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Sieg gegen die Zensur: Pandora Blake

Die Briten haben etwas gegen Pornografie – jedenfalls gegen bestimmte Formen der Pornografie: Sie üben Zensur aus. Dabei glauben die Briten, sich im Einklang mit der öffentlichen Moral zu befinden. Denn die „Audiovisual Media Services Regulations 2014“ regelt überwiegend Praktiken, die in Europa gelegentlich als „englische Erziehung“ gelten. Und wer würde sich schon öffentlich dazu bekennen, beispielsweise Interesse an Flagellation zu haben? Sagen Sie nun nicht: «Millionen Frauen, die „50 Shades of Grey“ gelesen haben». Schließlich bekennen sich diese nicht „öffentlich“ zu ihren Fantasien, sonder erröten sanft im ICE über ihrem E-Reader, wenn Miss Steele „aua“ schreit, weil Mr. Greys Peitsche sie gerade im Schritt trifft.

Gemeint ist seitens der britischen Regierung nahezu alles, was in irgendeiner Form mit dem deutschen Unwort „Sadomaso“ gemeint ist. Das ist neben echtem sadomasochistischem Material besonders all jenes, das sich mit „Disziplin“ in Verbindung bringen lässt: besonders der „Hinternvoll“ („Spanking“), die ehemals schulische Disziplinierung mithilfe des Rohrstocks („Caning“) und die höfische Form, das Schlagen mit der (Reit-)peitsche. Hinzu kommen neben Fesselungen ein paar andere, ungewöhnliche Praktiken wie „Facesitting“.

Da macht es sich natürlich nicht gut, wenn man Filme produziert, die just dieses Genre bedienen – und die feministische Filmproduzentin Pandora Blake tut genau das mit Engagment. Die Folge: das britische Gesetz zwang sie, ihre Webseite zu schließen.

Man könnte nun meinen, dass jemand, der eine solche Webseite betreibt, einknickt und vor Scham versinkt – aber das war nicht der Fall. Frau Blake klagte – bei hohem Risiko, wie sie sagte - und bekam recht.

Erstaunlich daran ist, dass die britische Regierung ganz selbstverständlich annimmt, dass die Praktiken, die zu Zeiten der Britin Theresa Berkeley sehr üblich waren, heute ungewöhnlich sind. Damals ließen sich reiche Gentlemen von Frau Berkeley und ihren Gehilfinnen aufs Heftigste mit Ruten schlagen – es war eben in Mode, ein „bisschen schmerzgeil“ zu sein. Wer bezweifelt, dass Praktiken wie Unterwerfungen, Fesselungen oder Schläge ziemlich normale Fantasien sind, darf gerne einen Blick auf die Auflagenhöhe einschlägiger Bücher werfen – und nicht nur die über Mr. Grey. Und schließlich gibt die Statistik denjenigen recht, die lustvolle Strafen aller Art als sinnliche Fantasien ansehen. Sowohl Frauen als auch Männer erreichen hier die 50 Prozent, die als Maßstab für „völlig normale sexuelle Fantasien“ genommen werden können. (1), (2).

(1) Frauen; sexuell dominiert werden: 65 Prozent, gefesselt werden 52 Prozent, geschlagen werden hingegen nur 36 Prozent.
(2) Männer; sexuell dominiert werden: 53 Prozent, gefesselt werden 46 Prozent, geschlagen werden nur 29 Prozent.

Bericht: Ausführlich im Independet.

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