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Es ist nur Unterhaltung …

Lüste und Schmerz in der Internatsliteratur
Ein großer Teil der modernen erotischen Literatur für Frauen ist … einfach Unterhaltung. Was viele der Leserinnen nicht daran hindert, davon geil zu werden - und das ist absolut in Ordnung.

Eine Dame präsentiert sich im Unterkleid
Schauen wir etwa 120 Jahre zurück, so war das Wissen der jungen Frauen um die Möglichkeiten, „fleischliche Begierden“ auszuleben, noch sehr gering. Schon der Anblick des nackten Fußes konnte bei den Männern erotisches Verlangen auslösen – und sah ein lediger Mann gar eine schöne Frau im Unterkleid, so besuchte er höchstwahrscheinlich im Bordell.

Die Literatur jener Tage war umso heftiger. Nacktheit, rituelle Bestrafungen, Waschungen, das Erforschen der Intimsphäre mit detaillierter Beschreibung der Vorgehensweise waren bei den literarisch versierten Autorinnen und Autoren an der Tagesordnung.

Damals war die Schwelle zischen reiner Fantasie und der tatsächlichen Ausübung allerdings wesentlich höher als heute - vor allem für Frauen. Wenn überhaupt, so gab es sie in Geheimgesellschaften, von denen zwar immer wieder geflüstert wurde, deren Zugang aber den bürgerlichen, unverheirateten Frauen verschlossen war.

Heute liegt die Latte deutlich niedriger, über die es zu springen gilt – die erotischen Schilderungen hingegen werdend deutlich plakativer, irrationaler und weniger nachvollziehbar.

Als Beispiel für die Vergangenheit will ich die „nähe zur erotischen Hitze“ in Internaten nennen. Viele der jungen Damen, die dort erzogen wurden, waren aktiv oder passiv in Amouren zum gleichen Geschlecht verwickelt, mindestens aber kannten sie solche Empfindungen von anderen. Zudem konnten die Zöglinge Gruppen bilden, die versuchten, sich von anderen abzuheben, und die Wissen über Sexualität ansammeln konnten. Und schließlich gab es reale Körperstrafen, die zwar in den Schilderungen der Literatur deutlich übertrieben wurden, deren Strafcharakter allerdings nicht ausschließlich in der körperlichen Züchtigung, sondern eher in der Beschämung lagen, die damit einherging.

Der modernen Frau, die heute erotische Literatur liest, werden wundersame Brücken gebaut, über die sei erst einmal gehen müssen, bevor sie das sinnliche Geschehen verinnerlichen können.

Man verwendet dazu Elemente aus erotischen Märchen, mischt sie mit etwas SM-Literatur aus fragwürdigen Internetquellen ab, und produziert sodann eine „Story“, die mit allerlei Kitsch und Klischees angereichert wurde - gelegentlich sogar mit etwas Küchenpsychologie.

Sicher – es ist nur Unterhaltung. Und es mag sein, dass mancher Slip davon feucht wurde. Aber die Schilderungen legen eben auch erotische Strömungen frei, die der Leserin zuvor nicht bewusst waren. Aber verglichen mit der Literatur des 19. Und des frühen 20. Jahrhunderts basieren diese Schilderungen nicht auf Ereignisse, die jemand „so ähnlich erlebt haben könnte“, sondern auf das Eintauchen in eine Märchenwelt.

Und wer dergleichen vollziehen will? Dann wird die Angelegenheit wirklich heikel. Eine „eingeweihte“ Bloggerin schrieb dieser Tage:

(Solche Bücher stellen …) … auch gefährliche und verwirrende Präzedenzfälle für Neugierige und Uneingeweihte dar.

Ein Beispiel dafür mag sein, dass die sinnliche Lust am Spiel, wirklich krankhafte Neigungen und gefährliche psychische Manipulationen in modernen Romanen als Eintopfgericht serviert werden. Das regt nicht nur die „Adepten“ der Szene auf, sondern es sollte auch als Warnung verstanden werden. Die Welt erotischer Lüste und Fantasien ist kein Ponyhof.

Bild oben: Teilansicht einer Buchillustration, koloriert .
Bild seitlich: Aus dem Titel einer erotischen Zeitschrift von 1901.

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