Skip to content
 Liebeszeitung - eine Zeitung für die Liebe, die Lust und die Leidenschaft

Erotische Demütigung - heiße Kartoffel oder lustvolles Spiel?

Endwürdigung und Demütigung im Rollenspiel
Die erotische Demütigung ist ein Begriff, der zu den „heißen Kartoffeln“ der Autorinnen und Autoren von Ratgeber gehört. Doch in Wahrheit ist das Thema gar nicht heiß, sondern bewegt sich im Rahmen von zwar ungewöhnlichen, gleichwohl inzwischen sehr beliebten „Spielen, die Erwachsene spielen“.

Beginnen wir mal ganz einfach: Demut ist im allgemeinen Sprachgebrauch nichts „an sich Schlechtes“, ja, Demut wurde oft als Tugend angesehen, vor allem aus der Sicht des Christentums. Indessen sah die bürgerliche Welt dies bereits im 19. Jahrhundert völlig anders:

Demut, als das Gegenteil von Hochmut, ist die Herabsetzung oder Erniedrigung der eigenen Person unter andere. (Beruht sie) … auf einem Verkennen der eigenen Kräfte und auf einer Zaghaftigkeit, von denselben im Wetteifer mit anderem vollem Gebrauch zu machen, so ist sie eine tadelnswerte moralische Schwäche.

Die Demütigung wird allgemein als eine „Herabwürdigung“ angesehen, wobei die „innerliche Demütigung“ positiver gesehen wird als die sichtbare, äußerliche Demütigung, die sich auch körperlich zeigt. Die positive Bewertung der inneren Demut mag dran liegen, dass diese Form der Demut lange Zeit als äußerst positiv bewertet wurde. „Sich in der Demut des Herzens“ zu üben, so sagt man, würde „gute Menschen machen und große Gedanken erzeugen“.

In alten Zeiten las sich das so:

Äußerlich gedemütigt ist derjenige, dessen Macht, Kraft und Ansehen gebrochen oder niedergedrückt ist. Innerlich derjenige, dessen Selbstgefühl herabgestimmt oder verletzt wird und der beschämt wird.

Im Grunde können wir durchaus bei den Definitionen bleiben. Die äußerliche Demütigung zeigt sich darin, dass andere über uns verfügen können, indem sie Machtmittel aller Art einsetzen – sogar Strafen und unter ihnen eben auch Züchtigungen. Die innere Demütigung würde uns heute als „emotionale“ oder „psychische“ Demütigung begegnen, und zudem gäbe es noch eine geistige Demütigung, die darin bestünde, unsere Gedanken abzuwerten.

Das Gebiet der „erotische Demütigungen“ zu behandeln, gleich einem Tanz auf einem Minenfeld. Denn erotische Demütigungen dürfen nach dem Menschenbild, das wir vor uns hertragen, gar nicht sein. Und doch scheint es für viele Menschen so interessant zu sein, dass sie viel Stunden damit verbringen und viele Gedanken darauf verwenden. Sie tun dies durchaus in dem Bewusstsein, Demütigungen zu erzeugen oder zu ertragen.

Annahmen und Meinungen über den Wunsch nach erotische Demütigungen

Wenn wir uns fragen, was sie dazu bewegt, sind einfache Antworten billig. Das Übliche aus dem Katalog der Küchenpsychologie: Kindheitserlebnisse, schlechte Erfahrungen mit den Mitmenschen, speziell mit dem anderen Geschlecht. Dazu die üblichen „-ismen“, also Fetischismus, Sadismus, Masochismus und was den „klugen Köpfen“ der Wissenschaft sonst noch dazu einfiel. Dabei handelt es sich freilich nicht um Fakten, sondern um Annahmen.

Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass „Einordnung“ ein Teil des naturhaften Bedürfnisses ist, in der Gruppe einen Platz zu finden. Dadurch entstehen Hierarchien, und zwar unabhängig davon, ob wir sie wollen oder nicht. Es geht also zunächst nicht um „Demütigungen“ oder „Abwertungen“, sondern um eine Bewertung des eigenen Standorts in einer gegebenen Hierarchie.

Nun kommt erst die „eigentliche“ erotische oder sexuelle Komponente hinzu. Und mit ihr ein Spiel, das gewissen Regeln folgt. Beginnen wir einmal mit den vermeintlichen „Opfern“, also denen, die sich nach Abwertung sehnen.

Wie die erotische Demütigung beginnt, wenn sie gewollt ist

Wer gedemütigt werden will, muss einem anderen signalisieren, dass er dazu bereit ist. Dazu muss er sich sicher sein, die Aufmerksamkeit des anderen zu gewinnen, was letztlich bedeutet, „irgendwie“ auszudrücken, dass man sich dem Willen des anderen unterwerfen wird. Dabei gilt derjenige, der nach Demut giert, als der „Initiator“.

Das mag bei den Verhältnissen verständlich sein, die man als „kommerziell“ einordnen würde: hier die „Domina“, dort ihr „Klient“. Doch es bleibt im Nebel der Zweierbeziehungen, wie dies unter „festen Paaren“ abläuft.

Lassen wir einmal die Details weg, dann hegt mindestens einer von beiden den Wunsch, sich als Spieler in einem dominanten oder devoten Rollen zu profilieren. Ob Zufall, Fügung oder Provokation: Irgendwann beginnt die Angelegenheit, Konturen zu zeigen.

Etwas verbrämt ausgedrückt heißt dies:

Zustimmung und paradoxerweise ein hohes Maß an Bewusstsein und Kommunikation (ist) erforderlich, um sicherzustellen, dass das Ergebnis auch tatsächlich wünschenswert ist.

Und wünschenswert ist dabei eine enorme psychische Erregung, die meist mit sexueller Erregung verbunden ist. Solche Lüste sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie praktizieren, sodass niemand verbindlich sagen kann, was „gut“ oder „schlecht“ ist. Alle, die diese Spiele praktizieren, mussten erst lernen, was ihnen noch Freude bereitet und was ihnen lästig wird – und zwar auf beiden Seiten.

Abseits aller Theorie: was ist dir peinlich?

Wem das alles zu theoretisch ist, der möge sich vergegenwärtigen, was ihm selbst alles „peinlich“ wäre. Viele Peinlichkeiten regen aber durchaus auch an. Das simpelste Beispiel ist Nacktheit. Sie kann köstlich sein, aber auch peinlich, wenn alle bekleidet sind und man selbst nackt bleibt. Die Kataloge psychischer, aber auch körperlicher oder taktiler Demütigungen sind voll von solchen „Entwürdigungen“, die zugleich ein hohes Erregungspotenzial haben. Um einige Beispiele zu nennen: Ungewöhnliche oder gar entehrende Kleidung zu tragen, jemandem einzelne Sinneswahrnehmungen zu entziehen oder die Gelenke zu fixieren reicht oftmals schon aus, um die Gefühlswelt umzukrempeln.

Das Fazit - beidseitig gewünschte erotische Demütigungen

Ich habe versucht, euch so sanft wie möglich und so zurückhaltend wie nötig zu erklären, warum erotische Demütigungen zum Spiel der Liebe, der Lüste und der Sinne hinzugefügt werden können.

Was dir oder euch wirklich „guttut“ kann euch niemand sagen. Versuch es einfach, wenn du magst und hör wieder auf damit, wenn es dir nicht gefällt.

Zitate aus Bockhaus (19. Jahrhundert), Grimm, Meyers (und einer modernen Interpretation von "erotischer Demütigung").Bild: Japanische Zeichnung, undatiert