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  Eigenwerbung

Internate, Frauen, Schläge und schmutzige weiße Männer

Eine bescheidene Warnung an empfindsame Leser(innen)

Diese kleine Artikelserie behandelt ein Thema, das vielen Menschen befremdlich erscheint. Ersten betrifft er einen Umstand, den man in der guten Gesellschaft geflissentlich ignoriert, nämlich die Züchtigung. Und zweitens geht es hier unter anderem um ein Thema, das gemeinhin hin als „schmutzig“ angesehen wird.. Zum Dritten sind die vermeintlichen Opfer der Schläge oftmals junge Frauen, die sich in Zwickmühlen befinden. Aufgrund dieser Brisanz sollten den Artikel nur Menschen lesen, die entsprechend geläutert sind. Diese Artikelserie behandelt das Thema ausschließlich historisch (zwischen ca. 1890 und 1990) und reicht nicht in die Jetztzeit hinein.

Buchillustration gegen 1920 - Dame des Hauses und Dienstmagd

Erster Teil: Am Anfang stehen die Frau - in beiden Rollen

Historisch betrachtet besteht die deutliche Mehrheit der Strafenden in der klassischen erotischen Literatur aus Frauen, und ebenso handelt es sich bei den Gestraften zumeist um Frauen. Ist dies nicht der Fall, so wird zumindest versucht, die Geschichte aus der Perspektive einer Frau zu erzählen, die Züchtigungen gutheißt. Die Autorinnen und Autoren bemühen sich dabei zumeist, die erotisierende Stimmung der Züchtigung erotisch zu verdichten, was deutlich besser gelingt, wenn eine spannende, lustvoll-sinnliche Atmosphäre erschaffen wird. Mit Männern als strafende Personen ist die ungleich schwerer, da von ihnen keine Sinnlichkeit erwartet wird, sondern eher die als pervers empfundene Lust des Sadisten. Also nutzen professionelle Autoren wie auch Groschenheft-Schreiber gerne eine feminisierte Perspektive (1). Die Aussage, erotische Literatur sei Frauensache (2), gilt heute wie gestern, mögen die Gründe heute auch völlig andere sein als zur Viktorianischen Zeit.

Dies alles gilt auch für jene englischsprachigen Romane, in denen Frauen die Erziehungsgewalt über junge Männer durch Körperstrafen unterstreichen. Dabei wird die Frau in der Doppelrolle der lustvollen Verlockung und der strafenden Gouvernante gezeigt. Das Vorbild ergibt sich aus der „Petticoat Discipline“, bei der sich junge Männer, sich ganz und gar „dem Rock unterwerfen“ müssen. (3)

Die Erotik der „höheren Töchter“ und die Internate

Für beide Tendenzen gibt es gute Gründe. Einer ist sicherlich, dass es zahllose wahre oder jedenfalls klug nachempfundene Schilderungen der erotischen Überhitzung unter den „Höheren Töchtern“ gab, die eine Internatserziehung „genossen“. Sie beruht einerseits auf wirklichen Strafen, dann aber auch auf die romantisierte Liebe zu den Erzieherinnen. Diese wurden oft mit „Mademoiselle“ tituliert oder gleich als Französinnen bezeichnet. Ihre körperliche Nähe ließ sich auf verschiedene Art erschleichen - und am intimsten dadurch, dass sich die Internatsschülerinnen auf Strafen einließen. Die Intimität begann bereits mit der Prozedur der Entblößung, wobei die Schilderungen danach variieren, welche Kleidungsstücke gerade in Mode waren - oder ob die Damen einfach ihre Schuluniformen trugen.

Spiele mit Züchtigungen und lesbischer Liebe

Die Schwüle des Internats - ein beliebtes Thema in den 1930ern
Je nach der Epoche, in der die Geschichten spielten, mussten also Röcke, Unterröcke sowie andere Teile der Unterbekleidung entfernt werden, bevor die Prozedur beginnen konnte. Da die Züchtigungen meist mit einem „Anwärmen“ durch Handschläge verbunden waren, begannen die Züchtigungen oftmals mit körperlichen Kontakten, die das Gefühlsleben besonders beflügelten. Da wir die Details solcher intimen Züchtigungen nahezu ausschließlich der erotischen Literatur entnehmen können, ist niemals sicher, wo die Grenzen zwischen echten Strafen, gewillkürten Strafen oder intimen Begegnungen unter dem Vorwand der Bestrafung verliefen.

Es ist auch nicht sicher, ob es sich immer um „lesbische Liebe“ handelte, die all dies beflügelte, oder eher um die „Lust als solche“, die sich in allerlei skurrilen Formen äußerte. Die Sinneslust befriedigten die jungen Frauen jedenfalls oftmals, indem sie sich gegenseitig verführten oder sich den Erziehungsspielen untereinander hingaben, wobei ein Teil dieser Praktiken in der Fantasie noch deutlich erregender war als in der Praxis.

Die meisten Schilderungen von als erotisch empfundenen Züchtigungen an jungen Frauen wurde in Internate verlegt, einige in Erziehungsanstalten oder Zuchthäuser, später auch in militärische Einrichtungen. Dazu kam die häusliche Züchtigung, die ebenfalls rituell vollzogen wurden, wobei nun auch die Gouvernanten ins Spiel kommen, denn in den vornehmen Familien wurden die Töchter oder Söhne nicht von den Eltern geschlagen.

(wird fortgesetzt, lest jetzt über die begehrten Hefte für "ältere Gentlemen". )

(1) Beispielsweise im äußerst frivolen Roman "Beauty and The Birch", erschienen 1905.
(2) Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens, Berlin 2014
(3) Exemplarisch in "Weiberherrschaft (Gynecocracy, 1883)
Bild oben ca.1920 (Oberteil) möglicherweise von Étienne Le Rallic

Bild Mitte ca. 1930 (Oberteil) von "Daisy Lennox" (Fontana).

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