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Die Liebe und die Tränen

Tränen - Machtmittel der Schwachen oder emotionale Wonne?
Menschen weinen – so viel ist sicher. Warum sie weinen, ist hingegen völlig unklar, und auch die Folgen des Weines sind, jedenfalls bei Erwachsenen, in keiner Weise schlüssig erforscht.

Wir wissen nur so viel: Mit Tränen drücken wir Gefühle aus. In der Liebe gibt es alle Tränen, die man sich vorstellen kann: Tränen der Freude und der Lust, wenn die Liebe schön war, Tränen der Wut und der Verzweiflung, wenn wir keine Liebe finden oder verlassen werden. Tränen des seelischen Schmerzes, wenn wir unser Schicksal beklagen (oder auch das der anderen). Tränen der Betroffenheit, der Rührung, der Schuld und der Sühne … und letztlich auch Tränen, die wir bei der rauen Lust verspüren, zum Beispiel in den „harten“ Rollenspielen: Tränen des Schmerzes und der Ausweglosigkeit, die freilich provoziert werden müssen.

Die Theorie und die Praxis der Tränen

Frauen weinen als Erwachsene häufiger und intensiver als Männer. Warum, ist unklar. Frühere Generationen glaubten, Frauen versuchten mit Tränen, ihre Interessen durchzusetzen, weil sie kaum andere Machtmittel hatten. Inzwischen gilt diese Theorie als unwahrscheinlich, doch in der Praxis bewähren sich Tränen eben oft. Ebenso wenig haltbar ist – aus wissenschaftlicher Sicht - die Theorie, die Menschen versuchten generell, sich mit Tränen zu erleichtern, wenn Sie Rührung, Trauer oder Schuld empfinden. Allerdings sind die Forschungen aus diesem Gebiet relativ unscharf, denn was ein Mensch wirklich fühlt, verschließt sich den Augen der Wissenschaft. Und der Volksmund behauptet hartnäckig, dass Tränen reinigen, auch wenn man dazu möglicherweise wirklich durch „das Tal der Tränen“ gehen muss und sich dabei alle andere als wohlfühlt. Und auch die Behauptung, Tränen würden nicht Machtmittel eingesetzt, kann widersprochen werden: Tränen in Anwesenheit eines anderen Menschen sind immer Mittel der Kommunikation – sie sollen also auch (wenngleich nicht ausschließlich) etwas im Anderen bewirken.

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Nur soviel ist sicher: Weinen, Flennen, Schluchzen, süße und bittere Tränen sind Ausdruck heftiger Emotionen, und sie entstehen im Gehirn aufgrund von Auslösern, über die wir ganz wenig wissen. Manche Menschen meiden die Gedanken und Emotionen, wie Wut, Trauer oder Schuld, andere suchen sie förmlich. Um häufig Tränenden zu vergießen. Eine vor Jahrzehnten noch sehr übliche Praxis, „unter Tränen die Verfehlungen zu gestehen“ ist heute so gut wie verschwunden.

Tränen als Währung - der Preis der Vergeltung

Tränen als Vergeltung für alle Arten von Verfehlungen sind im Grund genommen nach wie vor populär. In dem Lied „Cry me A River“ von Arthur Hamilton kommt zum Ausdruck, wie sich eine Frau (1) die Vergeltung vorstellt. Es ist sicher nur ein Schlager, aber er sagt viel über das „Revanche-Prinzip“ aus:

Nun sagst du, wie Leid es dir tut,
So untreu gewesen zu sein,
Gut - dann fülle einen Fluss mit Tränen für mich,
Wie ich einen Fluss voller Tränen über dich geweint habe.


Ob es also doch möglich ist, eine Bosheit oder gar einen Seitensprung mit Tränen ungeschehen zu machen? Im Grunde kann das nur das Paar wissen, in dem einer der Partner mit Tränen kommuniziert.

Möglicherweise ist aber auch dies richtig: Manche Menschen neigen offenbar dazu, tränenreiche Emotionen zu provozieren, um sich später an der Lust des Trostes zu laben. Psychotherapeuten mögen sich die Köpfe darüber zerbrechen, doch diejenigen, die diese doppelte, zwiespältige Form der Lust praktizieren, haben offenbar einen Gewinn davon.


Hintergründe im Tagesspiegel (2011, also nicht ganz neu)
(1) die meisten Versionen wurden von Frauen gesungen.

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