas abweichendes Verhalten entwickelt haben“ reicht vielleicht einem Biologen, aber weder einem Psychologen noch einem Soziologen.

Bei ihnen beginnt das, was falsch läuft: Diese Leute erfassen Daten von Frauen und Männern, die drauf getrimmt sind, ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen an den Tag zu legen. Und dann veröffentlichen sie ihre Ergebnisse so, als habe die Natur das genauso vorgesehen.

Wissenschaftler haben kein Mandat, in unserem Namen zu sprechen

Was noch nicht heißt, dass Psychologie und Soziologie von vornherein unter dem Verdacht stehen, Unwahrheit zu verbreiten. Doch wenn sie jemanden klassifiziert haben, seien es „Frauen“ und „Männer“ oder „Heterosexuelle“ und „Homosexuelle“, Queer-Leute und Cis-Leute, dann üben sie sich darin, ihnen Eigenschaften „zuzuweisen“. Und um mal politisch Tacheles zu reden: Sie haben kein Mandat dafür - sie nehmen es sich einfach heraus.

Das Individuum zählt - nicht das Etikett, das jemand trägt

Nachdem dies alles recht heftig klang ein Satz, der mir immer wieder am Herzen liegt. In der „Liebeszeitung“ geht es darum, den Menschen als Individuum zu sehen – nicht als Gender-Produkt – und wenn es geht (was nicht immer möglich ist) ohne jedes Etikett. Denn wir alle verdienen nicht, etikettiert zu werden.

Frauen folgen oft bereitwillig den Zuweisungen

Wenn wir von Frauen über 40 schreiben, dann nicht, weil sie Frauen sind. Sondern weil sie oftmals nicht wagen, zu sich selbst und ihren Bedürfnissen zu stehen. Und wenngleich es einen Gegensatz zu Männern gibt: Die meisten kennen ihre Bedürfnisse, aber kanalisieren sie ungeschickt. Werfen wie einen Blick auf das „konservative Dating“, das heute als „nachhaltig“ vermarktet wird: Was dabei oftmals herauskommt, ist beiderseitiges Nebelkerzenwerfen. Sicher ist es ungeschickt, die sinnlichen Bedürfnisse auf den Lippen zu führen – aber sie aus der Mimik und Gestik erkennbar zu machen, ist immer und überall erlaubt.

Das "Gewöhnliche" neu definieren

Wobei sich auch die Frage ergibt: Welches Verhalten ist eigentlich „gewöhnlich“? Und wann wird es „ungewöhnlich“? Wir untersuchen das – mit kühlem Kopf und durchaus auch im Hinblick auf Dates.

Wenn wir das „Gewöhnliche“ verlassen, dann zumeist aus Neugierde. Wenn Lust und Scham Katz-und-Maus miteinander spielen, dann ergibt sich möglicherweise ein ganz neuer Horizont – falls die Lust siegt. Anhand einer Komödie versuchen wir, der Kern einer solchen Überwindung zu zeigen. Und: Keine Angst, es handelt sich um eine Komödie. Übrigens kann man den Vorgang als „Verführung“ bezeichnen. Das „schmutzige Wort“ steht auch heute noch für Unsittlichkeit.

Warum Verführungen nicht eindeutig sind

Eine der Kernfragen der Verführung besteht darin, wer die Energie bereitstellt und wer die Steuerung übernimmt. Traditionell gilt „der Verführer“ als Bösewicht, während „die Verführerin“ als tolerabel erscheint. Wenn wir mal das „Mann/Frau-Klischee“ weglassen, ergibt sich eine ganz andere Frage: Durch wessen Verhalten wird die Verführung ausgelöst? Ich weiß, schon: Wer diese Frage auch nur stellt, kann einen Shitstorm ernten. Ich empfehle, sich vorher zu informieren – und zwar anhand friedfertiger einvernehmlicher Rollenspiele.

Marginalien und Ausblick

Rollenspiele funktionieren bekanntlich am bestem mit einer minimalen Verkleidung. Und wir haben mal in unser Archiv gegriffen, um etwas Unterbekleidung zu zeigen. Für die Rolle der Dienstmagd, die eher zögerliche Geliebte der 1950er-Jahre und für die Dame, die Herren in diskreten Räumen empfing.

Ich verspreche, dass der Humor auch noch zurückkommt. Denn eigentlich schreckt die „akademisch geführte öffentliche Diskussion“ über sexuelle Verhaltensnormen eher ab. Sie verunsichert dabei sogar gestandene „Erwachsene“, die nicht ihrer Lust, sondern den Normen einer. „Gesellschaftsordnung“ folgen, die es so gar nicht mehr gibt.

Na also - alles gesagt. Ein schönes Wochenende für euch - und schriebt mir, wenn ihr Diskussionsbedarf habt.