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Wenn die Urgroßmutter die Hüllen fallen ließ

Amateuraufnahme, undatiert. - vermutlich aus den 1950er Jahren oder früher
So ungewöhnlich war es nicht, dass die Großmutter oder die Urgroßmutter (und gar die Ururgroßmutter) einige Hüllen fallen ließ und sich dem lechzenden Verlangen diverser Fotografen ergab.

Nun mag man argumentieren, dass derartige Frivolitäten eher in den Schmuddelbereich der Fotografie gehörten und die Damen alles andere als „Damen“ waren. Oder man könnte sagen, dass sie sich nicht aus reiner Lust am frivolen Posieren entblößten, sondern ihre nackten Körper gegen Geld oder wegen der Liebe fotografisch verfügbar machten.

Doch der Fotoapparat verlockte durchaus zu eigenen Experimenten – hübsch angezogen konnte man sich durchaus SELBST mit einer BOX fotografieren, wenn man lange genug still saß oder einen Garten hatte. Das fotografische Selbstporträt war den Damen oft nur deshalb verschlossen, weil sie sich nicht trauten, die komplizierten Stand- oder Balgenkameras zu bedienen. Aber die BOX? Die machte es möglich.

Und die frivolen Akt- und Wäschefotos? Sicher – die meisten wurden von Männern produziert, aber längst nicht alle. Frauen, die als Fotografinnen arbeiteten oder einen Berufs- oder Amateurfotografen mit eigenem Labor kannten, wussten durchaus, wie sie sich bar jeder Bekleidung oder – noch frivoler – mit zarten Dessous in Szene setzen konnten. Dazu bedurfte es allerdings einer etwa bessern Ausstattung als einer BOX. War das ein Problem? Nein, keinesfalls, denn längst hatte auch die Hersteller vornehmer und teurer Fotogeräte erkannt, dass reiche, sportliche und abenteuerlustige Damen durchaus als Kunden infrage kamen.

Der Verbleib der meisten Aufnahmen - im Kamin verbrannt?

Und warum gibt es so wenige dieser Aufnahmen? Aus vielen Gründen. Einmal gab es nur äußert selten weibliche Fotoamateure – und das sogar bis in die 1960er Jahre hinein. Und diejenigen, die es gab und die mutig genug waren, sich zu entkleiden und kenntnisreich genug, ein Selbstporträt zu erzeugen, musste erst einmal die Hürde nehmen, diese privat entwickeln zu lassen. Aber das ist längst nicht alles. Wo immer Kinder, Enkel oder Urenkel die Wäsche- oder Aktfotos fanden, wanderten diese in den Ofen oder in den Müll. Und ob es Selbstporträts waren, ob sie der Ehemann oder ein Lover „geschossen“ hatte, wollte man eigentlich gar nicht so genau wissen. Man fürchtete, seine weiblichen Vorfahren damit zu entehren.

Und so wurden viele, viele fotografische Zeitzeugnisse vernichtet. Eigentlich Schade, nicht wahr?

Hinweis: Wenn Sie auch nur ein Fitzelchen von der Wahrheit wissen, schreiben Sie mir ... bitte. Ich bereite gerade eine umfangreiche Dokumentation über weibliche "Selfies" im 20. Jahrhundert vor

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