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Irrtümer und Wahrheiten um „zueinander passen“

Passt - weil die Klammer sie zusammenhält
Der Glaube, dass die eigene Sicht der Wirklichkeit die Wirklichkeit schlechthin bedeute, (ist) ist eine gefährliche Wahnidee.“
Paul Watzlawick (1)

In meinem gestrigen Beitrag habe ich euch geschrieben, warum ihr nicht fragen solltet: „Wer passt zu mir?

Dazu gehört auch, niemandem zu glauben, der behauptet „Ich kenne einen, der zu dir passt.“

Und was ist mit den Leuten, die dir solche Sätze einflüstern wollen?:

„Den passenden Partner finden“.
„Den Einen finden (oder die Eine).“
„Den richtigen Partner finden.“


Sie alle haben ein Ass im Ärmel – und das ziehen sie nur heraus, wenn du ihnen in irgendeiner Form dein Geld gibst: Mitgliedschaft, Beratung, Bücherkauf, Seminar.

Hinzu kommen all die Hellseher, Pendler, Astrologen und Kartenschläger, die möglichst auch noch von deiner Unsicherheit profitieren wollen.

Gestern habe ich sinngemäß geschrieben:

Raus: „Wer passt zu mir?“
Rein: „Wen mag ich?“

Heute will ich etwas Komplizierteres erklären – aber mit einfachen Worten.

Wenn du dir überlegst, was das Wort „Passen“ eigentlich bedeutet, dann weißt du: Dabei geht es um Verträglichkeit. Also doch wieder „Volksmund“? Nochmals das Psycho-Geplänkel von „Gleich und Gleich?“

Nicht verblüffen lassen - Gehirn zuschalten

Vor dem Gebrauch einer Phrase lohnt es sich bisweilen, das Gehirn zuzuschalten und zu fragen: „Und worin gleich?“ Die sogenannten „Fachleute“ werden sofort losschnattern. „In Persönlichkeitsmerkmalen“, werden sie dir sagen, und wenn sie noch besonders schlau wirken wollen, dann sagen sie: „in beziehungsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen.“ Das alles könnt ihr getrost vergessen.

Persönlichkeitsmerkmale aus der psychologischen Mottenkiste

Diese sogenannten „Persönlichkeitsmerkmale“ sind Einstufungen, die sie bei älteren Psychologen gemopst haben. Man beruft sich dabei gerne auf Carl-Gustav Jung (2) oder auf das Fünffaktorenmodell. (3) Gut – die Mehrheit der Anwender im Bereich der Partnersuche sagt inzwischen, dass sie dies alles nicht mehr verwenden würden, weil sie ein geheimnisvolles besseres Modell entwickelt hätten. Das kann man glauben oder auch nicht.

Wie ist es aber wirklich? Gibt es diese „Persönlichkeitsmerkmale“ überhaupt? Und gäbe es sie tatsächlich, hätten sie dann irgendeine Bedeutung für die Partnerwahl? Daran gibt es Zweifel aller Art. Wer wirklich weiß, was „Passen“ eigentlich bedeutet, nämlich „miteinander verträglich sein“ wird mir auch zustimmen, ohne dass ich eine Begründung für meine Ansicht gebe.

"Passen" ist mehr als "Persönlichkeitsmerkmale vergleichen"

In Wahrheit bedeutet „passen“ nicht, dass irgendwelche Persönlichkeitsmerkmale übereinstimmen oder einander ähnlich sind, sondern dass die Realitäten beider Personen verträglich sind.

Nun musst du dich versuchsweise ein bisschen auf Philosophie einlassen. Und das geht so:

- Du hast eine Vorstellung.
- Du hältst diese Vorstellung für die Realität.
- Du denkst, dass die Realitäten der anderen mit deiner Realität übereinstimmen.

Ich sag dir schon mal vorab dies: Es ist höchst unwahrscheinlich. Also musst du jemanden finden, dessen Realität sich am besten mit deiner Realität verträgt. Oder etwas genauer:

Deine Wirklichkeit und die Wirklichkeit der anderen sollten sich in einem möglichst großen Bereich überlappen.

Konstruktivismus - ein möglicher Schlüssel zum Partner

Diese Theorie entstammt der Schule des Konstruktivismus. Sie besagt, dass wir „nicht wirklich über die Wirklichkeit verfügen“, sondern sie uns aus den Bruchstücken unserer Erfahrungen „zurecht schneidern“. Diese Theorie ist unbequem, weil sie voraussetzt, dass wir über alle emotionalen Belange (auch über sexuelle) erst einmal „verhandeln“ oder „kommunizieren“ müssen, und nicht davon ausgehen können, dass schon zuvor eine Übereinstimmung besteht.

„Unbequem“ ist kein Argument gegen etwas. Und eure Partnersuche könnt ihr mit dem Satz „ich suche einen Partner, dessen Welt sich mit meiner verträgt“ gelassen schmücken.

(1) Paul Watzlawick "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" , Vorwort, Seite 9.
(2) Carl-Gustav Jung. Veröffentlichung zum Thema ca. 1921.
(3)Fünf-Faktoren Modell (darauf teilweise basierend) : Erfunden 1936, dann fast vergessen, 1980 wieder neu belebt. seither eine Art "Favorit" unter Psychologen.

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