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Partnersuche: Kann man Wissenschaftlern vertrauen?

Kanadische Wissenschaftler haben festgestellt … ja, sie haben etwas „festgestellt“. Sie haben nämlich das 2008 gestartete Beziehungs- und Familienpanel pairfam ausgewertet. Darin sind Daten von 12.000 bundesweit zufällig ausgewählten Personen enthalten. Man verwendete die Daten der Geburtsjahrgänge 1971-73, 1981-83 und 1991-93. Davon erhoffte man sich Auskünfte über die Entwicklung von Partnerschaftsbeziehungen in unterschiedlichen Lebensphasen.

Was hat man nun Bedeutsames festgestellt?

Nun, man hat 332 Menschen aufs Korn genommen, die schon einmal einen Partner hatten und später eine neue Partnerschaft eingegangen sind. Dabei stellten sie offenbar fest, dass eine signifikante Übereinstimmung zwischen dem Ex-Partner und dem neuen Partner bestünde.

Der signifikante Unsinn

Die Übereinstimmungen wurden offenbar aufgrund des Fünffaktorenmodells festgestellt, dem Standard für angeblich „wissenschaftliche“ Vergleiche zwischen Persönlichkeiten. Das Modell ist zwar „Stand der Wissenschaft“, ob es aber tatsächlich relevante Eigenschaften für Beziehungen abbildet, konnte niemals bewiesen werden. Und weil das so ist, ist die sogenannte „Signifikanz“, also die Bedeutsamkeit, zumindest fragwürdig, wenn nicht gar Unsinn.

Was, wenn überwiegend das Milieu entscheidet?

Mit anderen Worten: Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass sich jemand nach seiner Scheidung/Trennung einen Partner sucht, der verfügbar ist und an dem er sich emotional, sexuell und sozial erfreut. Hingegen ist unwahrscheinlich, dass er sich nach irgendeinem „Persönlichkeitsprofil“ orientiert. Hinzu kommt noch, dass die Persönlichkeitsprofile in der Bevölkerung nicht gleichmäßig verteilt sind. Wer sich also aus einem „bekannten Milieu“ (Beruf, soziale Umgebung) Partner wählt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit „ähnliche Typen“ treffen. Und zwar sowohl solche, bei denen mit „Common Sense“ festgestellt werden kann, dass sie ähnlich sind wie der/die Ex als auch solche, die im Sinne der „Big Five“ ähnlich sind, weil sie häufiger auftreten als andere. Das hat mit „unbewusster Partnerwahl“ möglicherweise nicht das Geringste zu tun.

Suchen Geschiedene überhaupt nach Psycho-Kriterien?

Die Vorstellung, dass sich Geschiedene „jemand völlig Anderes“ suchen würden, weil sie glauben, dass es mit dieser Person „besser geht“ ist in diesem Zusammenhang absurd. Die meisten Geschiedenen suchen sich eine andere Person, nicht jemanden, der „anders ist“ und auch nicht jemanden der „ähnlich ist“ wie die/der Ex. Schon gar nicht im Sinne der „Big Five“ (Fünffaktorenmodell).

Auch die Wissenschaftler zweifeln an der Bedeutung

Auch die Wissenschaftler selbst wissen noch nicht so recht, was ihre Ergebnisse bedeuten könnten. Auf der einen Seite sagen sie, dass die Strategie „ähnlich wie die/der Ex“ erfolgreich sein könnte. Sie beurteilen dies so, dass man in einer erneuten Beziehung mit einem „ähnlichen“ Menschen all sein Wissen über die Gestaltung von Beziehungen wiederverwenden könne. (1)

Auf der andern Seite jedoch fürchten sie, dass die Wahl eines ähnlichen Partners auch negativ auswirken könne. Dabei gehen sie offenbar davon aus, dass sich das Paar zuvor aufgrund inkompatibler Persönlichkeitsstrukturen getrennt haben könnte. (1)

Die Forscher sind dabei extrem vorsichtig und behaupten nicht, dies zu wissen. Sie sagen, dass weiter Forschungen zum Thema erforderlich seien, geben aber an (2):

Wenn Sie also feststellen, dass Sie von Beziehung zu Beziehung dieselben Probleme haben, sollten Sie vielleicht darüber nachdenken, wie die Hinwendung zu denselben Persönlichkeitsmerkmalen bei einem Partner zum Fortbestehen Ihrer Probleme beiträgt.

Gründe des Scheiterns – psychische Inkompatibilität?

Hier taucht ein weiterer Mangel der Studie auf: Werden Scheidungen (Trennungen) wirklich wegen psychischer Inkompatibilität gewünscht oder sind es nicht vielmehr ganz andere Gründe, die zu Scheidungen führen? (Seitensprünge, sexuell attraktiven Partner gefunden, überdrüssig geworden sein, über die Zeit einen anderen Lebensweg eingeschlagen haben?)

Skepsis gegenüber der Forschung zahlt sich aus

Deutlich wird: Es ist immer gut, gegenüber Forschungsergebnissen skeptisch zu sein. Das Fünffaktorenmodell ist ein Maßstab für die Persönlichkeit, aber kein Maßstab für Partnerkompatibilität. Bestenfalls kann man sagen: Geschiedene Partnersuchende setzen möglicherweise auf eine Persönlichkeit, die dem Ex-Partner nach der gängigen psychologischen Ansicht ähnlich ist.

Mal ganz einfach gedacht: Dem „Durchschnittsmenschen“ sind eben viele anderer „Durchschnittsmenschen“ ähnlich. Wirklich „ganz andere Menschen“ besiedeln selten den Kreis der Durchschnittsmenschen.

(1) Unter Verwendung von Zitaten aus Science Daily
(2) Wörtliches Zitat, ebenda.
Abstract; Pnas.

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