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Welchen Preis zahlst du für die Liebe?

Das den Annehmer bewegende Gefühl ist der Schmerz. Die Erfahrung des Schmerzes als Preis für die Liebe, der er erhält, ist ihm vertraut. Er kann damit leben.

Daniel Casriel

Emotionen ausgelaugt ... keine gute Lösung
Liebe ist keine beliebig verfügbare Ressource. Das heißt: Es gibt nicht genügend Menschen, die Liebe im Überfluss verschenken können oder wollen. Hingegen gibt es einen riesigen Bedarf an Liebe, der vom Angebot nicht gedeckt werden kann.

Wie gehen die Menschen mit der Ressource „Liebe“ um?

Ganz grob können wir Menschen in zwei Kategorien enteilen:

Ablehner

Die Einen haben eine lange Zeit (mindestens in der Kindheit) Liebe erfahren, ohne etwas dafür tun zu müssen. Sie sind überrascht, wenn für die Liebe später ein Preis aufgerufen wird, und besinnen sich dann oft darauf, sich selbst lieben zu können, wenn es an der Liebe anderer mangelt.

Annehmer

Die Anderen mussten schon bald etwas leisten, um geliebt zu werden. Sie lernten: Liebe hat einen Preis, und es kann schmerzlich sein, ihn zu entrichten. Weigere ich mich aber, ihn zu bezahlen, geht es mir schlecht. Idealerweise müsste ich nun ökonomisch denken: für möglichst wenig Schmerz viel Liebe einzuhandeln.

Der zitierte Daniel Casriel nennt die eine Gruppe die „Ablehner“ die andere die „Annehmer“. Ein extremer „Ablehner“ wäre bereit, auf die Liebe anderer zu verzichten, um sich selbst und seien Ideen zu verwirklichen, gleich, ob man ihn dafür liebt oder nicht. Hingegen würde ein extremer „Annehmer“ jeden Verlust, jeden Schmerz und jede Erniedrigung hinnehmen, um auch nur ein wenig Liebe zu erhalten.

Die meisten Menschen liegen mit ihren Gefühlen nicht an den Extremen, sondern irgendwo im Mittelfeld, das heißt, sie kennen den Preis, den sie für die Liebe zu zahlen bereit sind, und sie können „damit gut leben“.

Liebe, was ist dein Preis?

Der übliche Preis für die Liebe ist der Verlust der völligen Freiheit, also „zu fühlen, zu denken und zu handeln, wie man selber will“. Typisch für die Ausgangslage wäre die Aussagen eines „ablehnenden“ Singles: „Ich kann tun was ich will, reisen, wohin ich will und schlafen, mit wem ich will.“ Bindet sich dieser Single, so sind diese Freiheiten erheblichen Einschränkungen unterworfen. Der „Annehmende Single“ würde sagen: „Ich verzichte gerne auf meine Freiheiten und tauschen dafür Liebe, Geborgenheit und Sinnhaftigkeit.“

Wenn der Preis für die Liebe zu hoch wird

Das alles wäre akzeptabel, wenn die Annehmer nicht mit gefühlssaugenden menschlichen Vampiren rechnen müssten. Jene wissen, dass manche liebebedürftige Menschen sozusagen „jeden Preis“ zahlen, sogar den, sich selbst emotional zu zu zerstören. Ob man solche Menschen, wie Casriel vorgibt, als „neurotisch“ oder „charaktergestört“ bezeichnen kann, ist eine Frage, die Psychiater und Psychologen unter sich klären sollten. Der Mensch, der liebt, kennt seine Bedürfnisse und Entbehrungen, seine Triebe, Lüste und Tränen, aber er handelt auf keinen Fall vernünftig. Der Preis für die Liebe ist zumeist dann zu hoch, wenn die eigene Selbstachtung dauerhaft verloren geht, die finanziellen Ressourcen aufgebraucht sind, der Körper nachhaltig geschädigt wird oder die sozialen Grundlagen wegbröckeln.

Geld, Emotionswährung und „Niedergang“ als Preis

Geld und Gut als Tauschmittel für die Liebe sind nicht gerne gesehen, was nicht heißt, dass es dennoch recht viele Menschen gibt, die sich auf solche „Deals“ einlassen. Zwar wird hier nur die Illusion der Liebe „verkauft“, aber sie wird in längeren Beziehungen oft so perfekt gespielt, dass wenigstens der „Käufer“ meint, echte Liebe zu erhalten.

Weniger verpönt ist die Liebe gegen Emotionswährung. Dabei versucht der Partner, Liebe zu geben und damit sein „psychisches Einkommen“, also seine emotionale Zufriedenheit, zu steigern. Erwünscht ist, einen Mehrwert zu erzielen: „Ich gebe Liebe – davon habe ich reichlich. Ich tausche dafür Glück und Zufriedenheit, davon habe ich nicht genug.“ Der Mehrwert kann auch in Macht, Einfluss oder einer besseren sozialen Stellung bestehen.

Die wirklichen Gefahren und dreckigen Methoden

Obgleich beide Methoden als „unethisch“ gelten mögen, sind sie immer noch gefahrloser als „Liebe gegen Seelenausverkauf“. Bei dieser Variante erlaubt die/der Liebessehnsüchtige, dass ihre/seine Emotionen bis zur Neige, möglicherweise gar bis zum Wahnsinn erschöpft werden. Abgemildert könnet man sagen: Dabei wird der letzte Cent an Emotionswährung verschenkt, ohne einen einzigen Penny an Glück zu gewinnen.

Was bedeutet Sadismus und Masochismus in diesem Fall?

Ablehner sind keine typischen Sadisten – sie haben es nicht nötig, denn sie genügen sich selbst. Und obwohl „Annehmer“ keine „geborenen“ Masochisten sind, können sie offenbar leicht in solche verwandelt werden. Die Gefahr geht davon aus, durch die Liebe, die ja bereits eine Abhängigkeit ist, in weitere Abhängigkeiten hineingetrieben zu werden. Geschieht dies mithilfe der bekannten „Salamitaktik“, so können die Betroffenen am Ende nicht einmal mehr feststellen, wann die „totale Unterwerfung“ stattfand. Der fließende Übergang ermöglicht dem böswilligen Partner, den Annehmer emotional auszubluten.

Das Fazit - der Preis der Liebe

Liebe hat einen Preis, aber kein Etikett, von dem er ablesbar ist. Er wird normalerweise in der Aufgabe gewisser Freiheiten bezahlt. Je größer das Liebesbedürfnis ist, und umso schwerer es erfüllbar ist, umso mehr steigt der Preis.

Seit einigen Jahren ist üblich, das „psychische Einkommen“ mithilfe von Liebe aufzubessern. Dabei wird versucht, Liebe (alternativ auch puren Sex) als Tauschmittel gegen Glück einzusetzen. Den Preis legt jeder selbst fest – wichtig ist nur, dass ein fühlbarer Gewinn erzielt wird. Das jedenfalls behauptet der Ökonom und Historiker Gérard A. Böcklemann.

Wer mit einem beinahe erschöpften „psychischen Einkommen“ dennoch versucht, den Preis der Liebe zu bezahlen, macht psychische (gelegentlich auch soziale, finanzielle oder körperliche) Schulden, die das Ende der glücklichen Existenz einläuten können.

Anmerkung: Daniel Casriel ist wegen einer seiner Methoden umstritten, trifft aber mit dem Zitat dem Nagel durchaus auf den Kopf. Gérard A. Böcklemann hat versucht, den Preis der Liebe näher zu definieren, und zwar ins seinem Buch „Ökonomie der Sexualität“.

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