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 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Aussagen über die Pubertät werden bei Erwachsenen meist "nachgeschoben"

Auf der Suche nach der Identität
Wann immer jemand über Irritationen des Sexuallebens schreibt, wird gerne die Pubertät erwähnt. Denn während dieser Zeit wird das Gehirn sozusagen „umprogrammiert“. In den Worten der Wissenschaft liest sich das so:

Vereinfacht gesagt, mistet das Gehirn in den neuronalen Verbindungen aus, kappt also nicht mehr nötige Netze, verbindet neue und stärkt bestehende, zu behaltende Strukturen.

Das kling kompliziert. Und doch sprechen wir von einem natürlichen Prozess. Pubertät ist ein Ereignis, dass uns die Natur mitgegeben hat – ob nun „geschenkt“ oder „zugemutet“.

Gefühle wallen auf - einordnen lassen sie sich vorerst nicht

Wissen muss man nur eines: Gefühle wallen schnell auf. Und die Möglichkeit, sie intellektuell einzuordnen oder gar zu verwalten oder zu steuern, muss erst wachsen. Oder mal wieder mit einer zuverlässigen Wissenschaft erklärt:

Das Ungleichgewicht in der Gehirnentwicklung bedingt somit das Verhalten in der Pubertät. Dieses ist aufgrund der stattfindenden „Umbaumaßnahmen“ mehr von Gefühlen und Impulsen geleitet als von Vernunft und Argumenten.

Bei alldem bleibt allerdings völlig unklar, welche Faktoren oder Erlebnisse das Sexualverhalten nachhaltig beeinflussen. Selbst in eher ausführlichen Berichten von modernen Psychiatern, Psychologen und Gehirnforschern wird nicht wirklich klar, welche Handlungen oder Erlebnisse „gewöhnlicher Art“ das Sexualleben beeinflussen.

Traditionelles Denken - hier die Ursache, dort die Wirkung

Ganz anders bei jenen, die traditionell denken: Sie setzen bei Freud an und lesen vielleicht noch bei Krafft-Ebing nach. Sie wolle wissen, dass einzelne Ereignisse in „der Kindheit“ oder „in der Pubertät“ dazu geführt haben, sich „abweichend“ zu orientieren. Besonders gerne wird die „Vorpubertät“ erwähnt – allerdings zumeist aus der Sicht anderer Verhaltensauffälligkeiten. Doch welche Ereignisse sind es? Und warum entwickeln einige Frauen und Männer aus identischen Erlebnissen recht bald „Abweichungen im Sexualverhalten“, andere jedoch nie? Und wie erklärt sich, dass manche Damen und Herren sich erst gegen 40 oder 50 entschließen, solche Bedürfnisse zu offenbaren?

In Wahrheit stochern die Erklärer im Nebel

Ganz offensichtlich ist es ein „Stochern im Nebel“, was uns da präsentiert wird. Entstanden sind solche Erklärungen vermutlich aus der Auffassung, dass es für jede sexuelle Abweichung eine spezifische Ursache geben muss. Wer dies sagt, ahnt wenig von den komplizieren Strukturen, die vom Fühlen zum Denken und wieder zurück stattfinden.

Vielleicht habt ihr kürzlich Romane gelesen, in denen angebliche „Erfahrungen“ aus der Vorpubertät geschildert wurden, die dann zu sexuellen Abweichungen im Erwachsenenalter führten. Als Beispiele werden oft Masochismus, Schmerzlust, „Cuckolding“ oder Feminisierung (alles überwiegend bei Männern) genannt.

Es ist verdammt schwierig, Gefühle zu ergründen, rationell zu bearbeiten, niederzuschreiben und umzuwandeln. Und die „Vorpubertät“ ist nun wirklich nicht die Zeit, in der wir Gefühle genau beschreiben oder gar dokumentieren konnten. Was bleibt, ist dies: Argumente für das sexuelle Verhalten im Erwachsenenalter werden gerne „nachgeschoben“. Und die Pubertät wird genutzt, um die Verantwortung dafür abzuschieben.

Nehmen wir die Pubertät als das, was sie war: Eine Zeit des Wandels, mit neuen Erfahrungen, die auf jeden von uns anders gewirkt haben, auch wenn sie biologisch ähnlich waren.

Zitate aus: ClickDoc. ausführlicher in "Die ZEIT"
Bild: Teil der Skulptur von Jane Alexander. Aus der Ausstellung "Südafrikanische Skulpturen 2002", Johannesburg, Republik Südafrika.

Die neue Liebesordnung - aussichtslos?

Frauen und Männer sind nicht nur vor dem Gesetz gleich - sie sollen auch frei, gleich und respektvoll behandelt werden. Diese Forderung ist ja nun nicht wirklich neu - bereits die Französische Revolution forderte sie. Ganz durchgesetzt hat sie sie sich für die Geschlechter nie, aber die Forderung steht nach wie vor im Raum - und wir sind angehalten, sie durchzusetzen.

In der Wirtschaft und der Politik mag es noch kein Gleichgewicht bei Frauen und Männern geben, und die Gründe sind immer noch sehr schwer einzukreisen. Für meinen ehemaligen Beruf kann ich im britischen Understatement sagen: „Weil es einen gewissen Mangel an Frauen gibt.“

Frauen und Männer, Spiele und Vereinbarungen

Niemand kann sich heute mehr leisten, Frauen abzuwerten, auszugrenzen oder anderweitig zu diffamieren. Und alles, was einmal als selbstverständlich für Beziehungen galt, soll nun ausgehandelt werden. Im Klartext und schmucklos: Wenn ein Mann eine Frau nach dem Date noch zum Kaffee in der eigenen Wohnung einlädt, dann bedeutet dies weder, dass sie mit ihm vögeln wird, noch, dass sie eine Beziehung anstrebt. Was zwischen beiden passiert, ist auch nicht einfach: „Ich küss dich mal und dann sehen wir weiter“. Beide müssen reden, etwas vereinbaren und auch hinterher dazu stehen. Und doch - es ist nicht ganz so einfach.

Viele Vorstellungen bestehen parallel

Wir alle haben gelernt, dass ein „Nein“ ein „Nein“ ist, und in gleichem Maße haben wir verlernt, dass Frauen auch mit der Unsicherheit spielen, ob wir nun das Bett mit ihnen teilen dürfen oder nicht. Und das Unerhörte daran ist: Beide Wahrheiten stehen nebeneinander, gerade so, wie der Tag fällt. Es gibt durchaus noch Frauen, die das „große Spiel“ zelebrieren wollen, das da heißt: „Mann, versuch es bitte mehrfach, damit ich weiß, dass du es ernst meinst mit mir“. Und viele andere lehnen Nachfragen überhaupt ganz und gar ab: „Wenn mich erst einer fragt, was er darf, kann er gleich in den Wind schießen.“

Nicht wahr, nicht falsch - das Paralleluniversum im Bett

Mir ist klar, dass ich dies alles nur schreiben „darf“, weil ich „raus aus dem Geschäft“ bin. Aber es ist eben eine Tatsache, die nicht frauenspezifisch ist: Mehrere neue und alte Normen und Spiele sind parallel möglich. Und alle werden ohne Vorwarnung oder Ankündigung gespielt, wo Frauen auf Männer treffen.

Die Klischees streben nicht aus

Hinzu kommen die Rollenklischees, die munter tradiert werden - durchaus mit Unterstützung sogenannter „Wissenschaftler“. Demnach sind Männer sexuell fordernd, Frauen hingegen zurückhaltend. Von Männern wird chevalereskes Verhalten eingefordert - der „Gentleman“ feiert gerade wieder wundersame Triumphe. Frauen, die von sich aus das Bett machen und sich Männer für ihre Liebesnächte suchen, gelten weiterhin als Schlampen. Frauen sind so geworden, weil sie schwanger werden könnten, Männer verspritzen ihr Sperma möglichst breit gestreut. Das mag alles so hingehen, wenn man von der Vergangenheit redet, aber kein Satz davon ist zukunftsträchtig.

Wo bliebt eigentlich die Freiheit, zu leben, wie wir wollen?

Ein Wort, das immer wieder „gekippt“ wird, ist Freiheit. In der Demokratie, im liberalen Staat und in der freiheitlichen Gesellschaftsordnung bedeutet die Freiheit, auch mit gewissen Risiken zu leben. Wir können uns nicht einerseits an Klischees und festen Verhaltensmustern festmachen und andererseits unsere eigene Freiheit auskosten. Freiheit ist die Abwesenheit von hausgemachten Zwängen, Gängelungen und Etikettierungen. Frei zu sein heißt, zu denken, was wir wollen, zu fühlen, was wir wollen und uns in weiten Grenzen so zu verhalten, wie wir wollen. Es ist unser aller Recht.

Wer eine „neue Liebesordnung“ will, muss auch den Gedanken der Freiheit einbeziehen. Und die Klischees von Frauen, Männern und meinetwegen „Diversen“ sollten wir so schnell wie möglich vergessen, weil sie in Wahrheit rückwärtsgewandt sind.

Hinweis: Wer Diskussionsbedarf hat, möge mir schreiben. Dies ist keine ultimative Wahrheit, sondern eine Analyse der Gegenwart.