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Spuren der Bordellbesitzerin Theresa Berkley und des Berkley Horse

Was ist wahr, was falsch an der Geschichte über die berühmteste Bordellbesitzerin Londons, Miss Theresa Berkley?

Richtig ist, dass sie ein sehr berühmtes Bordell in London führte, und zwar in der Charlotte Street 28, im heutigen Stadtteil Marylebone, die jetzt Hallam Street heißt, unweit von Regents Park gelegen.

Berühmt und reich war Theresa Berkley in jedem Fall

Die Berühmtheit wird relativ eindeutig dadurch belegt, dass sie mit diesem Bordell so viel Geld verdiente, dass sie ein Vermögen von 10.000 Britischen Pfund hinterließ – zur damaligen Zeit (1836) ein gewaltiges Vermögen. In heutiger Währung wären es etwa 1,2 Mio. GBP. Zudem wurde nach Ihrem Tod ihre gesamte Korrespondenz vernichtet, was ebenfalls darauf hindeutet, dass Kunden aus den besten Kreisen bei ihr verkehrten.

Ein Bordell von mehr als 3000 Bordellen in London

Dies muss man vor dem Hintergrund der Bordelle sehen, die es in London gab. Zahlen von 1858 belegen, dass London zur damaligen Zeit die europäische Hauptstadt der Bordelle war. Demnach gab es 3335 Bordelle, in denen rund 30.000 Frauen angeboten wurden. Nimmt man als gegeben an, dass jede Prostituierte auch über Künste in der aktiven und passiven Flagellation verfügte, so war das Angebot also unendlich groß.

Nahezu alle Quellen stammen von fragwürdigen Autoren

Beliebte Literatur jener Zeit: Strenge Hände
Recht ungenau und fragwürdig sind hingegen alle Schilderungen, die angeblich „historisch“ überliefert sind, in Wahrheit aber aus einer Quelle stammen, die höchst unzuverlässig ist. Wenn überhaupt erwähnt, wird Pisanus Fraxi angeben, ein Pseudonym des Autors Henry Spencer Ashbee, der gerade mal zwei Jahre alt war, als Frau Berkley starb. Vermutlich wurden die ärgsten und blutigsten Prozeduren, die in ihrem Haus möglich waren, als „normal“ hervorgehoben, während die üblichen Flagellationen und sinnlichen Rollenspielen heruntergespielt wurden.

Mythen um Frau Berkleys Bordell und um ein Buch

Es ist kein Wunder, dass sich um ihre Person und ihr Bordell zahllose Mythen rankten. Die eine ist, dass sie ein Buch geschrieben hat, was definitiv Unsinn ist. Es soll die „Exhibition of Female Flagellants“ sein, ein Buch, das mehrfach an den Markt kam und dabei immer wieder umdatiert wurde. Dies war allgemein üblich, um Verleger und Erscheinungsjahr bei pornografischen Büchern zu verschleiern.

Das "Berkley Horse" - eine modifizierte Holzleiter?

Auch eine andere Berühmtheit, die sie erlangte, ist fragwürdig: das „Berkley Horse“ in der Darstellung, wie es heute in den Büchern steht. Dabei handelt e sich um ein rau gezimmertes Gestell aus rohem Holz, eventuell auch mit einem Lederbezug. In einem Lexikon wird es so beschrieben:

Im Wesentlichen ist es eine verstellbare Leiter, die bis zu einem beträchtlichen Grade ausgespannt werden kann und auf welcher der Betreffende festgeschnallt wurde, indem für Kopf und Genitalien Öffnungen gelassen wurden.


Eine modifizierte Holzleiter als "Erfindung"?

Eine primitive Konstruktion für ein Edelbordell?
Obgleich sehr wahrscheinlich ist, dass es im Etablissement von Frau Berkley solche und auch andere „Chevalets“ für die Flagellation gab, ist die Ausführung äußerst fragwürdig. Man darf dabei nicht vergessen, dass die teuren Bordelle jener Zeit mit exklusiven Materialen und Möbeln ausgestattet waren. Da hätte eine modifizierte Holzleiter, die in Wahrheit nur wenig verstellbar und zudem hakelig in der Handhabung ist, kaum eine Chance gehabt. Zu dem „Fake“ passt auch, dass alle angeblichen Originalzeichnungen auf abenteuerliche Art verschwunden sind, entweder in der „Society of Arts“ oder aus erotischen Büchern.

Quellen: Bilder-Lexikon Kulturgeschichte, Band I, Wien 1930 für das Zitat.
Dufour, Gechichte der Prostitution, Band II, Reprint für die Anzahl Londoner Bordelle.
Zahllose weiter Quellen anderer Art und von Fraxi.
Es gibt einen Nachbau für eine Glasgower Dominatrix, den ich hier nicht zeigen kann.

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