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Wie erotische Bücher entstehen (oder besser nicht)

Mild perverse Herren - und eine erlebnishungrige Dame

Wie erotische Bücher massenhaft entstehen - und warum die meisten Autorinnen und Autoren zum Misserfolg verdammt sind.

Eine Satire von UU

Was Autoren tun, die aus innerem Drang schreiben

Wer erotisch schreiben will, kann dies aus dem Drang tun, den feuchten Dschungel der erotischen Innenwelt nach außen zu kehren. Dies ist durchaus lobenswert, denn über die Gefühlswelt des erotischen Menschen ist wenig bekannt. Die meisten erotisch schreibenden Autorinnen und Autoren vermeiden ängstlich, die Wellen zu schildern, die durch Körper und Psyche ziehen, während ihre Heldinnen und Helden den Geschlechtsverkehr ausüben, sich die Genitalen reiben oder sich in den Mund spucken lassen. Möglicherweise fürchten sie sich vor sich selbst, vor der Entblößung der Seele. Schließlich wird allen Schreibenden unterstellt, ständig die eigene Psyche vorzuzeigen – oder wenigstens Teile davon. Das übliche, unkundige Volk, unsere häufigste Leserschaft, traut uns einfach nicht zu, das Gefühlsleben anderer zu erforschen, auszubauen und zu Papier zu bringen.

Soweit Literatur, soweit Kunst, soweit Philosophie. Kommen wir nun zu Groschenromanen, Kitsch und Küchenpsychologie. Wie bekannt, kosten Groschenromane längst nicht mehr einen Groschen, haben inzwischen schrecklich viele Seiten und sind in seriösen Buchhandlungen erhältlich.

Was Autoren tun, die dem Leser eine Lustwelt vorgaukeln

Das Ziel dieser Romane besteht nahezu ausschließlich darin, Sehnsüchte zu befriedigen. Einerseits die Sehnsucht nach Frauen- oder Männerhaut, die gerade nicht zur Verfügung steht, dann aber auch nach Penissen und Vaginen, Mündern und Rosetten, nach deren verbotenem Genuss die Erinnerung giert. In den etwas härteren Versionen werden dann die rauen Fantasien bemüht: Erniedrigungen und Fesselungen wie auch Schläge und Schmerzen.

Das Rezeptbuch ist einfach: Man nehme eine intelligente, sinnliche, sehnsüchtige, aber unerfahrene Heldin und füttere sie mit raffinierter Verführung erotisch an. Wie jede Leserin mit guter bürgerlicher Erziehung zu wissen glaubt, führt dies früher oder später zum Verderben. Zumal, wenn nun noch erotische Exzesse wie Triolen, bisexuelle Handlungen oder sinnlich verbrämte Folterqualen kommen.

Abstieg zur Hure oder Aufstieg zur Prinzessin?

Spannungskurve auf dem Höhepunkt? Gut! Nun muss ein edler oder Mensch her, der unsere Heldinnen und Helden errettet. Allerdings muss er einen kleinen Webfehler haben, sodass an seinem/ihren Edelmut ein Restzweifel bleibt. An dieser Stelle ist Küchenpsychologie gefragt. Ob Held oder Heldin: Eine versaute Pubertät empfiehlt sich sehr. Irgendwann wurde auch der aufrichtigste Mann oder die edelmütigste Frau einmal sexuell ausgenutzt, nicht wahr? Also verschweigen Sie dies eine Weile und lassen Sie Ihre Leserschaft im Unklaren, ob die Retterin/der Retter ein verkappter „Perverser“ oder ein psychisch leicht geschädigter Edelmensch ist.

Ein bisschen psychischer Horror in der Pubertät hilft ihrer Story

Bei dem Ereignis, das Sie mithilfe einschlägiger psychologischer Werke aufbauen können, sollte es sich um einen „minderschweren Fall“ eines „psychischen Knackses“ handeln. Es reicht, wenn ihre Heldin oder ihr Held zu Unzeiten nackte Genitalien gesehen haben oder sie bei einem „Hinternvoll“ sexuelle Lüste bekamen. Achten Sie darauf, dass es, wenngleich alles selbstverständlich psychisch unglaublich „schädigend“ war, doch nicht in einem Zusammenhang stattfand, der Ihre Leserschaft abstößt. Entfernte Tanten oder Cousinen, geile alte Jungfern oder lüsternes Küchenpersonal eignen sich vorzüglich, um dem Vorwurf der „Unzucht mit Abhängigen“ zu entgehen.

Happy End trotz Anzeichen sexuellen Verfalls

Ja, am Ende muss alles heraus – und selbstverständlich ist ihre verführbare Heldin (oder ihr verführbarer Held) nicht in den Sumpf der sexuellen Gier oder der Prostitution abgestiegen, obgleich es ab und an so schien. Auch der rettende Held (oder eine entsprechende Heldin) ist nicht pervers, sondern hat die psychischen Verletzungen der Jugend längst überwunden. Ja – und dann führt der edle Prinz seine erotisch perfektionierte Prinzessin auf sein Schloss, dun es wird Hochzeit gefeiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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