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Der erotische Sadismus – kaum Tatsachen, viele Spekulationen

Klischee einer Sadistin
Ob Sporttrainerin, Tanzlehrerin oder Domina … etwas Sadismus steckt in vielen Menschen. Jedenfalls dann, wenn sie andere Menschen bis zu den Grenzen ihrer Leistungs- und Leidensfähigkeit treiben wollen.

Doch alle die Genannten haben sozusagen ein gutes Alibi: Sie dienen ja den anderen, um ihre ultimativen Grenzen zu erreichen. Sie sind sozusagen „Sadisten im Dienste der masochistischen Personen.

Die Puppen sollen nach Vertrag tanzen - das Klischee über Sadismus

Angebliche „echte“ erotische Sadisten hingegen wollen „die Puppen tanzen sehen“. Ihnen macht es Freude, Menschen zu etwas zu bewegen, was sie eben nicht tun würden, wenn sie nicht genötigt würden. Der Sadismus kann demnach darin bestehen, Menschen zu demütigen oder zu beschämen oder sie in ihrer Beweglichkeit zu hemmen (Fesseln). Sadisten können unsinnige Regelwerke vorschreiben (Kleidung, Arrest, Keuschhaltung, Mittelentzug, Zwangsfasten, Sklavenverträge) und die Körper ihrer Mitspieler beliebig sexuell nutzen. Oder sie nach Lust und Laune körperlich bestrafen. So jedenfalls die Klischees und ständig wiederholten Behauptungen aus einschlägigen und weniger einschlägigen Publikationen und Romanen. Ihr Wahrheitsgehalt ist so gut wie gar nicht recherchierbar, weil nahezu alle einschlägigen Werke zum Thema von Frauen verfasst worden sind, die Dominanz gegen Geld anbieten. Man kann nicht behaupten, sie seinen repräsentativ für "echte Sadisten".

Sadisten und Sadistinnen aus der Sicht der Psychologie

Ob sie daraus unmittelbar sexuelle Erregung gewinnen, ist nicht verbürgt. Angeblich wollen viele nur erleben, inwieweit sich Menschen knechten oder quälen lassen, ohne ernstlichen Widerstand zu leisten. Die folgenden Meinungen sind Extrakte aus psychologischen Verlautbarungen.

Allgemeiner Sadismus

Der allgemeine (nicht zwangsläufig sexuelle) Sadismus zielt nach Meinung der Psychologie darauf ab, möglichst die absolute, in jedem Fall aber die partielle Herrschaft über einen anderen Menschen zu gewinnen. Darin legt also eher ein Glücksgefühl als eine erotische Komponente.

Sexueller Sadismus

Der sexuelle Sadismus wird, wie ebenfalls von Psychologen behauptet, als erregende Begleitung zum Geschlechtsverkehr angesehen – entweder zuvor, währenddessen oder aber auch danach. Viele Paare geben immerhin an, dass leichter Sadismus im Vorfeld zu den üblichen Praktiken ihres Liebeslebens gehört. Leichte Schläge und bestimmte Handlungen führen zumeist auch dann zur Erregung, wenn der Partner nicht „schmerzgeil“ ist. Ist er es es dennoch, so werden auch härteste Schläge eingesetzt, um ihn oder sie sexuell zu berauschen.

Sexueller Sadismus ohne Befriedigung

Als eine „Sonderform“ des sexuellen Sadismus gilt psychologisch gesehen die Qual und Erniedrigung ohne darauf folgenden Geschlechtsverkehr. Man kann sich das so vorstellen: Der Sadist oder die Sadistin quält ihren Gegenspieler so lange, bis er das Maximum an aufgeilendem Schmerz oder schmervoller Geilheit erlangt hat. Der Sadist/die Sadistin befriedigt sich später nicht an ihrem Gegenspieler und lässt sich von ihm/ihr auch nicht befriedigen. Der teilnehmende Masochist wird ebenfalls nicht befriedigt, sondern „darf“ sich später selbst befriedigen. Die Frage ist, ob dies eine Sonderform ist, da Geschlechtsverkehr nicht zwangsläufig zu SM-Spielen gehört. Dazu ein Zitat (Doccheck):

Eine Sonderform des sexuellen Sadismus und nach Eric Bornemann sogar eine zusätzliche Ausprägung, stellt der perverse oder kompensationsatorische Sadismus dar.
Historische Kuriosität – der Psychiater spricht.

Die Vorstellungen des 19. Jahrhunderts, in die Sucht, andere quälen zu müssen, um zur sexuellen Erfüllung zu kommen, zum ersten Mal mit dem Wort „Sadismus“ belegt wurde, war abenteuerlich. Im Grundsatz galt Sadismus als männliche Eigenschaft, und dabei fand ich folgende spekulative Behauptung:

Eine ganz eigene, sicher als sadistisch anzusprechende Art … im Kulturleben von heutzutage ist ein allzu stürmisches Vorgehen des den martialen (1) Akt begehrenden Gatten gegenüber seiner Konsors (2) bis zur Drohung und Puffen (3). Es ist wahrscheinlich, dass die zu große Zurückhaltung, namentlich in in der ersten Zeit des ehelichen Zusammenlebens, bei vorhandener Hypersexualität des Gatten bei diesem solche sadistischen Neigungen weckt, aufgrund welcher solche Szenen provoziert werden. … Eine Weiterentwicklung solcher sadistischer Züge ist das Begehren des Koitus seitens des Mannes loco indebito (3), indem er sich an der Verlegenheit, dem Schamgefühl der Uxor (4) weidet, sie seine Überlegenheit empfinden lässt und ihre Gegenwehr herausfordert.

Frauen galten als uninteressiert an Sex und Sadismus

Frauen wurde eher das Gegenteil nachgesagt: Sie galten als schmerzbereit und gefügig, und manche Autoren konnten sich auch nicht im Geringsten vorstellen, dass Frauen aus sadistischen Handlungen Lust gewinnen konnten. Mancher mag sich noch an Schiller erinnern, bei dem „Weiber zu Hyänen“ wurden, die „mit Entsetzen Scherz“ treiben, aber die Psychiater des 19. Jahrhunderts dachten anders. Für sie konnte ein „Weib“, das für sie ohnehin nur ein schwaches sexuelles Begehren zeigte, auf keinen Fall sadistische Triebe entwickeln.

Das erotische Leiden in Wort und Bild

Die Lust daran, andere Leiden zu sehen, ist bei jedem Menschen anders ausgeprägt. Typisch ist, dass sich viele Menschen an Texten, Bildern, Filmen oder tatsächlichen Handlungen ergötzen können, bei denen der Sadismus nicht von ihnen selbst ausgeht.

Bei den Lesern oder Betrachtern, wie auch bei den “tatsächlich Ausübenden“ wird oft übersehen, dass sie keinesfalls eindeutige, sondern durchaus zwiespältige Gefühle haben, die zwischen Lust und Abscheu, sinnlichem Erschauern und Angstschweiß wechseln.

Männer und Frauen – wo sind die Sadisten?

Der Anteil von erotischen Sadisten, die tatsächlich zu längeren, qualvollen Sitzungen bereit sind, ist deutlich geringer als die Nachfrage – das gilt sowohl für männliche Sadisten wie auch für weibliche. Generell gilt, dass Frauen in beiden Rollen ausgesprochen begehrt sind. „Die Männer legen sich den weiblichen Sadisten zu Füßen“, wie es in einem Interview heißt.

In vielen Publikationen psychotherapeutischer Art ist davon die Rede, dass „Sadismus“ und „Masochismus“ nur zwei Seiten einer Medaille sind, deren Kern eine gemeinsame „Paraphilie“ ist. Wie in der Psychologie üblich, werden dennoch „Zuschreibungen“ vorgenommen, die in den freudschen Kontext passen. Dabei spielen die Angst vor Zurückweisung und vor allem das Schamgefühl offenbar eine große Rolle.

Man kann und muss Deutungen mit Vorsicht genießen. Jeder, der sich „fallen lässt“ und zulässt, dass ein anderer „nach Belieben mit ihm verfährt“ überschreitet willentlich eine Schwelle, an der er (sie) die Verantwortung abgibt. Man kann aber nicht in gleicher Weise behaupten, dass ein sogenannter „Sadist“ oder eine entsprechende Sadistin dies genau so sehen würde.

Relativ fragwürdig sind auch Aussagen, nach denen Männer ihre erotischen Triebkräfte durch einen aggressiven Sadismus steigern, während von Frauen behauptet wird, dass sie auf ähnliche Weise durch ihren Masochismus sexuell erregt würden.

Das Fazit

Die Welt der Psychologie ist voller Spekulationen – und das angebliche „Wissen“ beruht überwiegend auf Annahmen, nicht auf Fakten. Tatsächlich wissen wir nicht, was „natürliche“ Sadistinnen und Sadisten fühlen und welche Gelüste sie während der Unterwerfung anderer bekommen. Wir können annehmen, dass sie abgebrüht sind, oder dass sie einen Teil ihrer Emotionen unterdrücken – aber auch, dass sie einfach aus Gewinnsucht handeln, wenn sie den korrekten oder getürkten Sadismus verkaufen. Und wenn wir die Wahrheit wüssten? Würde es uns wirklich helfen, ihre Handlungen zu verstehen? Ich habe meine Zweifel.

Allgemeines Wissen über das Thema vermittelt "Seele und Gesundheit"

Erklärungen zu Krafft-Ebing (psychopathia sexualis)
(1) Ehelicher Geschlechtsverkehr.
(2) Partnerin.
(3) Zu Schlagen.
(4) Von der falschen Seite = anal.
(5) Frau.



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