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Ist die Sprache schuld an der Akzeptanz von Prostitution?

Als ich jüngst die Sendung „Nachtcafé“ (in einer Wiederholung) sah, fiel mir die Aussage eines Mannes auf, der auf die „aufgeweichten“ Begriffe hinwies, die Journalisten inzwischen für die Prostitution verwenden.

Der Versuch, höfliche neue Namen zu finden

Der Mann wollte offensichtlich beweisen, dass wir durch unseren Sprachgebrauch zur „Verharmlosung“ der Prostitution beitragen und damit den Menschenhandel begünstigen. Das mag man behaupten, aber dann müsste es ein „deutsches Phänomen" sein. Doch das ist nicht der Fall. Überall in der westlichen Welt haben sich die Worte verändert - und zwar für alle Formen der Geschlechtslust - völlig unabhängig davon, ob es sich um „Sex aus Liebe“, „Sex aus Gefälligkeit“ oder „Sex aus gewerblichem Interesse“ handelt. Überall, wo die Lust verschenkt oder vermarktet wird, wo sie genossen, erduldet oder ertragen wird, haben sich die Bezeichnungen verändert.

Im normalen Leben dürfen jetzt alle Lust haben

Eine Frau, die aus sich selbst heraus Lust empfindet, ist nicht mehr promiskuitiv, auch nicht nymphoman oder gar „mannstoll“, wie man früher sagte. Sie ist schlicht und einfach eine Frau, die Lust empfindet und diese Lust gerne mit jemandem stillen würde - manchmal mit einem Mann, manchmal mit einer Frau.

Was sich wirklich verändert hat, ist die Art und Weise, wie wir in offiziellem Schrifttum Frauen gegenübertreten. Denn wenngleich der Mann immer noch in den „Puff“ gehe mag, um dort eine „Nutte“ zu „bumsen“, ist die offizielle Schreibung von solchen Begriffen weit entfernt.

Die Menschenwürde gilt für alle

Wenn jeder Mensch eine Würde hat, dann muss dies für alle gelten, unabhängig davon, ob diese Menschen ihre Würde vermarkten, ob sie „gehandelt“ werden oder was sie sonst auf dieser Erde tun mögen.

Schon der Begriff „Prostituierte“ ist ehrenrührig. Freilich stellen diese Frauen ihren „Körper zur Schau“, aber das ist eine sehr oberflächliche Betrachtung. Aus diesem Grunde sagt man heute „Anbieterin“ („Provider“), oder „Sexarbeiterinnen“(„Sex Workers“) und auch „sexuelle Dienstleisterinnen“. Die meisten Frauen, die solche Arbeiten außerhalb von Bordellen verrichten, werden heute als „Escort Girls“ bezeichnet, als „Begleiterinnen“. Auch die Freier, die oftmals „das Böse schlechthin“ darstellen sollen, werden mehr und mehr als „Kunden“, „Klienten“ oder gar „Liebhabern“ (Hobbyist) bezeichnet.

Erotische Illusionen werden „hoffähig“

Auch der Vollzug bekommt klangvollere Namen wie „intime Begegnungen“ oder „Sex wie mit einer richtigen Freundin“, der unter dem Codewort „GFE“ vermarktet wird.

In den USA und auch in Europa wird inzwischen manchmal bereits vor „Dating-Seiten“ gewarnt, weil einige von ihnen entweder von verkappten „Anbieterinnen“ heimlich genutzt werden oder die unter dem Vorwand von „Unterstützung“ oder „kostenlose Urlaube“ für sie eingerichtet wurden. Dazu gehören auch „User Dates“ - also Begegnungen mit Amateur-Darstellerinnen in pornografischen Filmen, die in den USA auch als „PSE“ bekannt sind.

Zurück zu den „alten“ Begriffen?

Das Geschäft „dahinter“ mag menschenunwürdig und oftmals kriminell sein - aber es ändert sich nicht dadurch, dass wir die alten Begriffe wieder einführen oder uns zu besserwisserischen Moralisten aufschwingen.

Ich muss etwas Bitteres für die Besserwisser ergänzen: Die meisten Ausdrücke, die ich hier benutzt habe, entstanden in einem Land, in dem Prostitution „offiziell“ verboten ist, während die verschleierte Prostitution bizarre Blüten treibt - in den USA.

Das Fazit - die Sprache ändert nichts an den Umständen

Mein Fazit ist einfach: Wir können mit dem Sprachgebrauch weder Prostitution noch „Menschenhandel“ verhindern, ja, wir können die Sprache gar nicht wieder zurückdrehen. Und mir scheint auch merkwürdig zu sein, dass daran die „Politik“ schuld sein soll, die „falsche“ Gesetze erlässt.

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